„Hund zum Abschuss freigegeben“: Wie eine Falschmeldung auf Facebook aus dem Ruder läuft
Roos: Keine Genehmigung erteilt

Saerbeck -

„Entlaufener Hund wird von der Gemeinde Saer­beck im Kreis Steinfurt zum Abschuss frei gegeben!!!“ Die Nachricht – vor wenigen Tagen in dem sozialen Netzwerk Facebook veröffentlicht – hat für sehr viel Wirbel gesorgt. Dabei handelt es sich allerdings um eine Falschnachricht.

Dienstag, 07.01.2020, 17:26 Uhr
Mit einem Suchaufruf bittet die Hundehilfe Nino um Hinweise im Fall eines entlaufenden Hundes. Ein Exemplar hängt an einer Pinnwand im K+K-Markt.
Mit einem Suchaufruf bittet die Hundehilfe Nino um Hinweise im Fall eines entlaufenden Hundes. Ein Exemplar hängt an einer Pinnwand im K+K-Markt. Foto: Alfred Riese

Wie der Saerbecker Bürgermeister Wilfried Roos auf Nachfrage bestätigt, hat die Gemeinde mitnichten eine derartige Genehmigung erteilt. Hierzu, so der Verwaltungschef weiter, fehle der Verwaltung auch die nötige Kompetenz. In einem Kommentar hatte eine Facebook-Nutzerin überdies und nebulös auf die Saerbecker Ordnungsamtsleiterin Ines Heilemann verwiesen, die „eigentlich tierlieb“ sei.

Dass die Geschichte aus dem Ruder gelaufen ist, zeigt auch die Resonanz auf den Facebook-Eintrag: 311 Kommentare wurden seit Donnerstag gepostet, darunter Bemerkungen wie „Das ist einfach nur unglaublich, das darf doch wohl nicht wahr sein“ und „Widerspruch einlegen, am besten noch mit einem Anwalt, direkt beim Gericht“.

Ein Nutzer bezeichnet die vermeintlich Verantwortlichen als „Hirnlose“, andere raten dazu, den Hund einzufangen oder sich auf Betäubungsschüsse zu beschränken. Die Nutzerin selbst, die die Fake News produziert hat, schreibt von einer „abartigen“ Genehmigung und bittet die Nutzer darum, die Nachricht zu verbreiten. Insgesamt 458-mal wurde sie inzwischen geteilt. Der Hund soll mittlerweile an verschiedenen Orten gesichtet worden sein, darunter auch in Hembergen.

Silvia Brewe von der Ibbenbürener Hundehilfe „Nino“ will sich auf Nachfrage nicht zu dem Fall äußern. Nur so viel: „Wir arbeiten an einer friedlichen Lösung.“ Was damit gemeint ist, wollte sie nicht sagen. Brewes Handynummer ist auf einem Din-A-4-Plakat veröffentlicht, das an einer Pinnwand im K+K-Markt in Saerbeck hängt. Darauf ist das Foto eines Hundes hinter einem Gitter zu sehen. Die 60 Zentimeter große, hellbraune Hündin sei sehr scheu, weshalb dringend davon abgeraten wird, sie einzufangen. Der Suchaufruf war der Saerbecker Lokalredaktion über Facebook übermittelt worden. Auch die Absenderin der obskuren Nachricht hatte auf Facebook dazu aufgerufen, „Presse ins Boot“ zu holen. Ihr zufolge war die Hündin erstmals im Frühjahr 2019 entlaufen, bereits nach vier Tagen aber wiedereingefangen worden.

Roos mahnt derweil zu Gelassenheit. „Soweit ich weiß, geht von der streunenden Hündin keine unmittelbare Gefahr aus“, sagt der Bürgermeister. Bei der Polizei ist der Fall bislang nicht gemeldet worden, stellt ein Sprecher der Kreispolizeibehörde auf Anfrage klar.

Welche Kreise die Fake News inzwischen gezogen hat, zeigt nicht nur die Resonanz auf Facebook, sondern auch das Medieninteresse. Bei dem Saerbecker Bürgermeister hatte sich nicht nur die Lokalzeitung gemeldet, sondern auch ein Fernsehsender, der die Geschichte über eine zum Abschuss freigegebenen Hündin groß rausbringen wollte.

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