Henri Parenteau, amerikanischer Student, über die Klimakommune Saerbeck
„Das ist eine sehr coole Sache“

Saerbeck -

Henri Parenteau gehört zu der Studentengruppe, die zwei Tage lang die Klimakommune besucht hat. Der 19-Jährige kommt aus dem ländlichen Norden Minnesotas, aus dem 3000-Einwohner-Ort Mountain Iron. Er studiert an der University of Minnesota im zweiten Jahr Computerwissenschaften und Mathematik. An der Energiewende interessiert ihn besonders der Umbau des Stromnetzes und seiner Steuerung. Unser Mitarbeiter Alfred Riese sprach mit Henri Parenteau über seine Eindrücke von Saerbeck und was er in Sachen Klimaschutz und Energiewende von diesem Besuch mit nach Hause nimmt.

Donnerstag, 16.01.2020, 16:18 Uhr aktualisiert: 16.01.2020, 16:24 Uhr
Henri Parenteau
Henri Parenteau Foto: Alfred Riese

Herr Parenteau, Sie waren jetzt zwei Tage lang in Saerbeck unterwegs. Was war das Aufregendste, das sie entdeckt haben?

Parenteau: Das Aufregendste war zu sehen, mit welchem Engagement Saerbeck an das Thema Klimaschutz herangeht, wie diese kleine Kommune die Energiewende als positives Abenteuer annimmt. ,Positiv denken ist so wichtig‘, hat der Klimakommune-Manager Guido Wallraven gesagt. Nicht das Negative in den Fokus stellen, sondern schauen, was wir haben und was wir tun können. Und das stimmt. Wir sind sehr dankbar für das gute Beispiel, das Saerbeck hier liefert.

Was ist ihre persönliche Motivation, sich mit Umweltthemen auseinander zu setzen?

Parenteau: Ich komme aus Nord-Minnesota mit ganz viel Wald und Wildnis. Ich möchte versuchen, das zu schützen und zu bewahren für zukünftige Generationen. Damit sie es später so erleben können wie ich heute. Wenn wir jetzt nichts gegen den Klimawandel tun, wird unsere Umwelt unumkehrbar beschädigt.

Haben Sie markante Unterschiede entdeckt im Umgang mit Umweltthemen zwischen den USA und Deutschland?

Parenteau: Ja. In Deutschland scheinen die Menschen nahe dran zu sein am Thema Klimawandel. Das ist sehr hilfreich. In den USA stehen wir häufig vor dem Problem, die Menschen überhaupt für dieses Thema zu interessieren. Es ist schwierig, jemandem zu erklären, weshalb er auf erneuerbare Energien setzen soll, wenn er gar nicht einsieht, warum das notwendig ist. Auf der rechtlichen Ebene ist das deregulierte, für jeden Anbieter zugängliche Stromnetz ein Vorteil für Deutschland. In Minnesota gibt es nur drei große Unternehmen, die 80 Prozent des Strommarkts beherrschen. Das macht es schwieriger für neue Stromanbieter, in den Markt einzusteigen.

Was erzählen Sie ihren Studienkollegen und Freunden als erstes über Saerbeck?

Parenteau: Ich würde ihnen von eurem Bioenergiepark erzählen und den erstaunlichen Dingen, die ihr dort auf einem früheren Militärgelände getan habt. Das ist ein positiver Wandel, eine sehr coole Sache. Und ich würde ihnen von Guido Wallravens Enthusiasmus erzählen und seiner Fähigkeit, die Menschen zusammenzubringen beim Thema erneuerbare Energien.

Wo sehen Sie den Wert solcher internationalen Begegnungen vor Ort wie ihren Studien-Exkurs nach NRW?

Parenteau: Die direkte Verbindung ist super wichtig. Ohne das gäbe es kein Gemeinschaftsgefühl, kein Gefühl dafür, mittendrin dabei zu sein. Persönliche Begegnungen können den Menschen auch Hoffnung geben. Manchmal daheim in den USA hört man von allen diesen negativen Statistiken und den Problemen, die wir bei der Lösung haben. Da ist dann nicht selten eine Stimmung, dass man sowieso nichts ändern kann, die Erde auf jeden Fall zerstört wird. Und dann kommst du nach Saerbeck und siehst: Man muss einfach nur anfangen. Das motiviert mich für die Arbeit in Minnesota.

Da sagt jemand zu Ihnen: Die Menschen haben mit dem Klimawandel nichts zu tun, die Energiewende ist überflüssig. Wie reagieren Sie darauf?

Parenteau: Ich würde versuchen, ihn zu überzeugen, mit Fakten und eindrucksvollen Darstellungen, zum Beispiel vom durchschnittlichen Temperaturanstieg. Wenn das nicht reicht, argumentiere ich ökonomisch. Das funktioniert in den USA meistens. Zum Beispiel erkläre ich, dass Windenergie in Minnesota die billigste Energie ist und die Versorgungsunternehmen sie so schnell ausbauen, wie sie können.

Haben sie ein konkretes Projekt kennengelernt, das Sie zu Hause gerne umsetzen würden?

Parenteau: Ich liebe die Idee der Energie-Genossenschaft, in der Menschen zusammenkommen und mit kleinen Beträgen zum Beispiel in ein Windrad oder eine Solarstromanlage investieren. Die Kraft der Genossenschaft und der Zusammenarbeit ist sehr nützlich. Es wäre cool, so etwas bei uns im ländlichen Raum hinzubekommen.

Wie war übrigens gestern beim Westfälischen Abend der Grünkohl?

Parenteau: Sehr gut. Danke dafür!

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7197720?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686837%2F
Nachrichten-Ticker