Serie Schlüsselfiguren: Küster und Kirchenmusiker Christoph Brehm bereitet Messen im Hintergrund vor
Keine Gottesdienst-Feier ohne ihn

Saerbeck -

Der Schlüsselbund von Christoph Brehm ist ohne Zipp und Zapp. An einem schlichten Metallring hängen diverse Exemplare, von hochmodern bis altertümlich. Die meiste Zeit befindet er sich zusammen mit Notizblock, Gottesdienstplan und Notenblättern in der Tasche des 50-Jährigen, der in Personalunion Kirchenmusiker und Küster von St. Georg ist. Nur manchmal steckt er den Bund in eine Jackentasche und ganz selten in eine Hosentasche, obwohl er dort wohl am sichersten aufgehoben wäre, wie er bemerkt.

Mittwoch, 22.01.2020, 08:00 Uhr
Mit dem elektronischen Schlüssel hat Küster und Kirchenmusiker Christoph Brehm Zugang zur St.-Georg-Kirche. An seinem Bund baumeln aber noch zahlreiche weitere Schlüssel.
Mit dem elektronischen Schlüssel hat Küster und Kirchenmusiker Christoph Brehm Zugang zur St.-Georg-Kirche. An seinem Bund baumeln aber noch zahlreiche weitere Schlüssel. Foto: Katja Niemeyer

Christoph Brehm hat als Küster natürlich einen Schlüssel für das Tabernakel, außerdem einen zur Sakristei der St.-Georg-Kirche und einen weiteren etwas abgewetzten, schlanken Schlüssel für den darin befindlichen Tresor. Auch ist er im Besitz eines Schlüssels für den Geldtresor im Kapellenraum. Allein schon deshalb ist Christoph Brehm eine Schlüsselfigur in der katholischen Kirchengemeinde, im wahrsten Sinne des Wortes.

Des Weiteren baumelt an seinem Bund ein Schlüssel für den Lagerraum des Pfarrheims, in dem derzeit Kerzenständer, Priestersitz und noch sehr viel mehr Mobiliar aufbewahrt wird, das aus der Kirche wegen der dortigen Renovierungsarbeiten ausgeräumt worden war. Die Beichtstühle könnte Christoph Brehm bei Bedarf auch auf- und zuschließen, ebenso die Schaukästen neben dem Gotteshaus.

Als Organist verfügt er außerdem über den Schließzylinder für das Klavier im Pfarrheim, das zum Beispiel bei Proben des Kirchenchors zum Einsatz kommt, sowie für den Medien- und Notenschrank. Und dann ist da noch ein kurzer, schwarzer Kunststoffschlüssel, mit dem sich elektronisch jede Tür der Kirche öffnen lässt, wie der Küster erläutert.

All die Schlüssel – und noch ein paar mehr – benötigt der 50-Jährige für seine diversen Aufgaben in der Kirchengemeinde. Als Küster bereitet er Gottesdienste vor, bestückt den Gabentisch, zündet Kerzen an, legt das Messgewand bereit und stellt das Kollektenkörbchen an seinen Platz. Im Anschluss muss der Kelch gereinigt, die Kollekte in den Tresor gestellt und müssen die Gotteslobe sortiert werden – um nur einige Beispiele zu nennen –, bevor der Küster die schweren Holztüren der Kirche wieder verschließt.

Kurzum: Christoph Brehm sorgt dafür, dass Pfarrer und Gemeinde mit der Messe beginnen können. Insofern ist er auch im übertragenen Sinn eine Schlüsselfigur. Denn ohne dass der Küster in Aktion getreten wäre, kann ein Gottesdienst nicht gefeiert werden. Ohne Orgelspiel hingegen schon, findet der Rheinenser, der vor vielen Jahren im Generalvikariat Münster eine zweijährige Musikerausbildung absolviert hat.

Und auch im organisatorischen Sinn ist Christoph Brehm, der nach Schule und Banklehre zunächst als Finanzbuchhalter arbeitete, eine Schlüsselfigur. So sorgt er dafür, dass sich die unterschiedlichen Gruppen, die die Kirche etwa für Proben nutzen, sich nicht in die Quere kommen. „Absprachen sind hierbei das A & O“, weiß der Vater von zwei Kindern aus Erfahrung.

Für eine seiner vielen Aufgaben benötigt Christoph Brehm allerdings keinen Schlüssel. Um die Glocken zum Läuten zu bringen, drückt er auf verschiedene Knöpfe. Und manchmal, da stellt er auch die Automatikfunktion ein.

Wobei, so findet der Kirchenmusiker, handgemachtes Läuten klinge einfach schöner.

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