Saerbecker Narren übernehmen die Rathausmacht im Sturm
Hippies springen in die Bresche

Saerbeck -

Jetzt haben die Narren das Sagen im Rathaus. Nach einem brandheißen Kampf um die Macht musste der Bürgermeister den Schlüssel abgeben.

Freitag, 07.02.2020, 16:20 Uhr aktualisiert: 09.02.2020, 15:30 Uhr
Die Hippies des spontanen neuen Elferrats mit Prinz Stefan (Wolters) und Prinzessin Susi brachten sich im Markt 23 in Stimmung für den Rathaussturm.
Die Hippies des spontanen neuen Elferrats mit Prinz Stefan (Wolters) und Prinzessin Susi brachten sich im Markt 23 in Stimmung für den Rathaussturm. Foto: Alfred Riese

„Prinz Ü“ stand auf den Papp-Krönchen, die sich die Männer vom Wagenbauteam der Dorfschützen gebastelt hatten. Und Orden gab es für den Festausschuss der Kolpingsfamilie, im A4-Format und laminiert: „Ob einen Lahmen oder Blinden, einen Prinzen müsst ihr finden.“ Damit spotteten die Wagenbauer über die Elferrats- und Prinzenlosigkeit des Kolping-Karnevals und dessen ersatzweisen „Plan Ü“ wie Überraschung. Diese Überraschung gelang beim „Vorglühen“ im Markt 23 am Donnerstagabend. Denn dort entzog eine Gruppe Hippies der närrischen Schadenfreude den Boden.

Bis zur letzten Minute ließ das Sitzungspräsidenten-Duo Tobias Liesenkötter und Julia Gilhaus-Schütz Saerbecks Narren in dem Glauben, dass nach der Abdankung der Falke-Street-Boys nichts Neues mehr kommt. Aber wie sie schon gesagt hatten: Aufs Dorf ist Verlass. Äußerst spontan sprangen nämlich die Hippies in die Bresche. Die Truppe hatte sich vor Jahren in einem Verein in Dorfbauerschaft-Middendorf zusammengefunden, 2015 schon einmal als „Ritter der Tafelrunde“ den Elferrat gestellt und ist seitdem dem Karneval stets treu geblieben. Wagen und Kostüme für die aktuelle Session waren fertig. Die Gruppendynamik kam zu dem Schluss: Warum nicht als Elferrat?

So erzählten es die Hippies. Ihr Prinzenpaar sind Stefan Wolters und seine Frau Susi.

„Echte Saerbecker Karnevalisten“, lobte Tobias Liesenkötter im proppenvollen Markt 23. Damit waren natürlich auch die vielen ehemaligen Prinzenpaare gemeint, die sozusagen als allerletzte Reserve für den Rathaussturm zusammengekommen waren und nun gemeinsam mit dem Kolping-Blasorchester zur Ehrengarde wurden.

Diesem geballten Ansturm hatten Verwaltungsmitarbeiter und Politiker im Rathaus kaum etwas entgegen zu setzen. „Wir rauchen uns die Welt, wie sie uns gefällt“, proklamierte Tobias Liesenkötter als Motto des Hippie-Elferrats. Den Bagger- und Sandgrubenunternehmer Stefan Wolters kündigte er als dritten „Kandidaten Ü“ für die Bürgermeisterwahl im September an.

Das Wahlprogramm des Prinzen: im Bioenergiepark Gewächshäuser für das rauchbare Gras und überflüssige Kassenbons als Basis fürs Tüten-Drehen, unter anderem.

Die kompletten Statuten, allerfeinste Hippie-Woodstock-Stimmung und jede Menge Programm gibt es bei der närrischen Sitzung am heutigen Samstag ab 19.11 Uhr in Hövels Festhalle. Karten gibt es noch an der Abendkasse.

 

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