Das Corona-Virus und die Folgen für das weltweit agierende Unternehmen Saertex
„Gesundheit hat höchste Priorität“

Saertex agiert von Saerbeck weltweit, unter anderem in China. Die Geschäftstätigkeit hat das Corona-Virus noch nicht beeinflusst, aber erste Auswirkungen machen sich bemerkbar. Redakteurin Katja Niemeyer sprach über das Virus und die Folgen auch für den Saerbecker Standort mit Saertex-Geschäftsführer Christoph Geyer (CEO) und Simon Lammers, Gesellschafter der Saertex-Gruppe.

Freitag, 28.02.2020, 15:36 Uhr aktualisiert: 01.03.2020, 16:44 Uhr
Simon Lammers (links),
Simon Lammers (links), Foto: Saertex

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat die Ausbreitung des Coronavirus auf das Saerbecker Unternehmen Saertex mit 1400 Mitarbeitern weltweit? Unsere Redakteurin Katja Niemeyer hat bei Saertex-Geschäftsführer Christoph Geyer (CEO) und Simon Lammers, Gesellschafter der Saertex-Gruppe, nachgefragt.

 

Das Coronavirus breitet sich mittlerweile auch in Europa aus. Welche Auswirkungen hat das für Ihr Unternehmen?

Christoph Geyer: Wir fangen an, Auswirkungen zu spüren. Auch wenn das unsere Geschäftstätigkeit noch nicht beeinflusst, so wurde gerade jetzt kurzfristig die JEC World 2020, die weltweit führende Fachmesse der Verbundwerkstoffindustrie, abgesagt. Für die Veranstaltung, die kommende Woche in Paris hätte stattfinden sollen und die für unser Unternehmen von großer Bedeutung ist, hatten wir ein internationales Team von über 30 Mitarbeitern aus 14 Ländern zusammengestellt. Chinesische Kollegen, die eigentlich dabei gewesen wären, hatten wir ohnehin schon aus dem Team herausgenommen.

 

Reisewarnungen wurden bislang für Europa noch nicht ausgesprochen – aber die Messe abgesagt?

Simon Lammers: Der Veranstalter hat sich dafür entschieden, weil einige Aussteller sowie Besucher wegen des Virus nicht mehr kommen wollten. Wir hatten das Risiko bislang als überschaubar eingeschätzt, begrüßen und befürworten aber die Entscheidung, wären auf der Messe doch über 40 000 Menschen aus der ganzen Welt zusammengekommen. Die Gesundheit unserer Mitarbeiter und Kunden hat für uns höchste Priorität. Den Kollegen, die für das Messe-Team vorgesehen waren, hatten wir es schon vor der Absage überlassen, ob sie teilnehmen wollten.

 

In China hat Saertex zwei Produktionsstandorte. Wie wird dort auf die Epidemie reagiert?

Simon Lammers: Die beiden Orte, Dongying und Pinghu, sind rund 1000 Kilometer von Wuhan, der unter Quarantäne stehenden Millionenmetropole, entfernt. Dennoch sind die Mitarbeiter in den Werken nach den Ferien anlässlich des chinesischen Neujahrsfests Ende Januar zunächst noch zu Hause geblieben. Inzwischen wurde dort aber die Arbeit wieder aufgenommen. Dies allerdings unter größeren Sicherheitsvorkehrungen. Sprich: Die Hygienemaßnahmen wurden verschärft.

 

Inwieweit ist die Produktion möglicherweise aufgrund von Lieferengpässen gefährdet?

Christoph Geyer: Ein Großteil der benötigten Vor-Materialien wie Glas- und Carbonfaser wird jeweils in den Ländern unserer 15 weltweiten Produktionsstandorte bezogen. Somit sind die Entfernungen zwischen Materiallieferanten, unserer Produktion und unseren Kunden überschaubar und wenig störanfällig. Das dient im Übrigen auch der Nachhaltigkeit.

 

Wie gehen Projekte voran, für die Ingenieure und Monteure aus der Saerbecker Zentrale zum Beispiel nach China hätten reisen müssen?

Simon Lammers: Natürlich haben wir für diese Fälle einen generellen Reise-Stopp veranlasst. Schließlich steht die Gesundheit der Mitarbeiter an erster Stelle. Die Projekte mögen sich dadurch verzögern, wir sind aber sehr zuversichtlich, das nach Abklingen der Epidemie aufholen zu können.

 

Welche Auswirkungen hat die Epidemie neben dem operativen Geschäft auf strategische Entscheidungen?

Christoph Geyer: Fest steht, dass Saertex sich weiter auf Expansionskurs befindet. Geplant ist der Bau eines Werks für Saertex multiCom in den USA und in Mexiko werden wir ebenfalls einen Standort für unsere Leichtbaustoffe eröffnen. Auch die Kapazitäten in China sollen erweitert werden. Diese Projekte gehen bislang nahezu ungestört weiter.

 

Das Virus ist jetzt auch in Europa angekommen – mit welchen Konsequenzen für Saertex?

Christoph Geyer: Wir beobachten das Geschehen sehr genau. Wir orientieren uns in unserem Handeln an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und des Auswärtigen Amtes. Auch wenn wir keine direkten Auswirkungen aktuell spüren, sind die Geschäftsabläufe irgendwann gestört, je länger die Situation anhält.

 

Welche Sicherheitsvorkehrungen haben Sie für ihre 600 Mitarbeiter am Saerbecker Firmensitz getroffen?

Simon Lammers: Wir tun, was möglich ist, und legen natürlich auch noch mehr als bislang Wert auf Hygiene. Als Werbegeschenke für die Messe in Paris hatten wir zum Beispiel kleine Hand-Desinfektionsmittel vorbereitet. Wir nehmen die Situation sehr ernst, möchten aber auch vor Panikmache und Hysterie warnen. Wir steuern auch durch diese Herausforderung mit Besonnenheit und mit einem weltweiten starken und motivierten Team.

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