Saerbeck ordnet Schließen von Sitzplatz-Gastronomie an
„Super schnell reagiert“

Saerbeck -

Nicht kleckern, sondern klotzen, wie Finanzminister Scholz gesagt hat: Die Gemeinde Saerbeck hat am Wochenende das öffentliche Leben drastischer heruntergefahren als Nachbarstädte.

Sonntag, 15.03.2020, 18:44 Uhr
Tobias Liesenkötter in der Backstube, die für den Außer-Haus-Verkauf weiterläuft.
Tobias Liesenkötter in der Backstube, die für den Außer-Haus-Verkauf weiterläuft. Foto: Alfred Riese

Die Gemeinde Saerbeck hat im Verlauf des Samstags in eigener Zuständigkeit ein Öffnungsverbot für Restaurants und Cafes verfügt. Das führte in mindestens drei Fällen, in denen Nachbarorte betroffen waren, zu Irritationen. Denn nach einer Krisenstab-Sitzung mit Vertretern aller Kommunen im Kreis am Freitagabend hatte die Kreisverwaltung zwar eine Allgemeinverfügung für alle Städte und Gemeinden angekündigt. Diese blieb aber zunächst aus. So schilderte am Sonntag auf Anfrage dieser Zeitung Jürgen Hölscher den zeitlichen Verlauf. Er ist Amtsleiter Bürgerservice im Saerbecker Rathaus und Krisenstab-Sprecher.

Außer-Haus-Verkauf läuft weiter

Deshalb habe die Gemeindeverwaltung Saerbeck beschlossen, auch ohne Vorlage vom Kreis zu handeln. Nicht betroffen sind nach Stand vom Sonntagnachmittag der Außer-Haus-Verkauf von Lebensmitteln und auch Lieferdienste.

Betroffen war unter anderem das Cafe Liesenkötter. Tobias Liesenkötter erhielt die Anordnung aus dem Rathaus, den Cafe-Betrieb in Saerbeck zu schließen. Und er setzte sie sofort um – „auf unbestimmte Zeit“, auch in den Filialen in Emsdetten und Greven. Dort gab es örtlich noch keine Anordnung, dafür dann Irritationen.

Tobias Liesenkötter stellt sich hinter die Saerbecker Entscheidung. „Unsere Gemeinde hat da super schnell reagiert“, sagte er am Sonntagmittag. Solche Entscheidungen seien schwierig für Unternehmen, aber „jetzt geht es darum zusammenzustehen“.

Lieber mit Karte zahlen als mit Scheinen

Der Verkauf über die Theke sei nicht betroffen, erklärte Tobias Liesenkötter. Brot, Brötchen, Kuchen und Coffee to go gebe es weiterhin wie üblich, aber eben nur zum Mitnehmen. An der Theke und im Verkaufsraum wirbt Liesenkötter für hygienisches und ausbreitungshemmendes Verhalten: nicht zu viele auf einmal rein, Abstand halten. „Zurzeit bevorzugen wir aus hygienischen Gründen Kartenzahlung, um die Ansteckungsgefahr durch Münzen und Scheine zu vermeiden“, sagte Tobias Liesenkötter.

Der weitere Fall mit Irritationen ist das Gasthaus Ruhmöller weit westlich in Sinningen, das von einem Emsdettener geführt wird. Er wurde von der Anordnung der zuständigen Gemeinde Saerbeck am frühen Samstagnachmittag offensichtlich kalt erwischt. Ein Beerdigungs-Kaffee und eine Grüne Hochzeit habe er kurzfristig absagen müssen, sagte Stephan Ruhmöller, während im Zuständigkeitsbereich der Stadt Emsdetten der Restaurantbetrieb weiterlief.

Der Kreis bestätigte, dass die Gemeinde Saerbeck ohne Anordnung des Kreises gehandelt habe. Die Kommune könne solche Verfügungen aber selbst erlassen.

„Unserer Verantwortung bewusst“

Für Jürgen Hölscher im Saerbecker Rathaus eine klare Sache: „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst gewesen, Schaden von Älteren und Kranken abzuwenden“, erklärte er am Sonntag. „Wir wollen hier keine Zustände wie in Italien.“ Nach den Maßnahmen dort habe man in der Gastronomie absehen können, was kommen würde.

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