Ehrenamtler und Caritas finden neue Wege zu helfen
Tafel stellt um auf Lieferdienst

Saerbeck -

Tafel-Kunden, die ohne Tafel auskommen müssen, sollen nicht im Regen stehen gelassen werden. Caritas und Ehrenamtliche haben sich etwas einfallen lassen.

Mittwoch, 01.04.2020, 16:38 Uhr
Das Plakat an der Tür kündigt es an: Ab Donnerstag nimmt die Saerbecker Ausgabestelle der Caritas-Tafel ihren Betrieb als Lieferdienst wieder auf.
Das Plakat an der Tür kündigt es an: Ab Donnerstag nimmt die Saerbecker Ausgabestelle der Caritas-Tafel ihren Betrieb als Lieferdienst wieder auf. Foto: Privat

Nach dem fast kompletten Shutdown vor zwei Wochen nimmt die Saerbecker Ausgabestelle der Caritas-Tafel nun ihren Betrieb wieder auf – angepasst an die Bedingungen, die die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus vorgeben. Ab Donnerstag, 2. April, bieten die Ehrenamtlichen und der Caritasverband für Stammkunden einen Lieferdienst nach Hause an. Das geht aus einer Pressemitteilung der Caritas hervor.

„Als wir kurzfristig schließen mussten, war es für uns ein schwerer Schritt zu sagen: Wir können die Menschen, die es brauchen, nicht mehr unterstützen.“ So beschreibt Helmut Henrich, beim Caritasverband Emsdetten-Greven zuständig für die Tafel, die Gefühle der Ehrenamtler und der Mitarbeiter des kirchlichen Wohlfahrtsverbands.

Man habe sofort begonnen zu überlegen, wie den Menschen weiter geholfen werden kann, die besonders darauf angewiesen sind. Die erste Aktion: ältere, alleinlebende Kundinnen weiter aus dem Vorrat an haltbaren Lebensmitteln zu Hause beliefern. „Wir waren sehr froh, auf diese Reserve aus Spenden von Saerbeckern zurückgreifen zu können“, sagte jetzt in einer Telefonkonferenz Herbert Breidenbach, ehrenamtlicher Leiter der Caritas-Tafel in Saerbeck.

Aus diesem Notprogramm macht die Ausgabestelle nun ein Konzept. Die Fahrer der Logistikabteilung holen wieder Spenden bei Supermärkten ab und bringen sie zur Ausgabestelle an der St.-Georg-Pfarrkirche. Aus dem Helferteam bleiben alle zu Hause, die einer Corona-Risikogruppe angehören, also über 60 Jahre alt sind oder Vorerkrankungen haben.

„Den Stamm-Mitarbeitern fällt es schwer, gerade jetzt nicht helfen zu dürfen“, schildert Herbert Breidenbach die Reaktionen auf diese notwendige Regelung. Zugleich freut er sich über die Unterstützung durch die „Helfenden Hände“, einer Ehrenamtsorganisation von Kolpingsfamilie, Mehrgenerationenhaus, Kirche, politischer Gemeinde und Caritas. Darüber stoßen jüngere Menschen zum Tafel-Team.

Neben den ständigen Helfern syrischer Abstammung packen nun unter anderem auch etliche jüngere Flüchtlinge mit an, berichtet Herbert Breidenbach. „Sie wollen der Gesellschaft in Saerbeck etwas zurückgeben“, beschreibt er ihre Motivation.

Wo sonst donnerstags bis zu zehn Helferinnen und Helfer Spenden-Lebensmittel entgegennehmen, sortieren, prüfen und für die Ausgabe vorbereiten, werden nun nur halb so viele arbeiten, erklärt Herbert Breidenbach. Alle vier Räume einschließlich Büro werden genutzt, damit die hygienischen Mindestabstände eingehalten werden und die Helfer ohne besondere Gefahr arbeiten können, beschreibt der Tafel-Leiter. „Bei den anderen Ausgabestellen ist das räumlich und organisatorisch leider nicht möglich“, bedauert Helmut Henrich.

Wenn Tüten und Kartons mit Adresse und Personenzahl beschriftet und passend befüllt, machen sich am Donnerstagnachmittag die Fahrer auf den Weg zu den Kunden. Die Abgabe erfolgt ohne Körperkontakt. Für die Hygiene verzichtet die Tafel bis auf Weiteres auf das Bezahlen. Die Ansteckungsgefahr zu minimieren, nennt Helmut Henrich als Vorgabe. Auf der Lieferliste stehen zurzeit die bisherigen regelmäßigen Tafel-Kunden, erläutert Herbert Breidenbach. Bei teilweise großen Familien komme man auf rund 150 Personen.

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