Gastronomen planen symbolische Demonstration / Forderung: Mehrwertsteuer reduzieren
Stühle bleiben vorerst leer

Saerbeck -

Gastronomen in Not: In Saerbeck und anderen Orten wollen sie eine Demonstration organisieren, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Im Ortskern werden symbolisch leere Stühle platziert. Mit dabei: Kerstin Kerssen vom „Gasthof Waldesruh“ in Westladbergen. „Das, was wir jetzt an Umsatz verloren haben, werden wir nicht nachholen“, sagt sie und fordert eine Reduzierung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie.

Mittwoch, 22.04.2020, 07:19 Uhr aktualisiert: 22.04.2020, 16:20 Uhr
Endlich wieder Gäste bewirten – schön wär`s. Am Freitag wollen Gastronomen in Saerbeck für ihre Anliegen demonstrieren.
Endlich wieder Gäste bewirten – schön wär`s. Am Freitag wollen Gastronomen in Saerbeck für ihre Anliegen demonstrieren.

Als sei die Lage für die Gastronomie-Betriebe nicht schon schwer genug. Zu den wegbrechenden Umsätzen geselle sich „zu wenig Aufmerksamkeit, Hilfe und Unterstützung“, bemängelt Kerstin Kerssen vom „Gasthof Waldesruh“ in Westladbergen. Mindestens das mit der Aufmerksamkeit soll sich kurzfristig ändern. Am Freitag wird es in Saerbeck und anderen umliegenden Orten friedliche Demonstrationen geben. Dann wollen etliche Gastwirte als symbolisches Zeichen leere Stühle in der Öffentlichkeit platzieren. Auch Kerstin Kerssen wird sich beteiligen.

„Das, was wir jetzt an Umsatz verloren haben, werden wir nicht nachholen“, sagt sie. Nur, weil die Menschen zuletzt auf Restaurant-Besuch verzichten mussten, würden diese – sobald man wieder darf – nicht nachgeholt. Auch für ausgefallene Feiern und Veranstaltungen gebe es keinen Ersatz. „Die Kosten laufen aber weiter.“

Das Angebot, Steuern zu Stunden sei „lieb gemeint“. Doch fällige Zahlungen einfach in die Zukunft zu schieben, helfe der Branche auch nicht weiter. Bezahlt werden müssten sie so oder so. Auch Darlehen seien keine nachhaltige Lösung. Wie solle man die Mehrkosten eines Kredites finanzieren wenn es doch nicht mehr Umsatz gebe? „Auch für wirtschaftliche gesunde Betriebe kann das in die Katastrophe führen“, fürchtet die Gastwirtin. Die mit der Einschätzung nicht allein ist. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) rechnet damit, dass durch die Krise bundesweit rund 70 000 der etwa 225 000 Hotel- und Gastronomie-Betrieben die Insolvenz droht.

Daher fordert Kerstin Kerssen, die Mehrwertsteuer in der Gastronomie auf sieben Prozent zu reduzieren. Nur so sei es möglich, die finanziellen Ausfälle langfristig und nachhaltig annähernd zu kompensieren. Eine reduzierte Steuerlast würde es beispielsweise leichter machen, einen Kredit zurückzuzahlen. Zudem spricht sich die Gastwirtin dafür aus, den Gaststätten die Öffnung der Lokale zu erlauben – unter Wahrung der bestehenden Corona-Regeln zu Abständen und Hygiene. „Man sollte den Betreiben die Chance geben, wenigstens ein bisschen Geld zu verdienen. Ich glaube schon, dass man in einem bestimmten Rahmen etwas möglich machen könnte.“

Im Gasthof Waldesruh läuft der Betrieb derzeit auf absoluter Sparflamme. Einige wenige Hotelzimmer sind belegt – dienstlich veranlasste Übernachtungen sind erlaubt, touristische nicht. Die Küche hat fast nichts zu tun. Lediglich für die Hotelgäste wird der Herd angemacht - das Essen dann aufs Zimmer geliefert. Folge: Sozialversicherungspflichtig Beschäftige musste die Betreiber-Familie in die Kurzarbeit schicken, die Aushilfen stehen gänzlich ohne Einkommen da.

Nach Einschätzung der Gastwirtin wird es höchste Zeit, wieder arbeiten zu dürfen, das machen zu dürfen, wofür Wirte letztlich brennen: „Mir fehlen die Gäste“, sagt Kerstin Kerssen und meint damit vor allem: Gespräche, Austausch und Begegnungen.

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