Warum das Mehrgenerationenhaus jetzt mehr Planungssicherheit hat
Bund legt sich auf acht Jahre fest

Saerbeck -

Viel Arbeit und wenig Planungssicherheit – damit musste das Mehrgenerationenhaus bislang zurecht kommen. Das ist nun anders: Das Bundesfamilienministerium hat die neue Förderperiode, die 2021 startet auf acht Jahre festgelegt. Bislang hatte die Kolpingsfamilie als Träger der Einrichtung jedes Jahr aufs Neue einen Förderantrag stellen müssen.

Mittwoch, 20.05.2020, 07:11 Uhr aktualisiert: 20.05.2020, 16:56 Uhr
Seit 2007 wird das Projekt Mehrgenerationenhaus finanziell gefördert. Die Mittelzusage erfolgte allerdings stets nur für ein Jahr. Jetzt hat das Bundesfamilienministerium die Förderperiode verlängert.
Seit 2007 wird das Projekt Mehrgenerationenhaus finanziell gefördert. Die Mittelzusage erfolgte allerdings stets nur für ein Jahr. Jetzt hat das Bundesfamilienministerium die Förderperiode verlängert. Foto: Alfred Riese

Die Nachricht aus dem Bundesfamilienministerium sorgte im Mehrgenerationenhaus vielleicht nicht für echte Jubelsprünge, wohl aber für sehr viel Freude. Bedeutet sie doch ein erhebliches Maß an Arbeitserleichterung und – wohl noch viel wichtiger – eine Planungssicherheit, die Mitarbeiter und Leitung schon lange gefordert hatten. Statt wie bislang Jahr für Jahr einen Antrag auf finanzielle Förderung von zuletzt 40 000 Euro pro Jahr stellen zu müssen, sagt das Ministerium nunmehr ab 2021 eine Förderperiode von acht Jahren zu. „Das ist ein Riesenfortschritt“, betont Alfons Bücker, Vorsitzender der Kolpingsfamilie, die Träger des Mehrgenerationenhauses ist.

Aber nicht nur der Bund hat sich jetzt darauf festgelegt, die Saerbecker Einrichtung, die 2007 im Rahmen eines Modellprojektes des Bundesfamilienministeriums entstanden ist, längerfristig zu fördern. Auch die Gemeinde schießt als Co-Finanzier jährlich 10 000 Euro hinzu. Das hat der Gemeinderat kürzlich einstimmig für die Jahre bis 2028 beschlossen.

Wegen der bisherigen Förderpraxis, so erläutert es der Vorsitzende der Kolpingsfamilie auf Nachfrage, sei es „sehr umständlich und aufwendig“ gewesen, die jeweiligen Förderanträge zu erstellen. Zudem sei das Mehrgenerationenhaus nicht in der Lage gewesen, unbefristete Arbeitsverhältnisse einzugehen. Ob sich hieran etwas ändern werde, könne er allerdings derzeit nicht sagen. Hierzu müsse er den genauen Wortlaut des Förderbescheides kennen.

Dieser liege ihm noch nicht vor, so Bücker weiter. Aus einem Schreiben, das Bundesforschungsministerin Anja Karliczek in ihrer Funktion als Bundestagsabgeordnete vor wenigen Wochen an die Gemeinde Saerbeck schickte, geht die entsprechende Ausweitung der Zusage aber eindeutig hervor.

In dem Karliczek-Brief wird auf bundesweit 37 000 Freiwillige in insgesamt 535 geförderten Mehrgenerationenhäusern verwiesen, mit deren Hilfe täglich mehr als 60 000 Menschen erreicht werden. Durch die flexible Arbeit könnten Angebote individuell an den Bedarfen und örtlichen Gegebenheiten ausgerichtet werden.

In dem Saerbecker Mehrgenerationenhaus kommen regelmäßig fast 20 Gruppen der Kolpingjugend und 16 Familienkreise zusammen. Außerdem ist es Begegnungsstätte unter anderem für die Nachbarschaftshilfe „Helfende Hände“, für Senioren, Mütter sowie etwa auch für Bürgerbusfahrer. Die Angebote reichen von einer Kinderbetreuung bis zu der Anlaufstelle „Aktiv älter werden in Saerbeck”.

Die Einrichtung wurde anfangs vom Bund mit jährlich 40 000 Euro unterstützt. Ab 2012 reduzierte sich dieser Betrag auf 30 000 Euro. Die Förderlücke von 10 000 Euro wurde fortan aus der Gemeindekasse gefüllt. Die Bezuschussung ist Voraussetzung dafür, dass die Bundesmittel weiterhin fließen. Diese wurden zwischenzeitlich wieder auf 40 000 Euro heraufgesetzt. Ob sie auch über das kommende Jahr hinaus in dieser Höhe ausfallen werden, wagt Bücker nicht zu prognostizieren. „Das wird sich zeigen“, stellt er fest.

Dass das Mehrgenerationenhaus reichlich Übung hat im Ausfüllen von Förderanträgen, machte sich auch kürzlich wieder bezahlt: Damit Häuser wie dieses coronagerechte Angebote entwickeln können, hatte das Bundesfamilienministerium kurzfristig ein neues Förderprogramm aufgelegt.

Die Mittel wurden nach dem Windhundprinzip vergeben, sprich: Wer zuerst einen Antrag einreichte, bekam eine Zusage. „Als wir davon erfuhren, haben wir innerhalb von zwei Stunden einen Antrag geschrieben“, berichtet Bücker. Die „Ausbeute“: 1000 Euro extra, mit denen Angebote wie die offene Kindergruppe im Online-Format möglich gemacht wurden.

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