Pfarrer Peter Ceglarek wird am Sonntag verabschiedet
„Glauben und Leben gehören zusammen“

Saerbeck -

28 Jahre in Saerbeck. Pfarrer Peter Ceglarek nimmt am Wochenende Abschied. Eigentlich wollte er ja zur Sparkasse.

Samstag, 20.06.2020, 08:00 Uhr
Peter Ceglarek will sich nach insgesamt 52 Arbeitsjahren, davon 42 Jahre im kirchlichen Dienst, einmal eine Auszeit gönnen.
Peter Ceglarek will sich nach insgesamt 52 Arbeitsjahren, davon 42 Jahre im kirchlichen Dienst, einmal eine Auszeit gönnen. Foto: Alfred Riese

Am Sonntag liest Peter Ceglarek, seit dem 11. Oktober 1992 Leitender Pfarrer der Pfarrgemeinde St. Georg, seine letzte Messe in dieser Funktion. Im Alter von 68 Jahren geht er als Emeritus in den Ruhestand. Wir sprachen mit ihm über Ökumene, Geistesgegenwart und die Zukunft der Kirche im Großen und in Saerbeck.

Sie sind gelernter Sparkassen-Betriebswirt. Wie sind Sie darauf gekommen, die Priesterweihe anzustreben?

Peter Ceglarek: Das war 1976, als ich über die ökumenische Brudergemeinschaft von Taizé gestolpert bin. Ich habe für mich eine innere Unruhe gespürt: Ist Bank wirklich das, was ich bis zu meinem Lebensende machen möchte? Und da war noch der Wunsch, einem Kindheitstraum nachzugehen. Ich war unheimlich gerne Messdiener und war in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv.

Ihre Verbundenheit mit der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé ist in St. Georg in ungezählten Liedauswahlen für Gottesdienste dokumentiert. Wie hat Taizé Ihre Entwicklung und Ihr Handeln als Pfarrer beeinflusst?

Peter Ceglarek (schmunzelt): Nicht nur in der Liedauswahl sind für mich Worte und Taten aus Taizé wichtig geworden. Beeinflusst hat mich die Ökumenische Gemeinschaft zunächst einmal als Mensch. Vom Gründer Frère Roger Schutz stammt das Wort: „Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast – und sei es auch ganz wenig.“ Als ich 1976, noch als Sparkassen-Betriebswirt, das erste Mal nach Taizé kam, habe ich gelernt, Glauben und Leben gehören zusammen, also: Lebe die täglichen Aufgaben aus der Kraftquelle der Liebe Gottes. Das hat mein Denken, mein Sprechen und mein Handeln geprägt bis heute.

Ein ebenso großes Anliegen war Ihnen die Ökumene, das Miteinander von evangelischen und katholischen Christen. Ist das heute eigentlich überhaupt noch ein Thema?

Peter Ceglarek: Ich erlebe, dass es für viele Menschen kein Thema (mehr) ist. Unterschiede zwischen den einzelnen Konfessionen sind vielen unbekannt. Viele Christen wünschen sich eine Einheit in versöhnter Verschiedenheit. Daran gilt es für mich mitzuarbeiten.

Welche Menschen bleiben Ihnen aus fast drei Jahrzehnten besonders in Erinnerung?

Peter Ceglarek: Unzählige… bekannte und unbekannte aus vielen Begegnungen, Gesprächen und Gottesdienstfeiern.

Zwei Bestandteile des umgestalteten Kirchenraums sind die Altarinsel in der Mitte der Gemeinde und das Projekt „GeistesGegenwart“. Welche Bedeutung haben die Elemente für Sie?

Ceglarek: Nun: Zunächst einmal gehört für mich der wunderschöne neugotische Hochaltar in St. Georg auch dazu. Ihn galt es zu respektieren, wertzuschätzen und aufzuwerten und in die Gestaltung der Neukonzeption miteinzubeziehen. Gemeinsam mit Architekt Andreas Holtfrerich, dem Künstler Mario Haunhorst, mit Denkmalbehörden und bischöflichen Kommissionen haben wir uns in den Gemeindegremien miteinander bemüht, in das Denken des Kirchenarchitekten Wilhelm Rincklake einzusteigen. Der neue Altar aus Ibbenbürener Sandstein stellt eine Ergänzung zum neugotischen Hochaltar dar und ist nun der Mittelpunkt unserer Gemeinde. Ein zweiter Gedanke kam hinzu: Es ist die Kirche St. Georg für unsere Gemeinde in Saerbeck, nicht in Münster, Rom oder anderswo. Wie kann das für uns heute verdeutlicht werden: Es geht um die Renovierung unserer Pfarrkirche, die von Saerbecker Vorfahren gebaut wurde. Dafür ist das „Projekt GeistesGegenwart“ da, das wir gemeinsam mit dem Künstler Mario Haunhorst entwickelt haben. Ich würde mich freuen, wenn nun aus der Gemeinde Glaubenszeugnisse kommen, die in das „leuchtende Schaufenster unseres Glaubens“ hineingelegt werden und zeigen: Das ist unsere St. GeorgGemeinde, zu der wir gehören.

Wohin führt nun Ihr Weg?

Ceglarek: Nach insgesamt 52 Arbeitsjahren, davon 42 Jahre im kirchlichen Dienst, gönne ich mir erst einmal eine Auszeit. Mit meinen 68 Jahren spüre ich deutlich meine Grenzen. Nach der Auszeit möchte ich gern mit den dann Verantwortlichen schauen, wo ich hilfreich begleiten kann, wo meine eingeschränkte Mitarbeit gebraucht wird. Dabei bleibt die Ökumene mir ein wichtiges Anliegen.

Wie man hört, ist kein Nachfolger in Sicht: Wie geht es, auch personell, weiter mit St. Georg?

Peter Ceglarek: Das ist eine Entscheidung, die das Bistum sich vorbehält. Definitive Aussagen dazu sind mir bislang nicht bekannt. Fest steht, dass zum 1. August Frau Anja Daut ihren Dienst als neue Pastoralreferentin in unserer Gemeinde antreten wird. Fest steht auch, dass Pastoralreferent Werner Heckmann im nächsten Jahr seinen Ruhestand plant. Gemeinsam mit Pfarrer Ramesh Chopparapu und dem Bistum werden die Gemeindegremien zu überlegen haben, wie es hier weitergeht. Allerdings sehe ich auch die Not der Kirche bei der Verteilung der wenigen Priester. Gemeinden werden lernen müssen, mehr Selbstständigkeit zu leben.

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