Hotelier Udo Stegemann über die Erfahrungen mit Corona
„Es wird sich langsam entwickeln“

Saerbeck -

Er lebt davon, dass andere Leute feiern. Der Hotelier Udo Stegemann aus Westladbergen hat wegen Corona einige sehr schwere Wochen hinter sich. Stornierungen von Hochzeiten, Wegbrechen des Konferenzgeschäftes – erst langsam kommt etwas Schwung in das Geschäft. Vergangene Woche hatte er die erste standesamtliche Trauungsgesellschaft im Haus. 13 Hochzeitspartys wurden dafür abgesagt.

Dienstag, 23.06.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 23.06.2020, 15:58 Uhr
Udo Stegemann im Frühstückszimmer im italienischen Stil. Wo früher 40 Menschen Platz hatten, dürfen jetzt noch 20 sitzen.
Udo Stegemann im Frühstückszimmer im italienischen Stil. Wo früher 40 Menschen Platz hatten, dürfen jetzt noch 20 sitzen. Foto: Günter Benning

1000 Übernachtungen – einfach weg. Wenn Udo Stegemann über die letzten Wochen spricht, dann hört man öfter solche Hiobsbotschaften. Der Hotelier aus Westladbergen leidet mit seinen Mitarbeitern unter der Corona-Pandemie. Ausfallende Feiern, fehlende Konferenzen, ausbleibende Geschäftsreisende. „Das wird sich erst ganz langsam wieder entwickeln“, ist er sicher.

Udo Stegemann (56) führt das Hotel gemeinsam mit seiner Frau Christel. Ein Familienbetrieb in der dritten Generation. 40 Betten, die gut belegt waren. Und 13 feste Mitarbeiter, die jetzt alle in Kurzarbeit sind. „Wir mussten keinen entlassen“, sagt Stegemann. Aber ein Trost ist das nicht.

Corona hat wie ein Blitz in die Bilanz geschlagen. 13 Hochzeiten wurden abgesagt, nur eine davon wurde ins kommende Jahr verschoben. Die Radtouristen fehlen auch. Gerade hat eine Truppe von elf Radlern abgesagt, „weil sie nicht alle an einem Tisch sitzen können.“ Ein Heimatverein, der 60 Übernachtungen an zwei Tagen gebucht hatte, kann nicht kommen. Immerhin: Die Senioren haben versprochen, nächstes Jahr zu buchen.

„85 Prozent weniger Umsatz“, hat Stegemann in den Wochen seit dem Beginn des Lockdowns erwirtschaftet.

Da wird gespart, wo es geht. So wurde erst mal das Wasser aus dem hauseigenen Schwimmbad gelassen –einmal wegen der Hygiene. Und dann wegen der Heizkosten. Auch mehrere Kühlhäuser wurden geleert und abgetaut – das sind die Energiefresser hinter dem Küchenbetrieb.

Am vergangenen Freitag hatte Stegemann wieder eine standesamtliche Hochzeitsgesellschaft im Haus. Eine kleine Gruppe mit 14 Personen, die alle an einem Tisch sitzen wollten. „Geht aber nicht“, sagt der Hotelier, „es dürfen maximal zehn an einen Tisch.“ Also wurde eine Art Katzentisch mit 1,5 Meter Abstand ans Ende geschoben – so kam wenigstens etwas Gemeinschaftsgefühl auf. „Aber für eine Hochzeit mit 80 Personen würden wir ein Zelt von 500 Quadratmetern gebrauchen“, sagt Stegemann.

Zwischendurch gibt es dann mal Freudenbotschaften, die sich als Rohrkrepierer erweisen. So hieß es, dass wieder gekegelt werden dürfe. Doch damit waren nur die Sportkegler gemeint: „Aber wir müssen unsere beiden Kegelbahnen trotzdem schließen“, sagt der Wirt. Was wieder geht: Kartenspielen.

Langsam melden sich auch erste Kunden zurück. Im September erwartet Stegemann wieder eine Hochzeit. Das Ehepaar hat seine Gästeliste von 150 auf 50 Personen zusammengestrichen. „Jedes Glas Bier“, sagt Stegemann, „ist für uns wichtig.“

Stegemann bleibt optimistisch. Das Geschäft werde sich langsam wieder entwickeln. Auch Konferenzen, ist er sicher, werde es bald wieder geben: „Wir werden daraus kommen.“

Knapp vor Corona hatte er noch für rund 100 000 Euro sechs Zimmer komplett renoviert: „Da hätten wir nicht gemacht, wenn wir das alles gewusst hätten.“ Froh ist er, dass die staatlichen Beihilfen wirklich weitergeholfen haben.

Neulich, sagt Stegemann, sei eine 90-Jährige mit ihrem Sohn zu Gast gewesen. „Corona“, habe er gesagt, „ist wie Krieg ohne Bomben.“ „Nein“, habe die Seniorin geantwortet, „schlimmer. Im Krieg haben wir zusammengehalten.“

 

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