Volksbank Westerkappeln-Saerbeck feiert 125-jähriges Bestehen
Corona verhagelt Jubiläumsjahr

Saerbeck -

Zu gerne hätte die Volksbank Westerkappeln-Saerbeck in diesem Jahr in 125-jähriges Bestehen groß gefeiert. Pläne dafür gab es bereits. Dabei sollte Nähe zu den Kunden gezeigt werden, aber Nähe ist in diesen Zeiten nicht gefragt. Aufgeschoben ist jedoch nicht aufgehoben, das Jubiläumsjahr geht bis Mai 2021.

Dienstag, 23.06.2020, 20:37 Uhr
Anita Kipp und Ansgar Heilker, Vorstände der Volksbank Westerkappeln-Saerbeck e.G., ist durch das Coronavirus das Jubiläumsjahr ziemlich verhagelt worden.
Anita Kipp und Ansgar Heilker, Vorstände der Volksbank Westerkappeln-Saerbeck e.G., ist durch das Coronavirus das Jubiläumsjahr ziemlich verhagelt worden. Foto: Tobias Vieth

Wirtschaftskrisen? Damit könnte man in der Chronik der Volksbank Westerkappeln-Saerbeck ganze Kapitel füllen. Zwei Weltkriege, dazwischen eine Spanische Grippe, eine Weltwirtschaftskrise und in jüngerer Vergangenheit die Finanzkrise stehen da – unter anderem. „Die Volksbanken sind krisenerprobt“, sagt Bankvorstand Ansgar Heilker. Und doch haben die Coronakrise und ihre aufziehenden wirtschaftlichen Folgen ihre ganz eigenen Begleitumstände in den Bankalltag des 2019 fusionierten Instituts gebracht.

Offizieller Geburtstag

Zunächst einmal habe Corona der Bank das umfänglich geplante Jubiläumsjahr verhagelt. „Der 26. Mai 1895 ist der offizielle Geburtstag der Volksbank“, erklärt Anita Kipp, ebenfalls Vorstand der Bank. Streng genommen gibt es die Westerkappelner Volksbank schon seit November 1887. Doch weil rechtlich die Saerbecker Volksbank in der Fusion im vergangenen Jahr das übernehmende Institut war, hat man sich nun auch auf das Geburtsjahr dieser Bank festgelegt.

Nachhaltigkeit

Das Selbstverständnis der im Vergleich zu anderen sehr kleinen Bank – die Bilanzsummer beträgt nur rund eine Viertelmilliarde Euro – mit 38 Mitarbeitern, darunter zwei Auszubildenden, kommt im Slogan zum Jubiläum zum Ausdruck: „Gemeinsam regional verwurzelt“, heißt es da. Zur Verbildlichung dieser Wurzeln, aber auch einem Verständnis von Nachhaltigkeit, sind Bäume als Motiv für das Jubiläum genutzt worden. Flankiert werden sollte das unter anderem von Baumpflanzaktionen, oder auch ein „Baumbaden“ war geplant. Man habe die Nähe zu den Kunden damit zeigen, in direkten Kontakt mit ihnen treten wollen, sagt Kipp.

Wir haben in unserem Haus immer Lösungen gefunden.

Anita Kipp, Vorstand

Doch persönliche Nähe ist in Coronazeiten nicht gefragt. Die Aktionen sind erst einmal aufgeschoben, immerhin dauert das Jubiläumsjahr ja noch bis in den nächsten Mai. Vielleicht lässt sich bis dahin noch etwas realisieren. Ein Jubiläumsprodukt immerhin gibt es: Eine Kombination aus Einlage und nachhaltigem Fonds, der mit 1,25 Prozent verzinst wird. Die Generalversammlung der Bank ist – auch coronabedingt – ins vierte Quartal verschoben. Einen Jubiläumswandkalender mit Bildern der Region, der schon lange in Planung war, wird es geben. Genauso ist eine Alternative zur Sparwoche in Vorbereitung.

Flexible Arbeitszeitmodelle

Das Geschäft läuft derweil so normal wie möglich weiter. Auf Kurzarbeit, erklärt Heilker, habe man verzichtet, und stattdessen flexible Arbeitszeitmodelle gewählt. Filialen wurden nicht geschlossen, lediglich die Öffnungszeiten reduziert. In Saerbeck und in Westerkappeln ist die Bank an zwei Standorten mit Personal vor Ort, in der SB-Filiale in Wersen ist eine Beratung nach Vereinbarung ebenfalls möglich. Dennoch hat Corona die Arbeit verändert. Die telefonische Beratung ist gefragter denn je. Man habe sie mit einer Zentraleinheit aufgewertet, sagt Heilker. Auch die Entwicklungen in Richtung Digitalisierung und mobiles Arbeiten, die im Zuge der Fusion umgesetzt worden seien, hätten sich schnell als nützlich erwiesen.

Mit der beginnenden Wirtschaftskrise rücken nun aber auch Risiken in den Blick. Die Kreditausfallrisiken im gewerblichen Bereich sieht Heilker als überschaubar an. Klar: „Hier wird es auch irgendwo einschlagen“, sagt er. Aber der Mittelstand im Münsterland, der zu den Kunden gehört, sei nach 20 Jahren prosperierender Wirtschaft mit Eigenkapitalquoten von 30 Prozent unterwegs. Ein Konzentrations- oder Klumpenbildungsrisiko für die Bank sieht er nicht. „Wir sind breit aufgestellt im Firmenkundenbereich.“

Niedrige Zinsen

Auch im Bereich der Immobilienfinanzierungen sieht Anita Kipp derzeit keine Bedrohungen für die kleine Bank. Sicherlich könne, wenn Arbeitslosigkeit um sich greift, die eine oder andere Hausfinanzierung ins Wanken geraten. „Aber wir haben in unserem Haus immer Lösungen gefunden“, signalisiert sie. „Das ist der Vorteil, wenn Sie die Bank direkt vor Ort haben.“

Doch Corona ist nicht alles, schon vor der Pandemie war das Wirtschaften für die Banken nicht mehr leicht. Die niedrigen Zinsen drücken aufs Geschäft. Kreditvergaben an Privatleute und Firmen machen rund drei Viertel der Bilanzsumme der Bank aus, erklären die Vorstände. Der Negativzins macht überdies das Einlagengeschäft schwierig. Auch die Volksbank ist daher dazu übergegangen, Negativzinsen zu erheben – allerdings bei Privatkunden erst ab einer Summe von 200 000 Euro.

Persönlicher Kontakt

Von daher gerät vor allem die Kostenseite in den Blick. Der Vertriebsweg über den persönlichen Kontakt werde bleiben. Aber man wolle eine „digitale Regionalbank“ werden, sagen die Vorstände. Ebenso steht bei vielen Aufgaben, die es in der Bank zu erledigen gibt, die Frage im Raum, ob man die Tätigkeit selbst erledigt oder sich Sachverstand einkauft.

Auf der Einnahmenseite geht es zudem darum, die eigenen Dienstleistungen auch über Vertriebsplattformen anderer Anbieter – zum Beispiel Kreditvermittler – anzubieten und so neue Kunden zu bekommen. Die Frage der Höhe der Gebühren für einzelne Dienstleistungen hingegen zeige der Markt. Selbst Banken mit einst kostenlosen Kontomodellen würden nun auch Gebühren einführen. „Jede Bank steht vor derselben Problematik“, sagt Heilker. „Das muss man beobachten.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7464466?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686837%2F
Nachrichten-Ticker