Die Landwirte Andreas Puckert und Frank Weber über Ernteerträge und coronabedingte Einnahmeverluste
Nicht auf Tönnies angewiesen

Saerbeck -

Wie fällt die Ernte aus? Und warum muss der Tönnies-Schlachthof schnell wieder seinen Betrieb aufnehmen? Unsere Redaktion hat bei Andreas Puckert und Frank Weber vom Landwirtschaftlichen Ortsverein nachgefragt. Die beiden zeigen sich verhalten optimistisch. Die Roggenernte ist unterdurchschnittlich. Und auch der Preis für Schlachtvieh ist im Keller.

Freitag, 10.07.2020, 17:12 Uhr
Die Erntekrone ist fertig, zum Einsatz kommt sie aber erst Ende September beim Erntedankfest. Bis dahin hoffen die Saerbecker Landwirte auf gutes Wetter, also nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Regen.
Die Erntekrone ist fertig, zum Einsatz kommt sie aber erst Ende September beim Erntedankfest. Bis dahin hoffen die Saerbecker Landwirte auf gutes Wetter, also nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Regen.

Auf den Feldern wurde in diesem Jahr die erste Gerste gedroschen. Die Ernte hat begonnen. Nach zwei extrem trockenen Sommern blicken Andreas Puckert und Frank Weber vom Landwirtschaftlichen Ortsverein gebannt aufs Wetter. Fällt genügend Regen? Und hört er passend zur Ernte auch wieder auf? Wie wird die Ernte in diesem Jahr überhaupt? Unsere Redakteurin Katja Niemeyer hat bei den beiden Vorstandsmitgliedern des Vereins nachgefragt.

Mitglieder des Landwirtschaftlichen Ortsvereins und der Landjugend sowie die Landfrauen haben kürzlich die Erntekrone für das Erntedankfest Ende September gebunden. Wie war die Stimmung?

Puckert: Sehr ausgelassen und fröhlich – trotz der Coronabeschränkungen.

Kommt beim Blick auf Ihr Getreide, das in diesen Tagen geerntet wird, auch Freude auf?

Puckert: Wir warten derzeit auf trockenes Wetter. Die Gerste ist reif.

Weber: Die ersten Bestände wurden schon gedroschen. Der Ertrag ist allerdings mit vier Tonnen pro Hektar vergleichsweise gering. Normal sind sechs bis sieben Tonnen. Auch die Qualität ist eher schlecht, die Kornfülle zu gering und die Mehlkörner zu klein.

Herr Puckert, Sie verfüttern die Gerste zu 100 Prozent an Ihre Schweine. Spielt der Verkaufspreis dann eine Rolle?

Puckert: Je geringer der Ertrag ist, desto mehr Futter muss ich zukaufen und desto geringer ist mein Verdienst bei der Schweinemast.

Neben Mais ist Roggen die Hauptanbaufrucht in Saerbeck. Beides ist noch nicht reif. Sind Sie da zuversichtlicher was die Ernte betrifft?

Weber: Beim Roggen sind wir verhalten zuversichtlich. Ende Juli wissen wir mehr.

Dem Mais dürfte der Regen der vergangenen Tage aber geholfen haben.

Puckert: Für den Mais sind die Bedingungen jetzt in der Tat optimal. Anders als im vergangenen Jahr, als wir aufgrund von Hitze und Trockenheit einen Totalausfall hatten.

Und wie sind Ihre Erwartungen für Triticale und Weizen?

Puckert: Die Ertragserwartung für Triticale und Weizen liegt unterhalb der des Roggens, wobei es aber auch in Saerbeck große Unterschiede gibt.

Herr Puckert, Sie führen einen Betrieb mit 1100 Schweinemast-Plätzen und liefern normalerweise einen Teil Ihrer Tiere an das Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück. Das hat bekanntlich coronabedingt geschlossen. Wie werden Sie Ihr schlachtreifes Vieh los?

Puckert: Ich habe zwei Abnehmer: neben Tönnies ist das der Schlachthof Tummel in Schöppingen. Normalerweise steht alle zehn Tage eine Lieferung an. Bislang bin ich meine Tiere noch losgeworden.

Weber: Esgibt aber Landwirte, die auf ihren Schweinen sitzenbleiben. Die Tiere werden immer schwerer. Eigentlich würden sie geschlachtet, wenn sie ein Gewicht von 120 Kilogramm erreicht haben. Manche Landwirte füttern deshalb schon Diätfutter.

Welche finanziellen Auswirkungen hat die Coronakrise angesichts der vorübergehenden Tönnies-Schließung für Sie als Schweinemäster?

Puckert: Der Preis für Schweinefleisch ist im Keller. Im Frühjahr, als die Nachfrage groß war, habe ich noch 1,90 bis 2 Euro je Kilogramm Schlachtfleisch bekommen. Weil derzeit so viel Fleisch auf dem Markt ist, ist der Preis zuletzt auf 1,47 Euro gesunken. Pro verkauftes Tier bedeutet das für mich seit dem vergangenen Winter einen Verlust von rund 50 Euro. Hinzu kommt die Unsicherheit, wann der Schlachtbetrieb wieder anläuft. Wir wissen nur, dass der Hof noch mindestens bis zum 17. Juli stillgelegt ist.

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