Harald Kraege über fehlende Vierbeiner in der Coronakrise und ausgefallene Trainingsstunden
Lockdown in Hundepension

Saerbeck -

Zum saisonbedingten Ausfall kommt in der Hundepension und- schule von Harald Kraege ein coronabedingter Lockdown. Das rot geklinkerte Hundehaus stand zwischenzeitlich komplett leer. Und auch Informationsveranstaltungen und Trainingsstunden musste der 62-Jährige aus dem Kalender streichen. Nun geht es wieder bergauf, rufen immer mehr Leute an, die sich in der Coronakrise einen Welpen zugelegt haben.

Mittwoch, 22.07.2020, 06:01 Uhr aktualisiert: 22.07.2020, 09:48 Uhr
Harald Kraege inmitten seiner Sibirian Huskys: Der Betreiber einer Hundepension und -schule ist vernarrt in die Vierbeiner mit dem stechendem Blick.
Harald Kraege inmitten seiner Sibirian Huskys: Der Betreiber einer Hundepension und -schule ist vernarrt in die Vierbeiner mit dem stechendem Blick. Foto: Katja Niemeyer

Seine Schlittenhunde sind sofort zur Stelle, als Harald Kraege sich an diesem Dienstagmorgen anschickt, das Tor zu ihrem Gehege zu öffnen. Der schmächtige Mann tritt ein und verschwindet für einen Moment in einem großen Hundeknäuel. „Ist ja gut“, sagt er immer wieder und krault jeden Hundekopf, der sich ihm entgegenstreckt.

Insgesamt 25 Schlittenhunde – der Großteil Sibirian Huskys – laufen auf dem Hof von Harald Kraege gruppenweise in unterschiedlichen Gehegen umher. Die Tiere mit dem stechenden Blick haben zurzeit Pause. Temperaturen über zwölf Grad sind den Schlittenhunden zu warm. Dann kommen sie einfach nicht richtig in die Gänge. Erst im August beginnt der 62-Jährige wieder mit dem Training. 40-Kilometer-Ausfahrten mit Gästen starten im November.

Dieser Lockdown ist saisonbedingt und einkalkuliert. Der andere – coronabedingte – Ausfall hat Harald Kraege kalt erwischt. Denn neben der Organisation von Kinderfesten im Husky-Gehege, Ausfahrten und Aktionen wie „Im Hunde-Rudel leben“ betreibt der Saerbecker eine Hundepension und -schule.

Und dieses Standbein ist mit dem Ausbruch von Covid-19 mächtig ins Wanken geraten. „Während der Osterferien waren die 20 Pensionsboxen komplett leer“, berichtet Harald Kraege, der die Pension vor rund 35 Jahren gründete. Inzwischen hat sich das rot geklinkerte Hundehaus auf seinem Hof wieder ein wenig gefüllt. Seit den Corona-Lockerungen sind Herrchen und Frauchen wieder verstärkt in den Urlaub gestartet.

Wenngleich: Vom Auslastungsgrad vergangener Sommer ist die Hundepension weit entfernt. Viele Hundebesitzer jetten in der derzeitigen Krise nicht zu fernen Zielen, wohin sie ihren Vierbeiner meist nicht mitnehmen könnten, sondern bleiben in Deutschland, kurven mit dem Wohnmobil die Küste entlang oder mieten eine Ferienwohnung. Fast immer dabei: ihr Hund.

In Harald Kraeges Hundepension bleibt aber nicht nur die ein oder andere Unterkunft leer. Auch in seiner Hundeschule strich der Fachmann fast alle Trainingsstunden und Veranstaltungen aus dem Kalender. Die Junghunde- und Welpentreffs fielen ebenso aus wie die theoretischen Abende, in denen Harald Kraege über richtige Hundehaltung informiert.

„Ich bekomme unmittelbar zu spüren, wie die Wirtschaft gerade läuft“, erläutert der 62-Jährige, der sich nach einem Praktikum in einem Münsteraner Tierheim zunächst mit einigen wenigen Pensionsplätzen für Hunde selbstständig machte. Natürlich beantragte auch er Soforthilfe. Den kompletten Verdienstausfall habe dieses Geld aber auch nicht ausgleichen können. Harald Kraege will aber nicht klagen, wie er sagt. Mittlerweile ist der Betrieb auf seinem Hof auch wieder angelaufen. Das freut den Hundekenner.

Über manche Anrufer kann er unterdessen nur den Kopf schütteln. „Es gibt immer wieder Menschen, die unbedingt einen Schlittenhund haben wollen, dann aber nicht klarkommen mit dem Tier“, stellt er fest. Huskys benötigen Auslauf, leben vorzugsweise im Rudel, Bedingungen, die längst nicht jeder Besitzer erfüllen kann.

Darüber hinaus beobachtet Harald Kraege derzeit eine stark gestiegene Nachfrage nach Hundewelpen. In der Krise sehnen sich offensichtlich viele Menschen nach einem vierbeinigen Freund. „Ich stelle vermehrt unüberlegte Käufe fest“, erklärt Harald Kraege. Anfangs sind die Tiere klein und niedlich. Die Probleme, ergänzt der Fachmann, kommen, wenn sie heranwachsen und die Eigentümer zunehmend überfordert sind.

Gut möglich, dass sie dann zu einem Fall werden für die Saerbecker Hundeschule.

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