Ausstellungs-Tournee „Saligia“ bietet Corona die Stirn
Völlerei vor dem Rathaus

Saerbeck -

Das Corona-Virus machte der Ausstellungs-Tournee „Saligia“ einen Strich durch die Rechnung, jetzt hat das Kuratorenteam einen Film entwickelt.

Dienstag, 01.09.2020, 11:00 Uhr
Trotz Corona bleibt von der verkürzten „Saligia“-Tourneeausstellung noch einige Tage die Installation des Saerbecker Künstler Peer Christian Stuwe vor dem Rathaus und auf Dauer der Film zum Projekt. Auf dem Foto (von links) Ingrid Raschke-Stuwe, Peer Christian Stuwe und Jan-Christoph Tonigs.
Trotz Corona bleibt von der verkürzten „Saligia“-Tourneeausstellung noch einige Tage die Installation des Saerbecker Künstler Peer Christian Stuwe vor dem Rathaus und auf Dauer der Film zum Projekt. Auf dem Foto (von links) Ingrid Raschke-Stuwe, Peer Christian Stuwe und Jan-Christoph Tonigs. Foto: Gemeinde Saerbeck

Wenn die sieben Todsünden verschwinden, sollte das ein Grund zur Freude sein. Anders stellt es sich dar bei der Ausstellungs-Tournee „Saligia“. Sieben Künstlerinnen und Künstler, darunter der Saerbecker Peer Christian Stuwe, haben sich unter Federführung des Kulturorts Klosters Bentlage mit den Todsünden beschäftigt. Die sieben mobilen Installationen auf Autoanhängern sollten eigentlich an sieben Orten je sieben Wochen zur Auseinandersetzung einladen. Das Corona-Virus versündigte sich an diesem dynamischen Konzept, der Infektionsschutz machte das erhoffte Publikumsinteresse größtenteils unmöglich. Nur sieben Tage standen die Installationen im Juli etwa im Bioenergiepark (BEP). Jetzt kündigte das Kuratorenteam Jan-Christoph Tonigs (künstlerischer Leiter Kloster Bentlage) und Ingrid Raschke-Stuwe (Kunsthistorikerin) das „Medienereignis“ zur Tournee an.

Ein Film über das außergewöhnliche, vielleicht sogar einzigartige Projekt war von Anfang an Teil der Idee, die Peer Christian Stuwe entwickelt hatte, und rückt nun stärker in den Vordergrund. Der Teaser ist fertig. Der neunminütige Film soll bis zur Kommunalwahl am 13. September unter anderem über die Homepage der Gemeinde Saerbeck zu sehen sein – vielleicht, während man auf Wahlergebnisse wartet.

Künstlerinnen und Künstler, Autos und Installationen auf Anhängern zeigt der Teaser, in Kolonnenfahrt Richtung Bioenergiepark. Zu sehen ist, wie die Künstlergruppe eine blühende Wiese in eine Wagenburg der Todsünden verwandelt. Das Video-Häppchen erfüllt seinen Zweck und weckt die Neugier auf mehr.

Die heute seltene, künstlerische Beschäftigung mit dem Thema Todsünden fällt bei den Künstlern Stefan Demming, Dietmar Schmale, Wiebke Bartsch, Beate Passow, Peer Christian Stuwe, Katharin Krenkel und Ottmar Hörl ganz unterschiedlich aus. Gemeinsam ist ihren Arbeiten, was Bürgermeister Wilfried Roos bei der Präsentation des Video-Teasers so beschrieb: „Faszinierend ist für mich, dass bei aller Verschiedenheit der Ansätze die Fläche eines PKW-Anhängers das Maß der Dinge ist.“

Als Beispiel steht Stuwes Installation zur Völlerei, lateinisch Gula, noch bis zum Wahlsonntag, 13. September, vor dem Rathaus. Der Saerbecker Künstler stellt in seinem Schweinchen-rosa „Gula-Grill“ den stopfenden Fast-Food-Junkie neben hungernde Kinder in Afrika. Aus dem unschuldigen, notwendigen und ganz menschlichen Essen wird durch ungerechte Maßlosigkeit auf Kosten anderer die Todsünde – ein Muster der Sünde und ein Beleg für die Aktualität des Themas.

Die Ausstellung ist das nächste Mal komplett zu sehen vom 31. Oktober bis 20. Dezember in den Flottmann-Hallen in Herne. Der Ausstellungstitel „Saligia“ setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der lateinischen Wörter für die sieben Todsünden zusammen, von Superbia (Hochmut) bis Avaritia (Geiz).

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