Roos verabschiedet sich im Rat
Neue Halle für die Reiter – mit einer Gegenstimme

Saerbeck -

Der Reitverein bekommt eine neue Halle. Wie es um zusätzliche Gebäude und Reitanlagen aussieht, ist eine andere Frage, die noch zu klären ist.

Montag, 07.09.2020, 10:45 Uhr aktualisiert: 07.09.2020, 14:02 Uhr
Für Wilfried Roos war es nach 27 Jahren die letzte Ratssitzung, der er in Saerbeck vorsaß.
Für Wilfried Roos war es nach 27 Jahren die letzte Ratssitzung, der er in Saerbeck vorsaß. Foto: Günter Benning

„Was der Chef vorne aufreißt“, soll mal ein Bauamtsleiter in Saerbeck gesagt haben, „das schmeißen wir nicht mehr zu.“

Nach 27 Jahren der Ägide Roos in der Energie-Vorzeigemeinde war am Donnerstagabend Finale. Zumindest im Rat. Und man hatte das Gefühl, der Chef wollte auf jeden Fall noch ein ganz großes Loch aufreißen, das nach ihm keiner mehr zuschmeißen kann.

Es ging um die geplante Halle für den Reiterverein, der sein heutiges Domizil am Hof Ottmann verliert, wenn dort ein neues Wohngebiet mit 110 Wohneinheiten entsteht.

Mit heißer Nadel hat die Gemeindeverwaltung ein Finanzierungsmodell gestrickt, nach dem der Reitverein der Gemeinde auf seinem künftigen neuen Gelände ein Grundstück zur Verfügung stellt. Dort wird eine Halle zum Preis von 770 000 Euro gebaut. Der Eigenanteil der Kommune läge bei 270  000 Euro. Der Rest soll aus einem Förderprogramm des Landes für „Kommunale Reithallen“ stammen.

Nachdem vor allem die CDU im Vorfeld darauf gedrängt hatte, erst die Zukunft des Reitvereins zu sichern und dann das neue Wohngebiet zu genehmigen, war am Ende eine fast einstimmige Zustimmung im Rat erwartbar.

Fast. Denn gerade aus den Reihen der CDU kam ein Widerspruch. Ratsherr Hubert Geisemann monierte, dass die Gemeinde in Vorleistung trete, ohne eine Sicherheit zu haben. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, meinte er. Zumindest müsste die Kommune das Eigentum am Grundstück erhalten.

Man merkte Wilfried Roos seine Ungeduld an, als er den Einwand abbügelte: „Wir haben dort Erbpacht verabredet.“ Und zwar auf 80 Jahre. Das müsse als Sicherheit reichen. Außerdem drückte er auf die Tube: Mit der Bezirksregierung seien Termine ausgehandelt. Die Mittel für die Halle könnten zeitnah beantragt werden.

Hubert Geisemann zog seine Bedenken zurück und quittierte mit einer Gegenstimme.

Auch Mechtild Lüggert, deren UWG schon immer kritisch gegenüber dem neuen Baugebiet eingestellt war, fragte am Ende noch, warum die Gemeindeverwaltung ein Gutachten nicht weiterverfolgt habe, das auf die Lärmbelastung durch die Bundesstraße aufmerksam gemacht habe.

„Es besteht keine rechtliche Verpflichtung, hier Lärmschutzmaßnahmen durchzuführen“, entgegnete Bürgermeister Roos. Dass sie durchaus wünschenswert seien, stehe auf einem anderen Blatt.

Bauamtsleiter Andreas Bennemann wies darauf hin, dass bei der Planung des Bebauungsgebietes Reiterhof durch verschiedene Maßnahmen Lärmschutz möglich sei: Die Lage der Gebäude, die Abstände oder die Möglichkeit, höhere Häuser als eine Art Lärmschutzschwall zu planen.

Fazit: Der Reitverein bekommt eine neue Halle. Wie es um zusätzliche Gebäude und Reitanlagen aussieht, ist eine andere Frage, die noch zu klären ist.

Das Zitat des ehemaligen Bauamtsleiters hat übrigens Bürgermeister Roos selbst vorgetragen – und zum guten Schluss noch einmal am Beispiel klar gemacht.

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