Saerbecks neuer Bürgermeister Tobias Lehberg über seinen überraschenden Sieg und Umzugspläne
„Ich war schon ziemlich perplex“

saerbeck -

Der parteilose Bürgermeisterkandidat Dr. Tobias Lehberg, der die Wahl am Sonntag überraschend gewann, spricht im Interview über das für ihn überraschende Ergebnis, über Stress im Wahlkampf und über seine Umzugspläne. Der 44-Jährige kündigte an, mit allen Parteien gleichermaßen zusammenzuarbeiten – auch mit der CDU. Lehberg war als Kandidat von SPD, UWG und Grünen ins Rennen gegangen.

Montag, 14.09.2020, 15:12 Uhr aktualisiert: 18.09.2020, 15:41 Uhr
Wird Saerbecks neuer Bürgermeister: Dr. Tobias Lehberg. Am 1. November tritt er sein neues Amt an.
Wird Saerbecks neuer Bürgermeister: Dr. Tobias Lehberg. Am 1. November tritt er sein neues Amt an. Foto: Katja Niemeyer

Dr. Tobias Lehberg (parteilos) wurde am Sonntag bei der Kommunalwahl mit überwältigender Mehrheit zum neuen Bürgermeister gewählt. Unsere Redakteurin Katja Niemeyer sprach mit dem 44-Jährigen am Tag nach dem Urnengang.

 

Herr Dr. Lehberg, Sie sind noch am späten Wahlabend zusammen mit Ihrer Frau zurück zu Ihrem Wohnort Dinslaken gefahren. Klingt stressig.

Lehberg: Ja, aber meine Frau und ich wollten unseren Töchtern die Nachricht am Montagmorgen persönlich übermitteln. Für mich begann dann auch ein ganz normaler Arbeitstag. Und meine Frau hatte eine lange dienstliche Besprechung.

Und haben sich Ihre Töchter gefreut?

Lehberg: Sehr sogar.Lehberg holt 72,6 ProzentKatja Niemeyer

Während des Wahlkampfs pendelten Sie zwischen ihrem Noch-Wohnarbeit und Saerbeck. Gleichzeitig haben Sie ja auch noch einen Job. Wie stressig war diese Zeit für Sie?

Lehberg: Ich hatte das Glück, dass ich flexibel und zum Teil im Home-Office arbeiten konnte. Aber sicherlich kam die räumliche Distanz erschwerend hinzu. In den letzten Monaten habe ich dann ja zeitweise in Saerbeck gewohnt. Das war sehr hilfreich. Klar war, dass man dieser Doppelrolle nur für eine gewisse Zeit gerecht werden kann.

Ihr Arbeitgeber war informiert über Ihre Bürgermeisterkandidatur. Am 1. November treten Sie Ihr neues Amt an. Müssen Sie Kündigungsfristen einhalten?

Lehberg: Ich werde in den kommenden Tagen mit meinem Arbeitgeber über eine einvernehmliche Beendigung des Arbeitsverhältnisses sprechen.

Und dann kommt der Umzug nach Saerbeck?

Lehberg: Ich werde natürlich direkt umziehen. Bevor meine Familie nachkommt werden aber wohl noch einige Monate vergehen. Meine ältere Tochter geht ja zur Schule. Und meine Frau, die als Lehrerin an einem Gymnasium arbeitet, wird sich dann in diese Region versetzen lassen.

Dass Sie die Wahl derart klar gewinnen würden, war ja auch für Sie überraschend. Wie erklären Sie sich das Ergebnis?

Lehberg: Zum einen ist es offenbar so, dass die Saerbecker die Parteilosigkeit ihres Bürgermeisters schätzen gelernt haben. Zum anderen, denke ich, konnte ich auch mit meinen Ideen überzeugen. Und dann bin ich jemand, der von außen kommt, mit einem frischen Blick auf die Gemeinde.

Sie haben unzählige Gespräche geführt, zuletzt an jeder Haustür geklingelt.

Lehberg: Ich wollte einfach möglichst vielen Saerbeckern die Gelegenheit geben, mich kennenzulernen. Die Gespräche, die dabei zustande kamen, waren äußerst wichtig für mich. Ich habe die Menschen in ihrem Lebensumfeld getroffen und dabei besonders gut erfahren können, was sie bewegt.

Welche Themen sind das?

Lehberg: Wohnen und Bauen sowie Verkehr, insbesondere in Wohngebieten.

Welches ist das erste große Projekt, das für Sie nach Dienstantritt auf der Agenda steht?

Lehberg: Die Einbringung des gemeindlichen Haushalts.

Welche weiteren Projekte stehen an?

Lehberg: Die Weiterentwicklung der geplanten Neubaugebiete. Außerdem habe ich ja noch eigene konkrete Ideen vorgebracht, etwa zur Verbesserung des Schulbusverkehrs aus den Außenbereichen und zur Dorfkernbelebung. Bevor ich diese Ideen angehe, möchte ich aber noch die Übergabegespräche mit Amtsinhaber Wilfried Roos abwarten.

Sie waren der gemeinsame Kandidat von SPD, UWG und Grünen. Wie wollen Sie bei der Ratsarbeit mit der CDU umgehen?

Lehberg: Wie mit jeder anderen Partei auch. Ich bin als unabhängiger Kandidat angetreten. Das haben die Wähler richtig eingeordnet. Ich habe vor, mit allen Parteien gleichermaßen zusammenzuarbeiten.

Bei der Zusammensetzung des künftigen Rates könnten Sie in einer komfortablen Situation sein.

Lehberg: Für meine Ideen werde ich jeweils um Mehrheiten werben müssen. Dabei ist nicht von vornherein klar, aus welchem Lager diese jeweils kommen werden.

Noch einmal zurück zum Wahlabend in der Bürgerscheune. Als die Ergebnisse der ersten Wahlbezirke auf dem Bildschirm erschienen, sah man Ihnen Ihre Freude darüber zunächst nicht an.

Lehberg: Ich muss zugeben, dass ich schon ziemlich perplex war. Erst auf der Rückfahrt habe ich, glaube ich, so richtig realisiert, dass ich die Wahl gewonnen habe. Da hat sich die Anspannung auch erst richtig gelöst – und war die Freude groß.

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