Prozess wegen versuchten Mordes: Saerbecker „psychopathisch auffällig“
Zu sieben Jahren Haft verurteilt

Saerbeck/Münster -

Er attackierte sein Opfer hinterrücks, übergoss es mit Benzin und versuchte anschließend, es anzuzünden. Dies gelang nur deshalb nicht, weil zwei Passanten eingriffen. Wegen versuchten Mordes verurteilte die 2. Große Strafkammer des Landgerichts am Mittwochnachmittag einen Saerbecker zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Es war der neue Freund seiner Frau, die er am 3. Februar dieses Jahres töten wollte.

Mittwoch, 07.10.2020, 19:23 Uhr
Die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Münster verurteilte am Mittwochnachmittag einen 51-jährigen Saerbecker wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Der Mann war während der Verhandlungen immer wieder wegen seines apathischen Verhaltens aufgefallen.
Die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Münster verurteilte am Mittwochnachmittag einen 51-jährigen Saerbecker wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Der Mann war während der Verhandlungen immer wieder wegen seines apathischen Verhaltens aufgefallen. Foto: Katja Niemeyer

Das Landgericht Münster hat am Mittwochnachmittag einen 51-jährigen Saerbecker wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Die 2. Große Strafkammer des Gerichts sah es als erwiesen an, dass der Mann den neuen Freund seiner Ehefrau am 3. Februar dieses Jahres auf einem Firmenparkplatz im Gewerbegebiet Nord auflauerte, ihn mit Benzin übergoss und dann versuchte, ihn anzuzünden.

Nur durch das beherzte Eingreifen von zwei Zeugen gelang es dem Täter nicht, das Opfer zu töten. Es wurde allerdings im Verlauf der Attacke verletzt, nicht lebensgefährlich, wie der Staatsanwalt einräumte, immerhin drückte der Täter aber einen Finger in sein rechtes Auge, so dass die Hornhaut abgerieben wurde. Außerdem erlitt der Mann, der in dem Prozess als Nebenkläger auftrat, an verschiedenen Stellen seines Körpers Prellungen. Nach Angaben seines Rechtsanwalts leidet er überdies bis heute unter „sehr starken psychischen Belastungen“.

Anders als der Staatsanwalt, der eine Freiheitsstrafe von neun Jahren gefordert hatte, zeigte sich die Richterin nicht überzeugt davon, dass der 51-Jährige die Attacke aus niedrigen Beweggründen plante. Aus dessen Sicht sei die Ehe vielmehr noch nicht gescheitert gewesen, den neuen Freund habe er als „Eindringling“ angesehen, gegen den er im zunehmenden Maße Hassgefühle entwickelte, sagte die Richterin in Richtung des Täters. Und: „Sie waren verhangen in einer gescheiterten Beziehung.“

Dass der Saerbecker die Tat heimtückisch plante, darin stimmte die Richterin mit dem Staatsanwalt überein. Das Opfer habe in keiner Weise damit rechnen können, dass es am späten Abend an seinem Arbeitsort attackiert werden würde – auch wenn es von zwei Zeugen gewarnt worden war, so die Richterin.

Der 51-Jährige war aus einem Versteck hinter dem Auto des neuen Freundes seiner Frau hervorgesprungen und übergoss ihn mit Benzin, das er in zwei Einmachgläser gefüllt hatte. Das hatte die Auswertung einer Videokamera ergeben, die auf dem Firmengelände installiert ist. Zuvor hatte sich der Täter eine Damenstrumpfhose übers Gesicht gezogen und eine Baseballkappe aufgesetzt.

Die Richterin warf ihm vor, auch nicht von seinem Opfer gelassen zu haben, nachdem es diesem gelungen war, das Stabfeuerzeug unschädlich zu machen, mit dem er es anzünden wollte. „Sie sind rangelnd an ihm dran geblieben, brachten ihn zu Boden und drückten seinen Kopf in den Nacken“, so die Richterin.

Opfer und Angreifer kannten sich: Ersterer hatte zunächst eine Liebesbeziehung mit der Tochter seiner späteren Freundin, war in dem Haus des Ehepaares ein- und ausgegangen. Nachdem die junge Frau die Beziehung beendet hatte, entwickelte sich ein Verhältnis zwischen ihrer Mutter und dem 30-Jährigen.

Der Täter war während der Verhandlungen wegen seines apathischen Verhaltens aufgefallen. Zu Prozessauftakt brach er zusammen und musste notärztlich versorgt werden (wir berichteten). Die Richterin sprach von einem psychopathisch auffälligem Verhalten. Dieses „Tot-Stell-Verhalten“ habe er „bewusst gesteuert und eingesetzt“. Umfangreichen Untersuchungen hatten aber ergeben, dass es sich dabei keinesfalls um eine Erkrankung handelt.

Der Verteidiger des Täters hatte bei seinem Plädoyer kein bestimmtes Strafmaß beantragt.

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