Das erste „Klangbild“ zur Madlener-Ausstellung
Musikalischer Appell für eine gewaltfreie Welt

Saerbeck -

Passend zu den ausdrucksstarken Bildern der Madlener-Ausstellung gab es am Sonntag das erste musikalische „Klangbild“ dazu.

Dienstag, 13.10.2020, 11:00 Uhr
Ariane Oeynhausen (Violoncello, Gesang) und Detlev Roode (Klavier) hatten ein vielfältiges Programm zusammengestellt.
Ariane Oeynhausen (Violoncello, Gesang) und Detlev Roode (Klavier) hatten ein vielfältiges Programm zusammengestellt. Foto: Tünde Kalotaszegi-Linnemann

Ein schwarzes Cello intoniert eine wunderschöne, zutiefst traurige Melodie. Sie klingt nach Schmerz, zugleich nach Sehnsucht, nach Wehmut, aber auch nach Hoffnung. Währenddessen blickt der Zuhörer in die verschiedensten Kassandra-Gesichter drumherum. Kassandra, die antike Seherin, die den Krieg von Troja prognostizierte, der niemand glaubte und deren Vater sie in den Kerker sperrten.

Diese Frauengestalt ist Thema der Ausstellung Jörg Madleners im Bunker Zwei des Saerbecker Bioenergieparks, die am letzten Samstag eröffnet worden ist (wir berichteten).

Passend zu den ausdrucksstarken Bildern, in all ihrer inneren Zerrissenheit, sowie intensiven Farbgebung, die quasi als Anklage des Krieges und als Aufruf zum Frieden wirken, gab es am Sonntag das erste „Klangbild“ dazu. Kuratorin Simone Lamski lud Ariane Oeynhausen (Violoncello, Gesang) und Detlev Roode (Klavier) in den Bunker ein. „Ich wollte keine Profis hierher holen, sondern Menschen aus verschiedensten Bereichen die Möglichkeit geben, sich mit den Themen der Ausstellung auseinanderzusetzen“, erklärte Lamski im Vorgespräch.

Sie kennt die beiden sympathischen Künstler von den Veranstaltungen „Singing for Future“ in Münster, die eng verknüpft sind mit der „Fridays for Future“-Bewegung. So hat das Ehepaar zu diesem Anlass ein vielfältiges Programm zusammengestellt, das rund um Krieg und Frieden rankt, wobei der Appell für eine gewaltfreie, versöhnlichere Welt im Fokus stand.

Mit dem Lied „Sag mir wo die Blumen sind“, das zur Ode der Friedensbewegung der sechziger Jahre wurde, legten Oeynhausen und Roode den Finger in die Wunde auch unserer Zeit. In Amerika treibt Präsident Donald Trump sein Unwesen, in Syrien hält der Krieg an, der Virus verbreitet sich über die ganze Welt, so ließe sich die Liste des Leides fortsetzen. Mit einer Reihe von Friedenssongs wie etwa John Lennons „Imagine“ oder dem „Earth Song“ von Michael Jackson musizierte sich das Duo immer weiter in die Herzen des Publikums. Jeder der coronabedingt beschränkten Plätze war besetzt.

Völlig überrascht hat die Akustik im Raum, die mit leichter elektronischer Verstärkung und der adäquaten technischen Betreuung von Andreas Selzer zu einem genussvollen Klangerlebnis führte. Für Ariane Oeynhausen und Detlev Roode stand nicht „die absolute technische Präzision in unserer ach so perfekten Gesellschaft“ im Vordergrund, wie sie anschließend äußerten, sondern ihre Friedensbotschaft. Nichtsdestotrotz gelang Ihnen das mit viel Niveau und Feingefühl.

Das Highlight des Nachmittags war zweifelsohne ihre Interpretation von Ernest Blochs „Prayer“, dem ersten Satz der Suite „From Jewish Life“. Es hatte fast den Anschein, das Oeynhausen mit ihrem kantablen, weichen Ton ihres schwarzen Cellos, Kassandra ihre Stimme lieh, die den Zuhörer aus jedem Winkel des Bunkers anblickte.

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