Vortrag von Günter W. Denz und Finissage
Außerordentlich und hochkarätig

Saerbeck -

Wer ist Jörg Madlener, was ist das für ein Mensch? Dieser Frage versuchte Günter W. Denz in seinem Vortag im Rahmen der Finissage der Madlener-Ausstellung im Bioenergiepark nachzugehen. Für das musikalische Finale sorgte das Vokalensemble „Voice Trip“ aus Münster.

Dienstag, 03.11.2020, 11:00 Uhr
Für das musikalische Finale sorgte das Vokalensemble „Voice Trip“ aus Münster, das mit A-cappella-Improvisationen die Zuhörer vom Hocker riss.
Für das musikalische Finale sorgte das Vokalensemble „Voice Trip“ aus Münster, das mit A-cappella-Improvisationen die Zuhörer vom Hocker riss. Foto: Tünde Kalotaszegi-Linnemann

„Unten im dunklen Keller unseres Hauses habe ich gekauert, während oben die Bomben fielen“, erinnerte sich der Künstler Jörg Madlener in einem seiner zahlreichen Gespräche mit Günter W. Denz, Vorsitzender des Verein Deutsche Sprache. Diese Ereignisse der Kriegszeit prägten den damals Dreijährigen und setzten den Grundstein für seine spätere geistige Haltung. „Doch Bomben fallen immer noch, zerstören Landschaften, Städte, Kulturen, Hoffnungen und Menschen“, konstatierte Denz am vergangenen Sonntag im Saerbecker Bioenergiepark-Bunker.

Dort war seit drei Wochen das schwere Stahltor für Madleners „Kassandra“-Ausstellung geöffnet, begleitet von Lesungen und als „Klangbilder“ titulierte Konzerte, die Kuratorin Simone Lamski vorbildlich organisierte und liebevoll betreute. Wer ist Jörg Madlener, was ist das für ein Mensch? Dieser Frage versuchte Günter W. Denz in seinem Vortrag „Maler, Philosoph, Weltenwanderer“ im Rahmen der Finissage nachzugehen.

Er porträtierte ihn als „sensiblen (…), malenden Philosophen“, einen „Düsseldorfer Belgier aus den USA“. In Düsseldorf geboren ist der heute 81-Jährige weit herum gekommen. Nach dem Abitur besuchte er die Städel-Schule in Frankfurt, wo er gleichzeitig bei dem bedeutenden Philosophen Theodor W. Adorno studierte, der sein Denken stark beeinflusste.

Nachdem er mit seiner Mappe frech bei dem berühmten Otto Dix vor der Tür stand, er ihn daraufhin tatsächlich unterstützte, „floh“ er, wie er selbst sagte, nach Belgien, da ihm das Militär und Krieg zutiefst zuwider waren. Dort beendete er sein Studium und seine Kunst verbreitete sich allmählich international.

Denz sieht in ihm auch einen „Weltenwanderer“: „Seine Bilder wanderten durch die Welt, der Künstler wanderte mit“. 1997 erfolgte die Übersiedlung nach New York, dann nach Abu Dhabi und wieder zurück, wo er jetzt noch lebt. Über 500 Werke hat er geschaffen, mit etwa 150 Ausstellungen ist er präsent.

Oft sind seine Werke mit Gewalt, Angst und Entsetzen verknüpft. Er will aufrütteln, warnen vor der Katastrophe, die die Menschen verursachen, so wie die antike Seherin, die alles prophezeite, ihr aber niemand glaubte. „Könnte man Madlener als Mahner, als Kassandrarufer, als malendes Gewissen sehen?“ fragte Denz. Das kann und muss jeder für sich beantworten.

Das musikalische Finale folgte einige Stunden später zweifelsohne mit einem Highlight. „Voice Trip“ nennt sich das Vokalensemble aus Münster, das mit A-cappella-Improvisationen die Zuhörer vom Hocker riss. Simone Lamski lernte die talentierten Vokalakrobaten Eduard Burda, Christian Berlin, Ina Neumann und Kathleen Brenner – wobei letztere aktuell verhindert war – bei einem Konzert im Cuba Nova in Münster kennen und holte sie kurzerhand nach Saerbeck. Aufgrund der Eindrücke von Madleners Kassandra-Bildern entwickelten sie ad hoc sechs verschiedene sogenannte „Formate“, quasi Lieder, die hochexperimentell, aber zugleich emotional berührten.

„Hum ba ne de je“ oder „Hem demm de“ sind nicht etwa arabische Dialekte, sondern Vokalisen, die einen rhythmischen Klangteppich bildeten, über dem sich melodische Gebilde sponnen. Schnalzen, Stöhnen, Falsett, alle möglichen Laute fanden hier Verwendung.

Eine großartige, beeindruckende Finissage einer außerordentlichen, hochkarätigen Ausstellung.

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