Saerbecker Schützen und der SC Falke fahren Betrieb herunter – und werden erfinderisch
Ein Marsch durch den Garten

Saerbeck -

Osterfeuer, Maibaumaufstellen, Radtour, Halbjahresversammlung, Schützenfest...die Liste der ausgefallenen Veranstaltungen ist lang.

Donnerstag, 19.11.2020, 10:30 Uhr
Im Juni, als eigentlich das Schützenfest anstand, machen sich die Bürgerschützen Saerbeck-Dorf in kleiner Delegation und mit Mund-Nasen-Maske auf dem Weg zur Kranzniederlegung am Ehrenmahl.
Im Juni, als eigentlich das Schützenfest anstand, machen sich die Bürgerschützen Saerbeck-Dorf in kleiner Delegation und mit Mund-Nasen-Maske auf dem Weg zur Kranzniederlegung am Ehrenmahl.

Schützen, die in Uniform zu Marschmusik im Garten ein paar Runden drehen. Übungsleiter, die online zum Sporteln animieren. Die coronabedingten (Teil-) Lockdowns haben Vereine erfinderisch gemacht. Finanziell dürften sie die Krise einigermaßen gut überstehen, wie eine Umfrage dieser Zeitung ergab. Geholfen haben dabei diverse Zuwendungen. So hatte die Gemeinde die laufenden Pauschalzuschüsse, die nach Mitgliederzahl berechnet werden, verdoppelt. Die Schützenvereine und die Frauengemeinschaft kfd wurden zudem mit dem Heimatpreis ausgezeichnet, der ihnen jeweils 1000 Euro in die Vereinskasse spülte.

Aber die Einschränkungen und Regeln schlagen aufs Gemüt. Insbesondere den Schützen fehlt die Geselligkeit. Derweil vermissen wohl vor allem die Kinder und Jugendlichen des SC Falke ihren Mannschaftssport.

Osterfeuer – abgesagt. Maibaumaufstellen – hat nicht stattgefunden. Radtour – aus dem Kalender gestrichen. Halbjahresversammlung – ausgefallen. Schützenfest – ade. Die Liste der ausgefallenen Veranstaltungen, die Karl-Heinz Hövel, Vorsitzender des Bürgerschützenvereins Saerbeck-Dorf aufzählt, ist lang. Den Auftritt der Musik-Band für den Tanzabend des Schützenfestes habe er zum Glück stornieren können. Die Band hatte er bereits ein Jahr im Voraus gebucht – und nun in der Hoffnung, dass die Pandemie dann eingedämmt ist, schon einmal für 2021 verpflichtet.

Das alles ließ sich regeln. Und auch über die übrige Arbeit wie das Ausfüllen der Anträge für die Kreispolizeibehörde und die Gemeinde, die nun umsonst war, sieht er hinweg. Die Zusammenkünfte, die fehlten aber schon. Was wohl ein Grund dafür war, dass sich im Sommer, wie er erzählt, einige Bürgerschützen ihre Uniformen überstreiften, im Garten eines Schützenbruders Marschmusik erklingen ließen und ein paar Runden über den Rasen marschierten – „zum Warmbleiben“, wie Hövel bemerkt.

Auch Jörg Niehoff, Vorsitzender der Bürgerschützengesellschaft Sinningen, blickt mit ein wenig Wehmut auf die Liste der abgesagten Veranstaltungen, wenngleich er versteht, dass die Maßnahmen wichtig sind, um die Ausbreitung des Virus zu verringern: „Die Menschen wollen eigentlich feiern.“ Das große Zelt, das die Sinninger Schützen normalerweise fürs Schützenfest im Mai auf dem Sportplatz aufbauen, ist am Tanzabend immer rappelvoll. Nun wurde es gar nicht erst aufgebaut. Und es half auch nichts, dass das Fest zunächst auf September verschoben worden war. Auch da konnte nicht gefeiert werden.

Im kommenden Januar hätte die traditionelle Winterwanderung mit Grünkohlessen auf dem Programm gestanden, bei der die Schützen gerne in alten Fotoalben stöbern und Videos von früheren Festen anschauen. Ende Januar wäre Karneval gefeiert worden. Alles bis auf Weiteres gestrichen. „Man trifft die Leute nicht. Das ist vor allem für die älteren Mitglieder sehr traurig“, findet Niehoff.

„Es läuft nichts“, konstatiert auch Markus Winkeljann. „Den Leuten fehlt das Gesellige“, ergänzt der Vorsitzende des Schützenvereins Westladbergen. Anfang August habe sich der Vorstand zuletzt in kleiner Runde getroffen. Langfristig planen sei in der Pandemie verständlicherweise nicht möglich. Winkeljann hofft nun, dass „2021 wieder alle antreten“.

Auch Reinhard Renger, Vorsitzender des Schützenvereins Dorfbauerschaft-Middendorf, bedauert, „dass das Vereinsleben praktisch tot ist“. Gleichzeitig blickt er nach vorn („Heulen nützt nichts“) und hofft, dass es bei einer Entspannung der Lage „schnell wieder losgehen kann“. Hövel schaut ebenfalls aufs kommende Jahr, dann, so sagt er, „wird doppelt gefeiert“.

Um ihre Vereinskassen machen sich die Vorsitzenden derweil vergleichsweise wenige Sorgen. Einerseits fehlten zwar die Einnahmen aus dem Schützenfest, stellt Markus Winkeljann fest. Andererseits, so der Vorsitzende der Westladbergener Schützen, „hatten wir aber auch keine Ausgaben“. Auch Jörg Niehoff aus Sinningen, räumt ein, dass so ein Schützenfest in der Regel ein Plus-Minus-Geschäft ist. Und Reinhard Renger ergänzt, „dass der Verein derzeit Kosten spart“.

Beim Bürgerschützenverein Saerbeck-Dorf haben die pandemiebedingten Verbote aber dennoch ein Loch in die Vereinskasse gerissen. Wie der Vorsitzende Karl-Heinz Hövel berichtet, sind die Feierlichkeiten rund um das Osterfeuer und das Maibaumaufstellen, die der Verein ausrichtet, dessen Haupteinnahmequellen. In guten Zeiten seien dabei vierstellige Beträge eingenommen worden. Geld, das nun fehlt. Das, ergänzt Hövel, „ist bitter“.

Beim 1300 Mitglieder starken SC Falke blickt man aktuell gelassen auf die Kontostände. „Die Mitglieder sind Gott sei Dank bei der Stange geblieben“, erklärt Vorstandssprecher Matthias Ahmann. Die Beiträge wurden dem Gesetz entsprechend weiterhin eingezogen, wenngleich der Verein darüber nachdenke, auf die Abteilungszuschläge zu verzichten. Das hänge im Wesentlichen davon ab, wie lange der Sportbetrieb stillstehen muss. Ahmann geht derzeit davon aus, dass die Sporthalle auch noch im Dezember verschlossen bleibt.

Gleichwohl setzt die Pandemie dem Sportverein zu. Vielen Mitgliedern fehle das regelmäßige Sportangebot, erläutert der Vorstandssprecher. Volleyball, Handball, Fußball – vor allem Kinder und Jugendliche vermissten ihre Mannschaftsspiele. Aber auch Senioren belaste der Stillstand. Manche, so Matthias Ahmann, „waren nach dem Lockdown im Frühjahr zur Vorsicht noch gar nicht zum Training zurückgekehrt“.

Und noch ein weiterer Gedanke treibt den Vorstandssprecher um: „Vielleicht finden einige in dieser Phase überhaupt keinen Zugang zum Sport.“ Neue Mitglieder hat der SC Falke seit Beginn der Krise jedenfalls nicht verzeichnet.

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