Lockdown: Wie „Buch & mehr“ seinen Abholservice reorganisiert hat
Eintüten vor Weihnachten

Saerbeck -

Esther Niehaus, die Saerbecker Buchhändlerin, hat ihren Verkauf im Lockdown reorganisiert. Statt wie im Frühjahr, als sie und ihre Mitarbeiterinnen die bestellte Ware nach Hause lieferten, hat sie diesmal einen Abholservice eingerichtet. Das Konzept wurde mit dem Ordnungsamt der Gemeinde abgestimmt – und geht offenbar auf. Die Kunden halten ihr die Treue.

Mittwoch, 23.12.2020, 05:23 Uhr aktualisiert: 23.12.2020, 05:31 Uhr
Zum letzten Mal in diesem Jahr hat die Buchhändlerin Esther Niehaus heute ihren kleinen Stand vor der Ladentür aufgebaut.
Zum letzten Mal in diesem Jahr hat die Buchhändlerin Esther Niehaus heute ihren kleinen Stand vor der Ladentür aufgebaut. Foto: Katja Niemeyer

Die Tür zu „Buch & mehr“ ist zugekleistert mit Hinweiszetteln. Verhaltensregeln, Schließung im Lockdown – Esther Niehaus hat alles aufgeschrieben, ausgedruckt und an die Glastür gehängt. Jetzt steht sie hinter ihrem Ladentisch. „Ich muss noch eine Sache eintüten“, ruft sie. „Dann bin ich bei Ihnen.“

Auf dem Fußboden hinter ihr reiht sich Papiertüte an Papiertüte. Darin: Krimis, Kinderbücher, Romane. Auch im zweiten coronabedingten Lockdown versucht die Buchhändlerin so gut es eben geht, die Saerbecker weiterhin mit Lesestoff zu versorgen. Anders als im Frühjahr, als Läden bereits wegen der Pandemie geschlossen bleiben mussten, hat Esther Niehaus diesmal einen Abholservice organisiert. Heute Vormittag reichen ihre Mitarbeiter die vorerst letzten Bestellungen heraus.

Erst ab dem 4. Januar will sie weitere Abholtermine einrichten. Bestellungen würden hingegen weiterhin bearbeitet. Während des ersten Lockdowns hatte sie die Ware ausgeliefert. Angesichts der Menge sei dies diesmal aber nicht zu leisten, sagt die Buchhändlerin.

Das Konzept des Abholservices war mit dem Ordnungsamt abgesprochen worden. Abstands- und Hygieneregeln würden dabei selbstverständlich eingehalten, ergänzt sie. Bestellungen nahm Esther Niehaus per E-Mail und telefonisch entgegen. Die Rechnung mit Bankverbindung liegt der Ware bei. „Das mit den Überweisungen hat auch beim ersten Mal sehr gut geklappt“, sagt sie.

Auch die Versorgung mit Lektüre-Nachschub scheint gesichert zu sein. Ihrem Buchgroßhändler attestiert die Kauffrau eine „starke Leistung“. Wie vor der Krise fährt fast täglich ein Kleintransporter bei „Buch & mehr“ vor. So ist es möglich, dass Kunden die gewünschten Bücher in der Regel bereits einen Tag nach Bestellung in den Händen halten.

Die gefüllten Papiertüten hinter dem Ladentisch können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass am Ende eines Tages weniger Geld in der Kasse ist. „Es fehlen Umsätze. Und es fehlt Laufkundschaft. Das ist klar“, stellt Esther Niehaus fest. Wie groß das Minus ist, das könne sie zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht sagen.

Während sie im Frühjahrs-Lockdown vor allem lokale Wanderführer wie „Wanderungen für die Seele“ einpackte, sind es derzeit aktuelle Bestseller. „Die Kunden orientieren sich oftmals an der Werbung“, weiß die Händlerin aus Erfahrung. Welches Buch sie in diesen Tagen häufig nachordern musste? „,Ein verheißenes Land‘, von Barack Obama“, sagt sie. Mit den Memoiren hatte der Ex-US-Präsident in diesem Jahr die Buchcharts erobert.

Durch den Abholservice wird deutlich: Stammkunden halten dem kleinen Buchladen die Treue. Und: „Ich stelle fest, dass seit Beginn der Pandemie immer mehr Menschen versuchen, vor Ort einzukaufen.“

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