Kitas im eingeschränkten Pandemie-Betrieb
Ein mulmiges Gefühl ist dabei

Saerbeck -

Keine Durchmischung, das Personal kommt nur mit FFP-2-Masken zusammen und die Eltern dürfen die Einrichtung nicht betreten – so sieht aktuell die Realität in Kindertageseinrichtungen aus. Seit dem 11. Januar gilt ein „eingeschränkter Pandemie-Betrieb“.

Donnerstag, 11.02.2021, 06:51 Uhr aktualisiert: 11.02.2021, 17:09 Uhr
Eine Erzieherin nimmt ein Kind auf den Arm: Die Mitarbeiterinnen der sechs Saerbecker Kindertageseinrichtungen sind sich bewusst darüber, dass sie während ihrer Arbeit dem Risiko ausgesetzt sind, sich mit dem Coronavirus anzustecken.
Eine Erzieherin nimmt ein Kind auf den Arm: Die Mitarbeiterinnen der sechs Saerbecker Kindertageseinrichtungen sind sich bewusst darüber, dass sie während ihrer Arbeit dem Risiko ausgesetzt sind, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Foto: dpa

Vor Corona durften die Kinder von einer Gruppe zur anderen wechseln, alle konnten gemeinsam spielen und die Räume waren für jeden zugänglich. So haben es die Leiterinnen und Leiter sowie die Mitarbeiter der Kitas und Kindergärten in Saerbeck am liebsten. Timo Droste von „Emilia“ sagt: „Wir arbeiten eigentlich immer sehr offen. Jetzt haben wir eine strikte Trennung.“ Keine Durchmischung, das Personal kommt nur mit FFP-2-Masken zusammen und die Eltern dürfen beim Abgeben ihrer Kinder die Einrichtung nicht betreten – so sieht aktuell die Realität aus.

Seit dem 11. Januar gilt ein „eingeschränkter Pandemie-Betrieb“. NRW-Familienminister Joachim Stamp appellierte, dass Eltern die Möglichkeit zur eigenen Betreuung ihrer Kinder prüfen sollten und gleichzeitig die Möglichkeit, Kitas weiterhin zu nutzen, gewährleistet werde. Der Betreuungsumfang wurde pro Kind um zehn Stunden verringert. Laut NRW-Familienministerium wurden zu Beginn des Jahres etwa 35 Prozent der Kinder auf diesem Weg betreut.

Wie sieht der Alltag in den Einrichtungen aus? Wir haben uns in Saerbeck umgehört.

In der evangelischen Einrichtung „Emilia“ schwankt die Zahl der zu betreuenden Kinder zwischen 11 und 16, im Normalbetrieb toben 14 Kids durch die Räume, nennt Droste die Zahlen. Die Zusammenarbeit habe sich eingespielt, „wir sind aus den letzten Monaten geübt“, sagt er. Über E-Mails und den Elternbeirat werden Informationen ausgetauscht. Die Kinder, die die Einrichtung nicht besuchen können, werden wöchentlich mit Briefen und kleinen Aufgaben versorgt.

So handhabt es übrigens jede Einrichtung in Saerbeck. Auch „Sonnenschein“ von Leiterin Heidi Richtermeier, deren Auslastung aktuell zwischen 40 und 50 Prozent liegt. Von 7 bis 15.30 Uhr läuft die Betreuung, auch für die Planung des Mittagessens wurde zu Beginn eine Bedarfsplanung durchgeführt. Die Möglichkeit, dass Großeltern sich nun auch um ihre Enkel kümmern könnten, würde die Situation noch einmal entlasten. Dennoch würde viel Zeit für Aufgaben wie das regelmäßige Desinfizieren investiert werden müssen. Richtermeier gibt zu Bedenken, dass die Sozialkontakte der Kinder, welche zu 100 Prozent zu Hause betreut werden, auf ein Minimum runtergefahren seien und dies mögliche Folgen nach sich ziehen könne.

Kerstin Gräfe, Leiterin der Einrichtung „Burg Funkelstein“ meint dazu, dass viele Folgen erst im Nachhinein richtig einzuschätzen seien. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen halten regelmäßigen Telefon-Kontakt zu den Kindern und informieren die Eltern sogar über eine eigene Kita-App. Außerdem würde es stets die Möglichkeit geben, dass sich die Familien Spielsachen und Bücher aus der Kita für Zuhause ausleihen könnten: „Das wird auch sehr gut angenommen“, verrät die Leiterin.

Hildegard Dust, Leiterin von „Kaleidoskop“, kann aus dem Umfeld der Kinder Positives berichten: „Wir haben sehr viele Familien, die das Betreuungsangebot nicht nutzen und die es Zuhause – dann meist mit mehreren Kindern – sehr gut und individuell managen. Durch regelmäßige Hausbesuche halten ihre Mitarbeiterinnen Kontakt zu den Kindern. Sie sagt: „Die Familien helfen sich auch dadurch, dass sie sich immer mit der gleichen Familie oder der Oma treffen. Man muss sehr gut überlegen, welche Kontakte man für die Kinder nutzt.“

Sie räumt außerdem mit einer Begrifflichkeit auf: „Wir leisten aktuell keine Notbetreuung. Die war damals nötig, als man die Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen betreut hat. Dies ist jetzt der eingeschränkte Pandemie-Betrieb.“ Unterschiedliche Eingänge müssten die Kinder benutzen, außerdem sei das Thema Corona bei den Kindern omnipräsent: „Letztens haben die Kinder Masken gebastelt. Da wird man natürlich aufmerksam. Das Thema Corona ist schon längst bei den Kindern angekommen“, sagt die Leiterin, die persönlich „viel mehr Zeit im Büro“ – vor allem wegen des regen E-Mail-Verkehrs und Video-Konferenzen – verbringen würde.

Von einem Zwiespalt berichtet Kerstin Dethering von „Regenbogen“: „Natürlich hätten wir lieber mehr Kinder in der Einrichtung. Am besten alle. Aber auch das zusätzliche Risiko, dem wir uns täglich aussetzen, ist uns bewusst. Wir reden sehr viel im Team darüber, ein mulmiges bis ängstliches Gefühl ist natürlich dabei.“ Auch bei „Emilia“ würde das Thema auf die Gemüter schlagen, regelmäßige Schnell-Tests senken den Stresspegel nur für einen kurzen Moment. Timo Droste sagt: „Die Kinder müssen gewickelt werden, in den Gruppen tragen wir keine Masken. Natürlich können wir uns dem Virus schlecht entziehen.“

Die Sorgen seien auch bei „St. Marien“ vorhanden, sagt deren Leiterin Silke Kruse, die aber auch die 14-Tage-Schnell-Tests als sehr sinnvoll ansieht: „Alle nehmen die sehr gerne wahr und es gibt immer ein Stück weit Sicherheit.“ Von 7 bis 14 Uhr läuft hier die Betreuung, die Kinder werden Zuhause mit einem wöchentlichen Elternbrief mit kleineren Aufgaben versorgt. Bei Kindern, die Deutsch als Zweitsprache haben, könnte es „nach Corona“ zu Nachholbedarf kommen, gibt sie zu Bedenken.

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