Oliver Oelrich ist Nationaltrainer der Schweizer Dressurreiter
Mit dem Flieger zum neuen Job

Lengerich -

Mit dem Dressurreiten kennt Oliver Oelrich sich aus. Der 48-Jährige unterrichtet in seinem Ausbildungsstall in Lengerich rund 20 Schüler. Seit dem 1. Januar muss er sich seine Zeit gut einteilen, denn er hat noch einen anderen Job: Nationaltrainer der Schweizer Dressurreiter.

Mittwoch, 31.03.2021, 05:13 Uhr aktualisiert: 31.03.2021, 05:20 Uhr
Auf einem Hof in Wechte ist Oliver Oelrich zu Hause.
Auf einem Hof in Wechte ist Oliver Oelrich zu Hause. Foto: Katja Niemeyer

„Gut so. Und nun der Übergang in die Passage.“ Oliver Oelrich steht an diesem sonnigen Vormittag in seiner Reithalle und beobachtet genau, wie sich die Trabschritte des Wallachs verzögern und verkürzen. Passagieren gehört in Dressurprüfungen zu den Lektionen der höchsten Klasse. Oliver Oelrich scheint zufrieden zu sein mit der Ausführung.

Auf dem Rücken des Pferdes sitzt Milena Welscher, überregional erfolgreiche Dressurreiterin. Sie ist eine von rund 20 Reitschülern, die der 48-Jährige in seinem Lengericher Ausbildungsstall trainiert. Seit dem 1. Januar muss er sich seine Zeit hierfür gut einteilen, denn seither hat er noch einen anderen Job: Oliver Oelrich, der seine sportliche Karriere einst beim Saerbecker Reitverein St. Georg begann, ist neuer Nationaltrainer der Schweizer Dressurreiterinnen und -reiter. 100 Tage im Jahr, so sieht es sein Vertrag vor, bereitet er sie auf internationale Championate vor.

Das, sagt er, sei ein Neuanfang. Oliver Oelrich betreute zuvor zehn Jahre lang als Honorar-Bundestrainer des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei (DOKR) Nachwuchsreiter. Die Zusammenarbeit hatte er beendet, nachdem das Komitee signalisiert hatte, dass es den Vertrag mit ihm nicht verlängern wolle. Während der Amtszeit von Oliver Oelrich hatten die Ponyreiter, Junioren und Junge Reiter rund 100 Medaillen bei Westfälischen, Deutschen und Europameisterschaften gesammelt.

Als das Angebot aus der Schweiz kam, griff der Trainer, der selbst zahlreiche Erfolge bei Bundeschampionaten und Weltmeisterschaften der Jungen Dressurpferde feierte sowie 2007 und 2008 im Nürnberger Burgpokal hoch platziert war, nach kurzer Bedenkzeit zu.

Eine Entscheidung, die er bislang nicht bereut hat. In seiner neuen Aufgabe trainiert er nicht nur die Elite und die U 25-Reiter, sondern ist auch für den gesamten Nachwuchs zuständig, wobei er dort noch von Kaderverantwortlichen unterstützt wird. Derzeit fliegt er ein- bis zweimal im Monat jeweils für einige Tage nach Zürich.

Die Erwartungen an ihn sind groß: Es geht um nicht weniger als eine Neuaufstellung des schweizerischen Dressurspitzensports, der zuletzt kaum Erfolge zu verzeichnen hatte. Oliver Oelrich bleibt dennoch gelassen. Die Arbeit, sagt er, mache sehr viel Spaß. Derzeit konzentriert er sich auf die Olympischen Spiele im August in Tokio, für die sich eine Schweizer Dressurreiterin qualifiziert hat. Mit Simone Pearce betreut der Lengericher eine weitere Reiterin, die für Australien an den Start geht.

In den Sattel stieg er erstmals als Kind. Bereits als Zwölfjähriger gehörte er mit seinem Pony Maja zum Siegerteam des Saerbecker Reitvereins, das bei Mannschaftswettkämpfen der Vielseitigkeitsreiter wie der „Goldenen Schärpe“ zahlreiche Pokale holte. Später setzte er seine sportliche Laufbahn als Junior und Junger Reiter in der Dressur und Vielseitigkeit fort. Zwei Mal nahm er an der Pony-Europameisterschaft teil, holte Gold und Silber mit dem Team und wurde beide Male Vize-Europameister.

Um sein Ziel, sich als Trainer und Ausbilder selbstständig zu machen, zu erreichen, habe er seine eigene Karriere aber irgendwann hintenan gestellt, sagt der Vater von zwei Kindern. 2002 erwarb er zusammen mit seiner Frau einen alten Bauernhof in Wechte, sanierte das Wohnhaus, baute Ställe und Reithalle und legte eine Rennbahn an. „Wir haben den Hof sozusagen aus dem Dornröschenschlaf erweckt“, sagt Oliver Oelrich.

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