Polizeichef verabschiedet
„Schade, dass der Chef schon geht“

Gravenhorst/Kreis Steinfurt -

Als Abteilungsleiter Polizei war Friedrich Unterberg vier Jahre lang oberster Polizist im Kreis Steinfurt. Jetzt wurde er in den Ruhestand verabschiedet.

Donnerstag, 14.01.2016, 17:39 Uhr

„Mehr grün als blau“ werde er künftig tragen und seiner Jagdleidenschaft frönen, gestand Friedrich Unterberg vor den mehr als 100 Gästen, die gestern seiner Einladung in den großen Saal von Kloster Gravenhorst gefolgt waren. Und er freue sich auf die Erfahrung als Großvater, die ihn im Sommer erwarte. Natürlich werde er auch reisen und es genießen, mehr Zeit zu haben. Aber ein bisschen „ambivalent“ sei es schon, nach 46 Jahren, nur wenige Tage nach dem 62. Geburtstag, nun den Polizeidienst zu verlassen und in den Ruhestand zu wechseln.

Im Gespräch mit Polizei-Sprecher Reiner Schöttler hatte der Leitende Polizeidirektor und Abteilungsleiter Polizei sich noch einmal an einige Stationen seiner langen Karriere erinnert und so manche Anekdote verraten. Zum Beispiel, dass er den Überredungskünsten seines Vorgängers Wilfried Kampmann, er solle doch als neuer Chef nach Steinfurt kommen, erst beim dritten Anlauf nachgegeben habe. „Im Steinfurter Büro hatte ich keinen Platz, um meine Geweihe aufzuhängen“ habe er damals den vier Meter hohen Diensträumen in Essen nachgetrauert und befürchtet, in der Steinfurter Behörde sei „nichts los“.

Dazu muss man wissen: Als Mitglied eines Sonderkommandos, SEK, in den 1970er Jahren war Unterberg lange an vorderster Polizei-Front aktiv – eine „geile Zeit“, wie er sich erinnerte, auch weil er im SEK seine Schießbegeisterung voll ausleben konnte; als Sportschütze hat Unterberg zahlreiche Erfolge errungen. Dass in der Kreispolizeibehörde Steinfurt dann doch mehr los war als gedacht – 40 000 Einsätze pro Jahr, 27 000 Straftaten, 11 000 Verkehrsunfälle – habe er schnell gemerkt, meinte Unterberg. Am faszinierendsten sei jedoch der große soziale Zusammenhalt in dieser Behörde. Wertschätzung sei dort gelebt worden, man stehe füreinander ein, es gebe viel Verständnis und Unterstützungsbereitschaft; „lohnenswert und bereichernd“ seien die vier Jahre in Steinfurt gewesen.

„Schade, dass der Chef schon geht, er war ein Guter“, zitierte Schöttler am Ende einen ungenannten Kollegen, Im Kern dasselbe, aber ausführlicher und in gewählteren Worten, hatten zuvor die vielen Freunde und Wegbegleiter das ebenfalls gesagt, allen voran Landrat Dr. Klaus Effing. Er bescheinigte Unterberg nicht nur „hohe fachliche Kompetenz“, sondern auch „menschliche Stärke“, Unterberg sei „eine ehrliche Haut“, „sehr geradeaus“ und ein Mensch, der jederzeit für die Sorgen und Nöte seiner Mitarbeiter ansprechbar sei. „Sie haben sich nie auf Ihrem Posten ausgeruht, sondern haben immer wieder neue Aufgaben übernommen, ob nun bei der Kreispolizeibehörde Essen, im Ministerium, bei der Höheren Landespolizeischule, im Landeskriminalamt, in mehreren Polizeipräsidien und nun zuletzt bei der Kreispolizeibehörde Steinfurt“, lenkte er den Blick auf Unterbergs Werdegang.

Bernd Heinen, Inspekteur der NRW-Polizei, erinnerte sich an gemeinsame Zeiten mit seinem „alten Freund Fritz“ und staunte immer noch, wie der es geschafft habe, im offiziellen e-Mail Verteiler den „Friedrich“ durch „Fritz“ ersetzt zu haben.

Dr. Peter Lüttmann sprach stellvertretend für alle Bürgermeister im Kreis seinen Dank für die gute Zusammenarbeit mit den Kommunen aus, Gisela Lang als Vertreterin des Polizeibeirats reimte einige nette Verse und Klaus Büscher, Vorsitzender des Personalrats Polizei, und Polizeipfarrer Erich Elpers komplettierten den Reigen der Grußworte.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3737843?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F
Nachrichten-Ticker