Kooperation ja, Fusion nein
Sparkassen rücken enger zusammen

Ibbenbüren/Kreis Steinfurt -

Stärkere Kooperation ja, Fusion bis au weiteres nein: Die vier Sparkassen im Kreis Steinfurt rücken stärker zusammen, bleiben aber selbstständig. Erstmals verkündeten sie gestern aber eine gemeinsame Bilanz für 2015. Und die fällt gut aus: Die Bilanzsumme kletterte um 4,7 Prozent auf 6,22 Milliarden Euro und auch andere Kennziffern fielen ausgesprochen gut aus.

Freitag, 05.02.2016, 17:13 Uhr
Vier Sparkassen, eine Einschätzung:  „Gut“ sei das vergangene Geschäftsjahr verlaufen, befanden (v.l.) Dr. Peter Eckhardt (Emsdetten/Ochtrup), Rainer Langkamp (Kreissparkasse) , Thomas Prochmann (Rheine) und Achim Glörfeld (Lengerich). Die Grafik rechts zeigt einige ausgewählte Kennziffern zur Sparkassengruppe im Kreis Steinfurt.
Vier Sparkassen, eine Einschätzung:  „Gut“ sei das vergangene Geschäftsjahr verlaufen, befanden (v.l.) Dr. Peter Eckhardt (Emsdetten/Ochtrup), Rainer Langkamp (Kreissparkasse) , Thomas Prochmann (Rheine) und Achim Glörfeld (Lengerich). Die Grafik rechts zeigt einige ausgewählte Kennziffern zur Sparkassengruppe im Kreis Steinfurt. Foto: Achim Giersberg

Die Sparkassen im Kreis Steinfurt wollen künftig noch enger zusammenarbeiten. So soll das Kreditgeschäft „deutlich offensiver“ gemeinsam betrieben werden, ebenso das internationale Geschäft. Auch in den Bereichen Personal und Immobilien werde es eine stärkere Kooperation geben, kündigten die vier Vorstandsvorsitzenden gestern bei einer gemeinsamen Bilanz-Pressekonferenz in Ibbenbüren an. Eine Fusion schlossen Rainer Langkamp (Kreissparkasse Steinfurt), Dr. Peter Eckhardt (Verbundsparkasse Emsdetten/Ochtrup), Thomas Prochmann (Sparkasse Rheine) und Achim Glörfeld (Stadtsparkassse Lengerich) jedoch für die nächsten Jahre kategorisch aus. Dass die vier Sparkassen im Kreis dabei aus einer Position der Stärke agieren, zeigten die addierten Bilanzzahlen.

So stieg die gemeinsame Bilanzsumme um 4,7 Prozent auf 6,22 Milliarden Euro; das Kundengeschäftsvolumen kletterte um 5,5 Prozent auf 9,73 Mrd. Euro und das Kreditvolumen wuchs um 3,8 Prozent auf 4,5 Mrd. Euro. Bei den Kundeneinlagen freuten sich die vier Institute über ein Plus von 8,1 Prozent auf 4,1 Mrd. Euro (Langkamp: „Mehr als ungewöhnlich“). Spenden (1,7 Mio. Euro) und Sponsoring (700 000 Euro) bewegten sch ungefähr auf Vorjahresniveau.

Trotz des „guten und zufriedenstellenden Geschäftsjahrs“, wie Langkamp 2015 charakterisierte, wollte der Kreissparkassen-Chef nicht verhehlen, dass die anhaltenden Niedrigzinsen auch den Sparkassen zusetzten: „Das fordert uns heraus und übt einen erheblichen Druck auf die Ertragslage aus“, sagte Langkamp. Konkrete Zahlen zum Gewinn der Sparkassengruppe im Kreis könne er zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber noch nicht nennen. Kostenreduzierung, Erhöhung der Produktivität und Verbesserung der Erträge seien aber die Strategie der Stunde, meinte Langkamp, denn: „Die Ertragssituation in den nächsten Jahren wird nur eine Richtung kennen, nach Süden“. Die jüngst erfolgten Preiserhöhungen für Sparkassen-Dienstleistungen seien von der Kundschaft zum ganz überwiegenden Teil akzeptiert worden.

Von einer „guten Stimmung“ in der heimischen Wirtschaft berichtete Dr. Peter Eckhardt. 8,3 Mrd.. Umsatz hätten die Unternehmen im Kreis im vergangenen Jahr gemacht, die Exportquote betrage 40 Prozent. Vor allem kleinere Handwerksbetriebe verfügten aber über zu wenig Eigenkapital, während andere Unternehmen auf hohe Liquiditätsreserven zurückgreifen könnten. Diese würden aber nur selten für Investitionen genutzt, was eine „gewisse Zukunftsvorsicht“ ausdrücke. Neulich habe ein Firme-Kunde ihm 30 Millionen Euro „auf den Tisch gelegt“ und gefragt „Was machen wir damit?“ Das sei „ein Problem und eine wirkliche Herausforderung.“ Negativzinsen seien derzeit aber noch kein Thema: „Das wäre ein völlig neues Erlebnis“.

Nach wie vor beflügelten die Niedrigzinsen den Immobilienmarkt im Kreis, sagte Achim Glörfeld. Die Nachfrage sei größer als das Angebot. 465,9 Mio. Euro sagten die Sparkassen im Kreis als Hypothekendarlehn an Privatpersonen (+35,7 Prozent) zu. Von einer Spekulationsblase könne man im ländlichen Raum aber nicht sprechen betonte Glörfeld; in Großstädten sehe das zum Teil anders aus. Lebensversicherungen (+ 24,7 Prozent) und Sachversicherungen (+8,6 Prozent) spielten weiter eine wichtige Rolle bei der Altersvorsorge.

Auf die zunehmende Bedeutung der Digitalisierung im Bankengeschäft ging schließlich Thomas Prochman ein. Ziel sei, die „Multikanal-Services“ auszubauen – die Sparkassen müssten „immer und überall und auf allen Kanälen“ erreichbar sein. Dem paydirekt-Verfahren der Sparkassen als paypal-Alternative und der Sparkassenapp komme dabei eine zentrale Rolle zu. Weiter gestiegen sei die Zahl der Online-Banking-Nutzer (+10,3 Prozent auf 123 456). Auch das neue elektronische Postfach werde gut genutzt (+163 Prozent auf 42 494).

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