Nisthilfe bleibt am St.-Nikomedes-Turm 
Wanderfalken erhitzen die Gemüter

Borghorst -

Naturschützer wollen dem streng geschützten Vogel das Nisten erleichtern, Taubenzüchter sehen ihre Tiere gefährdet: Der Wanderfalke am Borghorster Kirchturm ist geliebt und gehasst. Vor wenigen Wochen war das Weibchen tot auf dem Gelege gefunden worden. Ob es vergiftet wurde, steht noch nicht fest.

Donnerstag, 26.05.2016, 06:00 Uhr
Schneller Jäger: Der Wanderfalke war durch illegale Verfolgung und Pestizid-Einsatz 1970 in NRW ausgestorben. Schutzprogramme haben den Bestand gesichert. Heute steht er zwar nicht mehr auf der Roten Liste, ist aber streng geschützt.
Schneller Jäger: Der Wanderfalke war durch illegale Verfolgung und Pestizid-Einsatz 1970 in NRW ausgestorben. Schutzprogramme haben den Bestand gesichert. Heute steht er zwar nicht mehr auf der Roten Liste, ist aber streng geschützt. Foto: Axel Roll

Die Nisthilfe für Wanderfalken am St.-Nikomedes-Kirchturm bleibt erhalten. Das hat der Kirchenvorstand in seiner jüngsten Sitzung entschieden. Sie wollten nicht „Schiedsrichter“ sein, das Entfernen einer Nisthilfe für die bedrohten Wanderfalken werde jedoch „strafrechtlich verfolgt“, teilen die Mitglieder in einer Stellungnahme mit. „Wir sehen keine andere Möglichkeit, als die Nisthilfe zu belassen.“

Wie berichtet, war vor wenigen Wochen das Wanderfalken-Weibchen tot auf dem Gelege gefunden worden, seine vier Eier blieben unausgebrütet. Zudem hatten sich Borghorster Brieftaubenzüchter an die Pfarrei St. Nikomedes gewandt und darum gebeten, die Nisthilfe zu entfernen. Warum? Das erklärt Helmut Berning . Der passionierte Taubenzüchter aus Nordwalde hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und die Borghorster Züchterkollegen bei ihrem Anliegen unterstützt. Aus Sicht von Berning gehört der Wanderfalke nicht in die Stadt.Denn dort kollidiere sein Jagdgebiet mit dem Lebensraum der Menschen und ihrer Tiere – nicht nur Tauben, sondern auch Geflügel sei gefährdet. „Auch wir wollen unsere Tiere schützen“, sagt Berning. Und zur artgerechten Haltung der Tauben gehöre es, sie jeden Tag fliegen zu lassen. „Wenn ein Falke in einen Pulk von 20 Tieren schlägt, tötet er eine Taube. Aber die restlichen 19 sind so verstört, dass sie bis zur totalen Erschöpfung weit weg fliegen“, sagt Berning. Dadurch verliere der Züchter oft mehrere Tiere, die zum Teil auch von großem Wert seien. Seit die Nisthilfe vor wenigen Jahren am Nikomedes-Turm angebracht wurde, hätten die Züchter in Borghorst „deutlich spürbare Verluste“ hinnehmen müssen. Zudem, so Berning, sei das Schutzziel für den Falken längst erreicht, die Population könne sich heute selbst regeln. Der Naturschutzbund ( NABU ) habe mit der Ansiedlung der Falken in den Städten „die übrige Vogelwelt aus den Augen verloren“.

Dem widerspricht Hubert Große Lengerich, der die Falken für den NABU betreut, vehement. Der NABU kümmere sich um viele Arten und der Falke sei weiterhin stark bedroht. „Die Natur hat auch Rechte und diese werden von uns Menschen extrem eingeschränkt“, so Große Lengerich. Der NABU habe den Falken nicht in den Städten angesiedelt. Die Tiere „fliegen dorthin, wo sie gute Bedingungen vorfinden. Wir optimieren die Nistplätze nur, damit die Tiere nicht in der Dachrinne brüten.“ In Borghorst sei der Falke schon da gewesen, bevor die Nisthilfe angebracht worden sei. Deshalb wäre es mit einer Entfernung des Kastens von St. Nikomedes ohnehin nicht getan gewesen, betont Große Lengerich. Die Tiere würden sich an diesem Standort eine andere Nistmöglichkeit suchen.

Die Borghorster Züchter hätten sich sehr gefreut, wenn die Nisthilfe entfernt worden wäre, sagt Berning. Nun hoffe man auf ein Eingreifen der Politik, entsprechende Forderungen von Brieftauben- und Geflügelzuchtverbänden auf Bundesebene, den Falken nicht mehr unter Schutz zu stellen, lägen vor.

Im Raum steht weiterhin, dass das Borghorster Weibchen vergiftet wurde, die Ergebnisse der toxikologischen Untersuchung stehen aber noch aus. Inzwischen erlebten es die Naturschützer häufiger, „dass aggressiv gegen die Raubvögel vorgegangen wird“, sagt Große Lengerich. Für Borghorst hofft er, „dass das in den nächsten Jahren gut geht“. Freuen würde es die Naturschützer, wenn die Bevölkerung Anteil an den Tieren nimmt und ein Auge auf sie hat.

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