Stiftskreuz-Prozess
Wie lange lag das Stiftskreuz in der Anwaltskanzlei?

Borghorst/Münster -

Ob der Verteidiger in dem zweiten Stiftskreuz-Prozess vor dem münsterischen Landgericht sein Mandat niederlegt, ist noch offen. Der Rechtsanwalt vertritt den mutmaßlichen Auftraggeber des Diebstahls. Der Kollege des Anwalts sagte am Donnerstagmorgen vor den Richtern der 3. Großen Strafkammer, „das Mandatsverhältnis ist in der Prüfung“. Wann die abgeschlossen ist, konnte der Co-Verteidiger nicht sagen.

Donnerstag, 06.04.2017, 16:40 Uhr aktualisiert: 06.04.2017, 17:33 Uhr
Stiftskreuz-Prozess  : Wie lange lag das Stiftskreuz in der Anwaltskanzlei?
Foto: Gunnar A. Pier

Gegen den Rechtsbeistand aus Bremen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Begünstigung. In der Kanzlei des Anwalts waren Mitte Februar die 100.000 Euro Lösegeld für das Stiftskreuz an einen unbekannten Mann übergeben worden. Wegen der staatsanwaltlichen Ermittlungen hatte der Jurist in der vergangenen Woche angekündigt, er werde vielleicht sein Mandat niederlegen, weil seine Integrität Schaden genommen habe.

Stiftskreuzdiebe: Kirchenschatz schon lange bei Anwalt

Bewahrheitet sich die Aussage eines der Stiftskreuzdiebe, dann lagerte der Kirchenschatz schon geraume Zeit bei dem Bremer Anwalt. Der Täter hatte gegenüber dem Ermittlungsrichter im Sommer des vergangenen Jahres behauptet, der mutmaßliche Auftraggeber des Diebstahls habe das Reliquiar seinem Verteidiger zur „Zwischenlagerung“ übergeben.

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Ermittlungsrichter aus Münster sagte als Zeuge aus

Der 47-jährige Ermittlungsrichter aus Münster, der sowohl die beiden Kreuzdiebe als auch den mutmaßlichen Anstifter im vergangenen Jahr vernommen hatte, saß am Donnerstag als Zeuge vor den Kollegen der 3. Großen Strafkammer. Ihm hatten die beiden bereits verurteilten Diebe auch erzählt, wie einfach es gewesen sei, den Kirchenschatz aus der Vitrine zu entwenden. „Darüber habe ich mich schon gewundert“, so der Richter.

Zeugenaussage: Angeklagter bei Vernehmung sehr aufgebracht

Er erinnerte sich ebenfalls noch genau an die Vernehmung des jetzigen Angeklagten. Der saß am 21. September in seinem Büro, kurz nach seiner Festnahme. Der 42-Jährige sei damals sehr aufgebracht gewesen, berichtete der Richter. Befragt nach seiner Arbeitsstelle, konnte der mutmaßliche Kopf des Bremer Familienclans den Namen der Firma nicht nennen. In seiner persönlichen Erklärung, die er zum Prozessbeginn verlesen ließ, hatte er gesagt, dass er weder lesen noch schreiben kann.

Zeitablauf

► 22. März 2008, Ostern: Das Stiftskreuz wird feierlich von der nicht zugänglichen Stiftskammer in die diebstahlgesicherte Vitrine in der Nikomedes­kirche überführt.

► 29. Oktober 2013: Um die Mittagszeit fahren drei Diebe vor, hebeln den Glastresor auf und stehlen das wertvolle Reliquiar. Sie flüchten in einem Mercedes mit Bremer Kennzeichen.

► 19. November 2013: Die Polizei hat die Namen der Verdächtigen ermittelt. Zuvor hatte das Bistum eine Belohnung von 50 000 Euro ausgesetzt, die Festnahme lässt aber noch über ein Jahr auf sich warten.

► 8. Juli 2015: Der Prozess gegen die drei Hauptverdächtigen wird vor dem münsterischen Landgericht eröffnet. Mitte Oktober das Urteil: Die drei Männer werden zu viereinhalb und fünf Jahren Haft verurteilt.

 ► 21. September 2016: Die Polizei nimmt in Bremen den mutmaßlichen Auftraggeber für den Stiftskreuzdiebstahl fest.

► 14. Februar 2017: Nach über einem Jahr Verhandlungen ist das Kreuz wieder da.

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