Vereinigte ohne Präsidenten
Schützen sind aktuell handlungsunfähig

Borghorst -

Schonungslose Selbstkritik, unzählige Solidaritätsbekundungen, zwei Sitzungsunterbrechungen, ein Beinahe-Kandidat – und trotzdem keinen Schritt weiter. Die Vereinigten Schützen Borghorst sind seit Mittwoch kopflos. 

Donnerstag, 01.06.2017, 16:01 Uhr aktualisiert: 01.06.2017, 17:53 Uhr
Betretene Gesichter bei den Vereinigten: Nach dem Rücktritt von Präsident Georg Hellmann (r.) ist die Dachorganisation der Schützen führungslos und damit handlungsunfähig.
Betretene Gesichter bei den Vereinigten: Nach dem Rücktritt von Präsident Georg Hellmann (r.) ist die Dachorganisation der Schützen führungslos und damit handlungsunfähig. Foto: Axel Roll

In der fast dreistündigen Jahreshauptversammlung in der Gaststätte Börger konnten die Vorsitzenden der Borghorster Schützenvereine keinen Nachfolger für Präsident Georg Hellmann wählen, der wie angekündigt bei der Sitzung sein Amt niedergelegt hatte. Damit ist der Super-GAU eingetreten: Da die Vereinigten seit einem Jahr schon ohne Vize auskommen müssen, ist die Dachorganisation der Borghorster Schützen handlungsunfähig, damit die karnevalistischen Großveranstaltungen wie Prunksitzung und Rosensonntagsumzug vor dem Aus.

Zeitweise sah es bei der Zusammenkunft so aus, als könnten die Vertreter der sieben Schützenvereine mit einem tiefen Kniefall den vor einem Jahr geschassten Vizepräsidenten Ernst Lackhütter zur Kandidatur überreden. Der nutzte die Gelegenheit zur Abrechnung und zur Aufarbeitung der Querelen von damals, sagte am Ende der Sitzung dann aber trotzdem nein. Damit musste Sitzungspräsident Winfried Krumme vertagen. In vier Wochen wollen die Schützen einen neuen Anlauf wagen.

Führungslosigkeit selbst verbockt

„Mir hat man damals den Stuhl vor die Tür gestellt für einen neuen Vize, der dann nie gewählt wurde“, übte Lackhütter harsche Kritik an den Vorsitzenden. Die hatten ihm vor einem Jahr nahegelegt, sein Amt als Vizepräsident niederzulegen, um Jüngeren Platz zu machen. Lackhütters Vorwurf: „Damit konnten wir den begonnenen Weg nicht zu Ende gehen.“ Schließlich habe er mit Präsident Georg Hellmann „den jüngsten Vorstand aller Zeiten aufgebaut“. Die jetzige Situation der Führungslosigkeit, so Lackhütter, „die haben die Vorsitzenden selbst verbockt“.

Die Angesprochenen zeigten sich reumütig. So entschuldigte sich der angesprochene Florian Kleymann von den Patrioten: „Wir haben einen Fehler gemacht. Wir hatten damals aber den Eindruck, als würde der Umbruch bei den Vereinigten nicht wirklich vollzogen.“ Direkt an Lackhütter gewandt sagte der Patrioten-Vorsitzende auch für seine Amtskollegen: „Wir stehen zu 100 Prozent hinter Dir für einen gemeinsamen Neuanfang.“ Auch Stefan Drerup als Chef der Dumter räumte ein: „Ich habe mit der damaligen Entscheidung die Folgen nicht gesehen.“ Und Kai Laukemper für die Prinzen appellierte an die Schützengemeinschaft: „Wir müssen näher zusammenrücken.“

Kritik am Führungsstil

Hatte Lackhütter die Vorsitzenden damit voll und ganz hinter sich, so gab es im Vorstand der Vereinigten Solidaritätslücken – auch wenn Christian Tönies nach einer Sitzungsunterbrechung betonte, dass im Falle einer Wahl von Ernst Lackhütter die Vereinigten nicht auseinander bröckeln würden. Zu Beginn der Diskussion hatte Schriftführer Reiner Bockholt allerdings deutliche Kritik am Führungsstil von Lackhütter geübt. Sein Fazit: „Wird Ernst gewählt, ist für mich heute Schluss.“ Das war aber nicht sein letztes Wort. Um den Weg für eine Wiederbesetzung des Präsidentenstuhles frei zu machen, zeigte sich Bockholt kompromissbereit: „Eine Wahlperiode mach‘ ich weiter.“ Ernst Lackhütter blieb aber dabei: „Ich mach es nicht.“

Im Angesicht der ernsten Lage blieben die guten Nachrichten des Abends im Hintergrund. Kassierer Ralf Winter präsentierte im ersten Jahr seiner Amtszeit ein Traumergebnis. Die Karnevalskasse wies einen nahezu zehnmal höheren Bestand als 2016 aus. Viele Einzelmaßnahmen wie ein neuer Brauereivertrag, die Karnevalspartys auf dem Neuen Markt und die Verlegung der Musikerbühne an die Theke bei der Prunksitzung trugen zu dem Einnahmenplus bei. Georg Hellmann bilanzierte: „Karneval macht nicht nur Spaß, er lässt sich auch wirtschaftlich vernünftig darstellen.“

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