T2-Oldie beim TÜV
Ein feuerroter Freudenspender

Steinfurt/Gronau -

Solch ein Schätzchen haben die TÜV-Prüfer der Station Steinfurt nur selten in der Prüfhalle: Nach dem er ihn im Web ersteigert hatte, führte jetzt Hermann Schmeing seinen 1979er-Bulli in Feuerwehrausführung zur Oldie-Abnahme vor. Der Gronauer T2-Liebhaber hat mit Wagen Besonderes vor.

Sonntag, 04.06.2017, 18:00 Uhr
TÜV-Ingenieure und Besitzer bei der Begutachtung des T2: (v.l.) Christoph Grötker (Leiter TÜV-Station Steinfurt), Hermann Schmeing (IG T2), Karsten Stegemann (TÜV-Prüfer) und Roland Kersten (IG T2).
TÜV-Ingenieure und Besitzer bei der Begutachtung des T2: (v.l.) Christoph Grötker (Leiter TÜV-Station Steinfurt), Hermann Schmeing (IG T2), Karsten Stegemann (TÜV-Prüfer) und Roland Kersten (IG T2). Foto: Ralph Schippers

Rost? Fehlanzeige. In glänzendem Lack steht er (fast) „jungfräulich“, so der O-Ton seines neuen Besitzers, auf dem Vorplatz der Steinfurter TÜV-Station: der knallrote VW Transporter T 2, im Volksmund Bulli genannt. Der propere Zustand des im Februar 1979 als „Sonder-Kfz Zivilschutz“ zugelassenen Fahrzeugs kommt nicht von ungefähr: Der Volkswagen tat seinen Dienst als Einsatzwagen für die Feuerwehr. Im Rhein-Sieg-Kreis, so geht aus den Papieren hervor, war das Gefährt über Dekaden im Einsatz. Wenn Autos sprechen könnten – manch spannende Geschichte könnten sie erzählen.

Für den T 2, der als einer der letzten seiner Baureihe als Sonderedition vom Band in Hannover lief, beginnt nun ein neuer „Lebens“-Abschnitt: Hermann Schmeing hat ihn über eine öffentliche Internetbörse des Bundes ersteigert. Der 62-jährige Gronauer ist Mitglied der „Interessengemeinschaft T 2 – Freunde des VW-Busses“ (IG T 2) und hat mit seiner Neuerwerbung viel vor. „Der Wagen soll als Präsentierfahrzeug künftig zu Oldtimertreffen fahren“, kündigt Schmeing an.

Voraussetzung der Zulassung als Oldtimer

Die begehrte H-Zulassung, die mit einem pauschalen Steuersatz von 191 Euro pro Jahr verbunden ist, erhalten nur solche Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre alt sind. Zudem muss eine spezielle Abnahme erfolgen. Geprüft wird insbesondere, ob der Wagen in einem „erhaltenswürdigen Zustand ist, um ihn als kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut“ einstufen zu können. Kleinere Mängel und Gebrauchsspuren sind kein Problem, allerdings muss er voll fahrbereit sein. Zudem muss die Originalität des Fahrzeugs gewährleistet sein. Das Erscheinungsbild muss dem des Auslieferungszustands entsprechen, auch muss die Farbe zeitgenössisch sein. Im Zweifelsfall sollte vor der Abnahme Rücksprache mit der Prüforganisation gehalten werden.

rs

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Aber nicht nur das. Schmeing ist wie Roland Kersten aus Ochtrup, der ihn an diesem Tag begleitet, auch Mitglied der Gemeinschaftsinitiative „Bullis bringen Freude“ und beteiligt sich an Benefiz-Projekten. Schon an diesem Wochenende stand für den Feuerwehrbulli der erste Einsatz in neuer Mission an: „Wir wollen mit ihm nach Frankfurt zu einem Tag der offenen Tür einer Schule für Körperbehinderte“, erzählt Kersten. Für ihn und Schmeing ist klar: Bullis sind gut für die Menschenseele. Immer wieder erlebten sie bei Ausfahrten, wie positiv Menschen auf den Wagen reagieren. „Die Leute winken uns zu, lachen, machen Fotos mit dem Handy“, berichteten die beiden. So soll es auch mit der Neuerwerbung sein, die pünktlich zum Jubiläum gelungen ist: Im August vor 50 Jahren lief der erste Bulli vom Band.

Zuvor aber benötigt der T 2 noch die Zulassung als Oldtimer. TÜV-Prüfer Karsten Stegemann führt die Untersuchung durch. Wie auch für seinen Chef Christoph Grötker, der mit in der Fahrzeughalle steht, ist solch ein Oldtimer ein seltener Gast – zumal in Feuerwehr-Ausführung. Der Wagen sei in einem technisch sehr guten Zustand, wenngleich einige Kleinigkeiten noch zu erledigen seien, fällt das Begutachtungsurteil positiv aus. Die beiden TÜV-Ingenieure beobachten derzeit einen Boom bei Fahrzeugen mit einer so genannten H-Zulassung (siehe Kasten).

Für Schmeing ist die Neuerwerbung nicht die erste ihrer Art. Insgesamt vier Bullis des Typs T 2, darunter ein auffälliger Flower-Power-Bus, nennt er sein eigen. Für den Gronauer ist diese Baureihe das Nonplusultra. „Es ist unter den Bullis das best ausgereifte und revolutionärste Modell.“ Und er ist noch einigermaßen günstig zu bekommen: Für gut erhaltene Exemplare des Urmodells hingegen müssen Liebhaber schon mehrere zehntausend Euro hinblättern.

Sein aktueller Bulli sei auch nicht ganz billig gewesen, sagt Schmeing. Er habe ihn ohne vorherige Besichtigung gekauft – nur aufgrund der Beschreibung. Original hat der „T 2B“, wie er unter Kennern bekannt ist, nur 49 000 Kilometer gelaufen. „Da konnte ich nicht viel falsch machen“, sagt Schmeing und lacht, während Prüfer Stegemann den Boxer-Motor anlässt, um den Oldtimer aus der Halle zu fahren. Anstandslos springt das Aggregat mit seinem so typischen Klang an. Musik in den Ohren der Fans des – neben dem Käfer – kultigsten aller VW-Fahrzeuge.

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