Kevin Smith und Fabian Querl
Auf der Jagd nach dem nächsten Gewitter

Steinfurt -

Tornados, Windhosen, Gewitter – was einigen Menschen Angst einjagt, löst bei Kevin Smith und Fabian Querl Begeisterung aus. Die beiden Wetter-Enthusiasten jagen Gewittern hinterher, machen Fotos und Videos und posten diese anschließend im Internet.

Montag, 17.07.2017, 15:12 Uhr aktualisiert: 17.07.2017, 17:04 Uhr
Motor läuft, Wetter-App ist geladen: Kevin Smith (r.) und Fabian Querl sind auf dem Sprung.
Motor läuft, Wetter-App ist geladen: Kevin Smith (r.) und Fabian Querl sind auf dem Sprung. Foto: Schippers

Tornados im Münsterland? Kevin Smith und Fabian Querl grinsen ein wenig verschmitzt. Der 28-jährige Burgsteinfurter und sein sechs Jahre älterer Compagnon aus Borghorst wissen, dass Wirbelstürme, wie man sie aus Fernsehberichten aus den USA kennt, in jener Intensität und Häufigkeit in unseren Breiten eher nicht vorkommen. „Aber so eine Windhose über freiem Feld, das hätte schon was“, sagt Querl.

Die beiden jungen Männer betreiben ein Hobby, das ziemlich abgefahren ist. Ist ein Gewitter im Anmarsch – und das soll gerade im Hochsommer ja öfter vorkommen – setzen sich der Elektriker im Maschinenbau und der Garten- und Landschaftsbauer mit einem Laptop mit installierter Wetter-App bewaffnet gemeinsam ins Auto und jagen den Zellen hinterher. Immer nah dran am Geschehen ist ihre Devise – gerade so wie die Vorbilder im mittleren Westen der Vereinigten Staaten, nur vielleicht nicht ganz so spektakulär.

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Sind sie nah genug dran an der Wetterküche, werden Fotos gemacht, Videos gedreht und es wird gepostet. Plattform ist die Wetterseite „ Wettergeschehen Kreis Steinfurt und Umgebung “, die Smith ziemlich genau vor einem Jahr, damals noch in abgespeckter Form nur auf Steinfurt selbst bezogen, auf Facebook ins Leben gerufen hat. Bescheiden gestartet, erfreut sich das Portal mittlerweile einer hohen Beliebtheit. „Wir haben inzwischen mehr als 6500 User, die uns abonniert haben“, berichtet Administrator Smith nicht ohne Stolz.

Seit Anfang des Jahres greift ihm Fabian Querl bei Wetter-Einsätzen unter die Arme. Der Borghorster und der Burgsteinfurter sind seitdem ein eingeschworenes Wetter-Team. „Es geht darum, mit der Plattform auch im Ernstfall einen schnellen Informationsaustausch zu ermöglichen“, berichtet Smith. Bei schweren Unwettern mit Überschwemmungen könne über das Portal auch Hilfe organisiert werden. „Ich denke, dass die Seite gut geeignet ist, ein Netzwerk zu bilden, das nicht nur gut funktioniert, sondern auch präventiv wirkt.“ Und wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, könne es dazu beitragen, die Folgen zu mildern.

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Ebenso wie Smith ist auch Querl schon seit frühester Jugend ein Wetter-Enthusiast. Er hat ein großes Vorbild, seinen Cousin. Der lebt im schon erwähnten mittleren Westen der USA und ist, das liegt nun nahe, ein Jäger echter Tornados. „Mit ihm bin ich regelmäßig in Kontakt. Was er berichtet, ist höchst spannend“, meint der kleinere Brötchen backende Vetter aus Deutschland.

Für ihre Leidenschaft investieren die beiden Wetterfrösche viel Zeit. Als die Gewitterneigung während der Hitzetage im Juni hoch war, seien sie den Hotspots auch schon mal zehn Stunden am Stück nachgefahren, berichtet Smith. Ein Urlaubstag sei so drauf gegangen. Mitunter gelingen so spektakuläre Aufnahmen und Videos. So wie bei Sturmtief Egon, das im Januar mit viel Schnee beladen über Steinfurt kreiste. „Es ist manchmal so, dass wir in heftige Gewitterschauer mit Hagel hineingeraten und wenige Meter weiter es absolut trocken geblieben ist“, beschreibt Querl die Faszination des Wetterjagens.

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Dass sie mit ihrem Steckenpferd nicht alleine sind, beweist zum einen das stetig wachsende Interesse an ihrer Facebook-Seite, aber auch die Tatsache, dass es im Umland weitere Betreiber ganz ähnlicher Plattformen gibt. „Die sind, wie wir erfahren haben, ziemlich überrascht von unseren Erfolg und versuchen, ihre Pfründe zu sichern“, sagt Smith. Hintergrund: Ab und an verfolgen die Steinfurter Wetterfrösche das Geschehen am Himmel auch über die Orte des Kreises selbst hinaus. Das hat durchaus seinen Grund. „Wir haben mittlerweile Interessenten von außerhalb des Kreises“, berichtet der Burgsteinfurter. Sogar aus den Niederlanden habe es Anfragen gegeben.

Indes: Für Smith und seinen Mitstreiter gibt es Grenzen. Schon jetzt ist der Aufwand für das Hobby ziemlich groß. In der Regel wird mehrfach am Tag gepostet. Zudem müssen Kommentare überwacht und geprüft werden. Als ausbaufähig beschreibt der 28-Jährige jedoch noch das technisches Equipment. „Wir wollen eine stationäre Wetterzentrale mit mehreren Bildschirmen aufbauen“, erläutert Smith die Zielrichtung. Vielleicht gibt es ja den einen oder anderen Sponsoren, der ihm dabei unter die Arme greift, hofft der Initiator von „Wettergeschehen Kreis Steinfurt und Umgebung“ auf Unterstützung. Und vielleicht kommt ihm und seinem Kollegen Querl ja doch noch mal besagte ausgewachsene Windhose auf freiem Feld vor die Kamera. . .

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