Golflehrer Armando Furtado
Bis die Hände blutig waren

Steinfurt -

Überredet? Nein, überredet hat Armando Furtado noch nie jemanden. „Ich sage höchstens: Komm‘ doch mal vorbei“, sagt der Golftrainer und legt die Hände unschuldig auf seine Brust. Er jagt seit über 40 Jahren dem kleinen weißen Ball hinterher und weiß es deshalb zu genau: Er muss gar nicht viel sagen. Wer einmal den Schläger in die Hand genommen hat, der lässt ihn meistens nie wieder los. . .

Donnerstag, 20.07.2017, 14:06 Uhr aktualisiert: 20.07.2017, 20:14 Uhr
Über 40 Jahre spielt Armando Furtado schon Golf. Seit drei Jahren ist er Trainer im Golfclub Münsterland.
Über 40 Jahre spielt Armando Furtado schon Golf. Seit drei Jahren ist er Trainer im Golfclub Münsterland. Foto: Axel Roll

Mike Tyson, Ronaldo, José Mourinho, Karl Albrecht oder Maradona – der 55-jährige Portugiese hat schon vielen Prominenten das Golfspielen beigebracht. Seit drei Jahren hat die Promi-Dichte in seiner Golfschule deutlich abgenommen. Trotzdem: „Ich bin in Burgsteinfurt einfach nur glücklich.“ Das Leben aus dem Koffer – vorbei. „Endlich kann ich das ganze Jahr bei meiner Familie sein.“ Viele Jahre sah er sie nur im Winter. In der meisten Zeit des Jahres war Furtado auf den Golfplätzen dieser Welt unterwegs. Erst als Profi-Spieler, später als Trainer.

„Ich habe in meinem Leben bislang viel Glück gehabt“, ist sich der Professional sicher. „Allerdings habe ich auch viel gearbeitet.“ Unter die Rubrik Glück fällt erst einmal das Talent, das seine Gönner früh bei ihm entdeckten. „Dann habe ich immer zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Leute kennengelernt.“ Und schließlich war sich der Portugiese nie zu schade, alles für seine Karriere zu geben.

Mit zehn stand Klein-Ar­mando das erste Mal auf dem Golfplatz. Nicht als Spieler. „Das hätte sich meine Familie gar nicht leisten können.“ Furtado wuchs in dem kleinen Ort Loule an der Algarve auf. Der Vater hatte an dem Golfplatz in der Nachbarschaft („Über Ziegenwege war der keine zwei Kilometer entfernt“) mitgearbeitet. So erhielt Armando Furtado bald das Angebot: „Komm vorbei, Du kannst Dir als Caddy ein bisschen nebenbei verdienen.“ Gesagt, getan. Der kleine Junge verdiente sich mit Schleppen der Bags der Clubmitglieder sein eigenes Taschengeld. Bald hatte die Sucht auch ihn gepackt. „Ich stand jede freie Minute auf der Driving Range zum Üben“, erinnert sich der Trainier. „Bis die Hände blutig waren.“ Selbst am Strand schlug er mit seinen Freunden um die Wette auf Golfbälle ein. „Auf den Platz durfte ich damals noch nicht“, so der 55-Jährige.

Als dann aber ein Engländer zufällig das Talent des jungen Portugiesen entdeckte, kam der entscheidende Schritt Richtung Profi-Laufbahn. Armando ging nach Canterbury in ein Golf-Internat. Mit 18 wurde er Profi und kehrte zurück in seine Heimat, wo er als Trainer sein erstes Geld verdiente. Die weltweiten Turniere machten Furtado zum Globetrotter. „Immer mit Golfbag und Koffer unterwegs. Das war eine harte Zeit.“ Erst als die ersten Sponsoren den Jung-Profi unterstützten, „konnte ich gut leben“, blickt der 55-Jährige auf turbulente Jahre zurück.

Turniere spielt er schon länger nicht mehr. Nach vielen Stationen als Golftrainer kann er sich mittlerweile gut vorstellen, im Bagno alt zu werden. „Jeden Abend im eigenen Bett zu schlafen, ist ein ungeheurer Luxus“, schmunzelt der Portugiese.

Zumal der Neun-Loch-Platz für den Kenner ein ganz besonderer ist: „Angelegt wie ein schottischer Platz sind die Bahnen sehr schmal. Toll ist der alte Baumbestand. Und als Spieler musst du eine gute Strategie haben. Wichtig ist nicht die Weite Deiner Schläge. Du musst Dir genau überlegen, wo Dein Ball für den zweiten Schlag liegen soll.“

Wenn Armando Furtado einmal selbst eine Runde spielt, dann nie alleine. „Alleine ist langweilig.“ Viel Zeit zum Spielen bleibt ihm in Burgsteinfurt nicht. Schließlich ist sein erster Job der eines Trainers – der ihm nach wie vor sehr viel Freude macht, wie er betont. „Es macht mir unheimlich viel Spaß, wenn ich mit meiner Erfahrung anderen Spielern helfen kann.“

Dabei geht es dem Pro nicht nur um die Technik. „Golf ist auch ein Kopf-Sport“, betont er. Und auch da ist er wohl den meisten seiner Schüler überlegen: „Auch wenn ich mal schlecht spiele, bin ich meistens zufrieden. Ich weiß ja, dass ich es eigentlich sehr viel besser kann.“

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