Do., 31.08.2017

Kieferngrundsee Lärm, Feuer, Müll

Halteverbotsschilder sollen verhindern, dass der Kieferngrundsee zu stark von Erholungssuchenden belastet wird. Beim Vor-Ort-Termin schilderten Anlieger und Behördenvertreter die Situation (kl. Bild).

Halteverbotsschilder sollen verhindern, dass der Kieferngrundsee zu stark von Erholungssuchenden belastet wird. Beim Vor-Ort-Termin schilderten Anlieger und Behördenvertreter die Situation (kl. Bild). Foto: s

Burgsteinfurt - 

Kinder toben im Wasser, Sonnenanbeter liegen am Strand, irgendwo am Waldrand steigt Rauch von einem Grillfeuer auf – es ist rappelvoll an diesem Nachmittag am Kieferngrundsee. Kein Wunder: Das Thermometer zeigt an die 30 Grad und es ist der letzte Sommerferientag. Badeidylle pur also am schön gelegenen Gewässer in der Bauerschaft Sellen? Weit gefehlt.

Von Ralph Schippers

Kinder toben im Wasser, Sonnenanbeter liegen am Strand, irgendwo am Waldrand steigt Rauch von einem Grillfeuer auf – es ist rappelvoll an diesem Nachmittag am Kieferngrundsee. Kein Wunder: Das Thermometer zeigt an die 30 Grad, und es ist der letzte Sommerferientag. Badeidylle pur also am schön gelegenen Gewässer in der Bauerschaft Sellen? Weit gefehlt.

„Die Grenze ist erreicht, so geht es nicht weiter“, sagt Jan-Dirk Hubbert. Der zuständige Revierförster des Landesbetriebs Wald und Holz weiß: Der Kieferngrundsee ist ein schützenswertes Biotop, das indes über Gebühr von Erholungssuchenden belastet wird. Was dem Waldhüter im Besonderen ein Dorn im Auge ist: Regelmäßig werden am See Feuer entgegen den gesetzlichen Bestimmungen entfacht. „Die Waldbrandgefahr ist gerade in den Sommermonaten extrem hoch“, schüttelt Hubbert mit dem Kopf. Mehr als 100 Hektar groß ist der Kiefernbestand, der rund um das Gewässer steht. „Bislang ist es immer gut gegangen und ein Großbrand ist nicht ausgebrochen, aber eine Unaufmerksamkeit genügt und es könnte passieren“, warnt der Revierförster.

Eine Einschätzung, die Sven Kauling von der Feuerwehr Steinfurt uneingeschränkt teilt. „Wir hatten schon mehrere Einsätze hier am Kieferngrundsee. Man kann von Glück sprechen, dass nichts Schlimmeres passiert ist“, so Kauling, der im Löschzug Burgsteinfurt für den vorbeugenden Brandschutz zuständig ist.

Als zunehmend belastend empfinden auch die Anwohner die Situation am See. Johann Floer, einer von drei Grundeigentümern, wohnt mit seiner Familie nur 300 Meter Luftlinie entfernt von dem beliebten Badegewässer. Er empfindet die Nutzung des Geländes durch Camper als zunehmendes Problem. „Die bauen dort große Musikanlagen auf und feiern bis ultimo“, gibt er seine Eindrücke vor allem von Sommerwochenenden wieder. Gerne wird der See auch als Kulisse für Partys genutzt. Von der Geburtstagssause bis zum Junggesellenabschied – alles ganz normal am See. Wenn der Ansturm bei schönem Wetter besonders groß ist, komme er sowie die weiteren Landwirte der Umgebung nicht mehr mit Erntemaschinen durch, weil die Wirtschaftswege von den Badenden zugeparkt werden.

Rainer Gremplinski und Manfred Sontag vom Angelsportverein Burgsteinfurt sprechen ein weiteres Problem an, das Überhand nimmt: Müll. Ehrenamtlich sammeln die Petrijünger, die das Gewässer seit den 1970er-Jahren als Angelsee gepachtet haben, immer wieder den hinterlassenden Unrat ein. Aber auch sie stoßen an Grenzen.

All diese Entwicklungen haben jetzt dazu geführt, dass von behördlicher Seite restriktive Maßnahmen getroffen worden sind. „Seit rund vier Wochen stehen an den beiden am See entlang führenden Straßen beidseitig durchgehend Halteverbotsschilder“, erklärt Johannes Schencking.

Der Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts hatte im Frühsommer die Initiative ergriffen, nachdem Beschwerden im Rathaus eingegangen waren, und die Beteiligten zu Vor-Ort-Treffen eingeladen. Gemeinsam wurde nach Lösungen gesucht, um die Situation zu entschärfen.

Die Aufstellung der Verbotsschilder verfehlte ihre Wirkung zunächst nicht. Dass dies aber auch größtenteils wohl auf das wenig sommerliche Wetter zurückzuführen war, zeigte sich am Tag des Pressetermins. Zahlreiche Badende setzten sich über das Verbot hinweg. Mit Folgen. „Wir haben mehr als 25 Verwarnungen ausgestellt“, berichtet Fred Deitert von der Polizei Steinfurt. Zehn Euro beträgt das Verwarnungsgeld.

Wer Feuer macht und sich dabei erwischen lässt, dem drohen weit höhere Bußgelder, macht Revierförster Hubbert deutlich. In den kommenden Wochen sollen weitere Hinweisschilder aufgestellt werden, die über die Gefahren aufklären.

Die Beteiligten betonen, dass sie die Erholungssuchenden nicht vertreiben wollen. „Die Eigentümer des Sees dulden das Baden grundsätzlich“, sagt Johannes Schencking. Aber es müssten auch Grenzen eingehalten werden. Und die seien zuletzt überschritten worden. Die weitere Entwicklung soll nun abgewartet werden. Spitze sich die Situation wieder zu, bleibe auf Dauer keine andere Wahl, als das gesamte Areal einzuzäunen und damit unzugänglich zu machen.



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