Familienmitglieder wollen endlich Ruhe
Familienfehde in drei Gerichts-Akten

Rheine/Steinfurt -

Eine Familienfehde zwischen zwei Familien aus Borghorst und Neuenkirchen eskalierte am 28. August 2013 in Neuenkirchen. Der 35-jährige Borghorster wollte angeblich die Familienehre retten, als er sich am Anglersee versteckte und gemeinsam mit einem Mann aus Neuenkirchen einen damals 21-jährigen BWL-Studenten aus Wuppertal überfiel und brutal auf ihn einschlug.

Samstag, 09.09.2017, 09:00 Uhr

Anschließend rief er selbst die Polizei und beschuldigte den Studenten, ihn und seinen Kollegen angegriffen zu haben. Es kam daraufhin zu einem Verfahren in Wuppertal gegen den Studenten, bei dem der Angeklagte mit einem Video die wahren Täter nachweisen konnte. Er wurde frei gesprochen, blieb aber auf anteiligen Verteidigungskosten in Höhe von 800 Euro sitzen, die er dem Steinfurter in dessen Verhandlung in Rheine am 2. August 2016 übergab.

Der Student soll ein Verhältnis mit der Schwester des Borghorsters gehabt haben, was zu den Streitigkeiten geführt habe. Trotz gravierender Vorgänge wurde das Verfahren damals gegen den 35-Jährigen aus Borghorst beim Schöffengericht in Rheine mit einer Arbeitsauflage von 240 Stunden eingestellt, weil die Familie des Studenten darum gebeten hatte. Alle Familienmitglieder wollten nach eigenen Angaben endlich Ruhe haben.

Aber der 35-Jährige erfüllte seine Auflagen nicht. Deshalb wurde das Verfahren wieder aufgenommen und gestern neu beim Schöffengericht in Rheine verhandelt. Diesmal wurde der dreifache Familienvater zu neun Monaten mit Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung und falscher Verdächtigung verurteilt. Damit ging das Gericht deutlich über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus. Zudem legte das Gericht ihm auf, dem Studenten die Verteidigungskosten in Raten zu ersetzen und zusätzlich 80 Sozialstunden abzuleisten. „Das ist schlecht, weil meine Frau das vierte Kind erwartet und sich schonen soll.“ „Ihre Frau, aber nicht Sie“, hielt der Staatsanwalt ihm vor.

Er hatte allerdings „nur“ eine Geldstrafe beantragt, weil er den kulturellen Hintergrund nicht sicher bewerten konnte. „Da ist sicher etwas gewesen, was alle in Rage gebracht hat und hier nicht sicher aufgeklärt werden konnte“, begründete er den milden Antrag.

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