Schlägerei in Borghorster Kneipe
Opfer widerspricht sich selbst

Steinfurt -

Es war schon früher Morgen, alle Beteiligten hatten nach eigenen Aussagen ordentlich getrunken – entsprechend schwer war es für den Richter am Steinfurter Amtsgericht, genau nachzuverfolgen, was sich am 16. April vergangenen Jahres in der Kneipe in der Borghorster Innenstadt wirklich abgespielt hat.

Donnerstag, 14.09.2017, 15:28 Uhr

Fest steht nur: Ein 35-jähriger Burgsteinfurter wurde gegen 5.30 Uhr so schwer verletzt, dass er zunächst ins UKM Marienhospital und später zur stationären Behandlung in die Uniklinik Münster musste. Neben Rippenprellungen und einem Cut über dem Auge wurde seine Netzhaut so stark beschädigt, dass er sich einer Operation unterziehen musste.

„Der erste Schlag kam hundertprozentig von ihm“, wies der Geschädigte bei seiner Zeugenaussage auf den unweit neben ihm sitzenden Angeklagten S. – der die Attacke bestritt. In früheren Vernehmungen hatte der 35-Jährige jedoch erklärt, dass er nicht wisse, wer zuerst zugeschlagen und ihm die schwere Augenverletzung zugefügt habe – der angeklagte S. oder der ebenfalls angeklagte C., der gestern nicht vor Gericht erschienen war und sich angeblich wie ein weiterer Zeuge in sein Heimatland Italien abgesetzt haben soll.

Auch die anwesenden Zeugen konnten nicht viel zur Klärung des Vorfalls beitragen. „Das ging alles ganz schnell, innerhalb von Sekunden. Ich habe nicht gesehen, wer zuerst geschlagen hat“, sagte eine Zeugin.

Ihre ebenfalls in jener Nacht anwesende Freundin konnte nur ähnliches beisteuern: „Da war auf einmal ein Tumult, ich konnte nicht erkennen, wer wen zuerst geschlagen hat.“ Beide gaben an, lange unterwegs und erheblich angetrunken gewesen zu sein.

Die Situation ließ sich vor Gericht nur so weit rekonstruieren: Alle Beteiligten hatten an der Theke gesessen und sich unterhalten, ohne dass eine aggressive Stimmung geherrscht hätte.

Als der Geschädigte M. und die beiden Zeuginnen aufbrechen wollten, ist es wohl durch einen „nicht ganz jugendfreien Satz“ des Angeklagten S. zum Streit gekommen, bei dem M. die schweren Verletzungen erlitt.

Da aber gestern nicht mehr festzustellen war, welcher der beiden Angeklagten zugeschlagen hatte, regte der Richter an, das Verfahren einzustellen. Nach kurzer Absprache stimmten Staatsanwaltschaft und Nebenklage dem Vorschlag zu.

Gegen den gestern nicht erschienenen Angeklagten C. soll das Verfahren jetzt getrennt eingeleitet werden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5149907?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F
Nachrichten-Ticker