Auftakt mit Achtklässlern
Jeder kann die Welt verändern

An der Burgsteinfurter Realschule wurde gestern von Schülern und Gästen die Faire Woche der Stadt Steinfurt eingeläutet.

Freitag, 15.09.2017, 14:53 Uhr aktualisiert: 15.09.2017, 16:10 Uhr
Dr. Jean Gottfried Motombo kämpft gegen Kinderarbeit und die Ausbeutung in seinem Heimatland Kongo.
Dr. Jean Gottfried Motombo kämpft gegen Kinderarbeit und die Ausbeutung in seinem Heimatland Kongo. Foto: Bernd Schäfer

Wobei das mit der Woche gar nicht so richtig ist: Ganze zwei Wochen, nämlich bis zum 29. September, gibt es Aktionen, Vorträge, Infostände, Gottesdienste, einen Kinofilm und zum Abschluss eine Impro-Theateraufführung rund um das Motto „Fairer Handel schafft Perspektiven“.

„Wir freuen uns, dass wir in diesem Jahr den Ort für die Eröffnung stellen dürfen“, begrüßte Schulleiter Hans-Dieter Jürgens die geladenen Gäste und die Jahrgangsstufe acht seiner Schule, die sich im Physikkurs mit Problemen und Lösungsideen bei der Herstellung von Handys befasst hatte – und ihre Ergebnisse in einer Präsentation vorstellte.

Das Thema Handy war ganz bewusst gewählt, denn mit Dr. Jean Gottfried Motombo hatten die Organisatoren der Fairen Woche, die Ökumenische Eine-Welt-Gruppe und die Lenkungsgruppe, einen Mann eingeladen, der die verheerenden Auswirkungen des immer größer werdenden Hungers der Industrie nach seltenen Erden und Metallen wie Kobalt aus eigener Erfahrung kennt: In seinem Heimatland Kongo werden schon  Vierjährige wie Sklaven in den Minen ausgebeutet, um das für die Produktion von Akkus wichtige Element zu fördern. Für einen Stundenlohn von zehn Cent.

 Mit jedem gekauften Handy und jedem Laptop wird dieses System der Ausbeutung gestärkt. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, hat Dr. Motombo die Aktion „Faire Handys“ ins Leben gerufen, bei der ausgediente Geräte dem Recycling zugeführt werden. Damit werden nicht nur Ressourcen geschont, mit dem darüber eingenommenen Geld werden außerdem Projekte im Kongo, in Südafrika und auf den Philippinen unterstützt. „Wir haben die Möglichkeit, die Welt zu verändern, wenn wir uns engagieren“, forderte er die Schüler zum Einsatz auf.

In ihren Vorträgen wandten sich die Redner immer wieder auch direkt an die Schüler: „Der Klimaschutz wird später einmal eure zentrale Aufgabe sein“, sagte Hans-Dieter Jürgens mit dem Hinweis auf die aktuellen Zerstörungen durch den Hurrican „Irma“.

Der stellvertretende Bürgermeister Hans-Günter Hahn machte das am Beispiel einer Jeanshose für 7,99 Euro vom Discounter deutlich: Die Baumwolle müsse gepflanzt, gepflegt, geerntet, gesponnen, gewebt, gefärbt und genäht werden. Wie viel Lohn für jeden Arbeiter dabei übrig bleibt, könne sich ja jeder selbst vorstellen.

Uli Ahlke, der Leiter des Amts für Klimaschutz und Nachhaltigkeit beim Kreis Steinfurt, zeichnete den rasanten Anstieg des Ressourcenbedarfs in den vergangenen Jahren nach. Und regte an, ganz alltägliche Dinge zu hinterfragen. Etwa wo die Fußbälle im Sportverein herkommen. Oder woher die täglichen Lebensmittel stammen.

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