Theologe wirbt für Ökumene
Keine antikatholische Heldenfeier

Steinfurt -

500 Jahre Reformation: „Die Unterschiede evangelischer und katholischer Christen in theologischen Fragen sind heute marginal.“

Sonntag, 17.09.2017, 19:00 Uhr
Nikolaus Schneiders Vortrag mündete in der Kleinen Kirche in eine engagierte Diskussion, bei der die Annäherung zwischen beiden christlichen Kirchen Thema war.
Nikolaus Schneiders Vortrag mündete in der Kleinen Kirche in eine engagierte Diskussion, bei der die Annäherung zwischen beiden christlichen Kirchen Thema war. Foto: Rainer Nix

Im Luther-Jahr begrüßte Pfarrer Guido Meyer-Wirsching am Freitag einen ganz besonderen Gast in der Kleinen Evangelischen Kirche. Der Theologe Nikolaus Schneider sprach über das Reformationsjahr aus ökumenischer Perspektive. „2017 ist keineswegs ein Jahr der antikatholischen Heldenfeier“, betonte Schneider und beleuchtete die zahlreichen Facetten des Reformators Luther, wobei er auch kritische Aspekte nicht ausschloss. „Luther konnte ein Grobian sein, er war aber auch ein zartfühlender Mensch“, so der Theologe. Der Reformator stellte die frohe Botschaft der Bibel in den Vordergrund.

Nikolaus Schneider war von 2010 bis 2014 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD). Als höchster Repräsentant warb er bereits während seiner Amtszeit für mehr Ökumene zwischen Katholiken und Protestanten.

Sein Vortrag mündete in eine engagierte Diskussion mit dem Publikum, in der auch die Frage erörtert wurde, was für eine stärkere Annäherung beider Seiten getan werden könnte.

In der Ökumene sollte die „versöhnte Verschiedenheit“ beider Konfessionen gelebt werden, dies sei auch die Ansicht von Papst Franziskus. „Die Unterschiede evangelischer und katholischer Christen in theologischen Fragen sind heute marginal“, betonte Schneider. Dennoch gebe es grundsätzliche Differenzen wie etwa hinsichtlich der Stellung des Papstamts.

„Im Reformationsjahr geht es nicht eigentlich um Luther, sondern um Christus“, hob Schneider hervor. „Die Kirche ist und bleibt die Kirche Jesu Christi, in der wir Glaube, Hoffnung und Liebe teilen.“

Luther habe keine „neue Kirche“ gefordert, er wollte seine Kirche reformieren. Auf dem Weg zur Ökumene bedeute größere Einheit der Konfessionen allerdings keineswegs „mehr Einheitlichkeit“.

„Das Leben wird rückwärts verstanden aber vorwärts gelebt“, sagte Schneider und zitierte damit den dänischen Philosophen, Theologen und Schriftsteller Søren Kierkegaard.

Darum reflektierte er den Zeitkontext in dem Martin Luther lebte, das ausgehende Mittelalter: Dämonen und Teufel gehörten für die Menschen damals noch zur Realität. Eines der zentralen Anliegen Luthers war, den Christenmenschen ihre Höllenangst zu nehmen, ihnen die Entdeckung der Freiheit zu ermöglichen und sie zur Wahrnehmung von Verantwortung zu motivieren.

Die großen Umbrüche des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit hatten ähnliche Bedeutung wie der Wandel in unserer Zeit. Was heute die Digitalisierung bedeute, sei damals die Erfindung des Buchdrucks gewesen, machte Schneider deutlich. Luthers Bibelübersetzungen prägten sogar die deutsche Sprache bis in die heutige Zeit.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5157941?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F
Nachrichten-Ticker