Instagram löst Facebook ab
Rote Herzen statt blaue Daumen

Fotos statt Posts und Herzen statt Däumchen. Obwohl sie beide dem gleichen Inhaber gehören, läuft Instagram Facebook so langsam davon. Obwohl die Plattform noch weniger Nutzer als Zuckerbergs eigenes Netzwerk hat, sind die Jugendlichen mehr auf Instagram vertreten.

Donnerstag, 21.09.2017, 15:33 Uhr
Facebook war das beliebteste soziale Netzwerk. Inzwischen ist Instagram zumindest bei den Jugendlichen die unangefochtene Nummer 1. Durch die individuellere Gestaltung kommt es sehr gut bei den Nutzern an.
Facebook war das beliebteste soziale Netzwerk. Inzwischen ist Instagram zumindest bei den Jugendlichen die unangefochtene Nummer 1. Durch die individuellere Gestaltung kommt es sehr gut bei den Nutzern an. Foto: dpa

Anstatt gelikt wird jetzt gefollowed und ­gesnapt. Der blaue Facebook-Daumen wird durch das rote Herz von Instagram ersetzt. Obwohl Facebook nach wie vor die weltweit größte Online-Plattform mit 1,4 Milliarden Nutzern ist, sind immer weniger Jugendliche dort aktiv. Facebook dient der Information und Kontaktierung von Freunden. Aber es scheint als würde es von den meisten nur noch als Geburtstagskalender genutzt werden.

Dass die Jugendlichen das Interesse an der Plattform verlieren, bestätigt auch Social-Media-Managerin Martina Mähren von „Moravia Media“: „Die Jugendlichen sind zwar noch angemeldet und haben einen Account, jedoch nutzen sie Facebook nicht mehr aktiv.“ Dabei stellen die Jugendlichen die Nutzerbasis der Zukunft dar. Das Durchschnittsalter der Facebook-User liegt inzwischen bei 38,7 Jahren.

Während laut der JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest, die sich mit dem Medienumgang der 12- bis 19-Jährigen beschäftigt, 2015 noch 53 Prozent der Jugendlichen angaben, Facebook wöchentlich zu nutzen, waren es 2016 nur noch 43 Prozent. Und die Zahl sinkt weiter.

Somit stellt sich die Frage, warum Facebook so uninteressant für Jugendliche geworden ist und welche sozialen Netzwerke sie stattdessen nutzen? Martina Mähren erklärt es sich dadurch, dass es mittlerweile viele andere Netzwerke gibt. Zur Kommunikation wird Whatsapp genutzt, zum Bilder posten Instagram und für lustige Momentaufnahmen Snapchat. Außerdem ist Facebook sehr werbelastig, was viele Jugendliche als nervig empfinden. Zudem sind viele Erwachsene auf Facebook angemeldet und darunter sind oft auch die Eltern der jüngeren User. Dadurch können sie die Beiträge ihrer Kinder sehen. Auf anderen Netzwerken sind sie ungestörter. Theresa Heunemann, 18 aus Steinfurt, bestätigt dies: „Instagram ist privater, weil ich nicht so viel Müll angezeigt bekomme, sondern überwiegend das, was ich selbst interessant finde.“ Eine ähnliche Meinung hat auch Lorena Broscheit, 18 Jahre aus Greven: „Ich bin lieber auf Instragram unterwegs, weil ich dort mehr Freunde habe, die mich interessieren. Es ist außerdem viel persönlicher gestaltet.“

Whatsapp ist mit weltweit 1,3 Milliarden Nutzern nah an Facebook dran. Der Nachrichtendienst wird von 92 Prozent der Jugendlichen in Deutschland täglich genutzt.

Instagram, mit über 600 Millionen Nutzern weltweit, wird immer relevanter. „Instagram ist ein visuelles Netzwerk. Es dreht sich alles um Fotos oder Videos und damit geht es stark auf Emotionen ein“, erklärt Martina Mähren. Die Plattform wächst schnell und Mähren meint: Das beliebteste Netzwerk unter den Jugendlichen ist Instagram. Die 17-jährige Schülerin Sarah Leve begründet das so: „Meine Lieblings-Social-Media-Plattform ist Instagram, weil ich schöne Augenblicke teilen und von anderen sehen kann.“

Doch auch Snapchat holt auf und wird immer beliebter bei den Jugendlichen. Über 250 Millionen Menschen nutzen Snapchat auf der ganzen Welt und das sehr aktiv. Bei Snapchat werden die Momentaufnahmen an Freunde verschickt. Dadurch, dass die Snaps nur wenige Sekunden angesehen und keine langen Texte dazu geschrieben werden können, dient die Plattform im Grunde nur der Unterhaltung.

Nebenbei gehört Snapchat nach wie vor Gründer Evan Spiegel und konnte noch nicht vom Facebook-Gründer Marc Zuckerberg aufgekauft werden, obwohl er ihm drei Milliarden Dollar anbot. Whatsapp und Instagram wurden bereits in den vergangen Jahren für mehrere Milliarden Dollar von Zuckerberg aufgekauft. Damit bleiben die Nutzer, die Facebook an Instagram und Whatsapp verliert, im Unternehmen, das so weiter Daten über die Nutzer sammeln und verkaufen kann.

Franzis Lammerding

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