Lange Gesichter auch in Steinfurt
Wahlabend mit Wermutstropfen

Steinfurt -

Ortsvorstände bedauern eigene Ergebnisse - und das Abschneiden der AfD.

Sonntag, 24.09.2017, 22:10 Uhr aktualisiert: 25.09.2017, 15:34 Uhr
Gerade noch in der Regierung, jetzt wahrscheinlich in der Opposition: Auch in der Steinfurter SPD-Zentrale gab es nach dem Wahlausgang jede Menge Gesprächsbedarf, wie es weitergehen soll.
Gerade noch in der Regierung, jetzt wahrscheinlich in der Opposition: Auch in der Steinfurter SPD-Zentrale gab es nach dem Wahlausgang jede Menge Gesprächsbedarf, wie es weitergehen soll. Foto: Bernd Schäfer

In einem der zwei Briefwahlbezirke Burgsteinfurts hakte es noch ein wenig, doch mit dieser Ausnahme stand das Ergebnis der Bundestagswahl in Steinfurt gestern Abend um kurz nach 20 Uhr fest. Und der Bundestrend, er spiegelte sich weitgehend auch im lokalen Ergebnis wider. Als Gewinner konnten sich im Grunde nur die Freien Demokraten fühlen: Auch in der Kreisstadt schafften sie ein sattes Plus und landeten bei etwas mehr als 13 Prozent Zweitstimmen – gegenüber dem Ergebnis von 2013 bedeutet dies eine Verdoppelung der Stimmenanteile.

Ob dies am „Bürgermeister-Bonus“ und ihrer Popularität lag, mochte Claudia Bögel-Hoyer nicht bestätigen. „Unsere Leute haben toll gekämpft“, gab sie den Schlüssel für den Erfolg an die Ortsliberalen weiter. „Wir sind mit dem Ergebnis natürlich mehr als zufrieden“, freute sich auch Ortsvorsitzender Ulrich Windscheid. Dennoch schmerze das starke Abschneiden der AfD. Mit sechs Prozent verdoppelten die Rechtspopulisten ihren Stimmenanteil gegenüber dem Ergebnis von vor vier Jahren. Eine Jamaika-Koalition im Bund sieht er eher zweifelnd: „Vielleicht sollten wir lieber in die Opposition gehen, als als Juniorpartner in eine Regierung.“

Lange Gesichter gab es dagegen bei den Vertretern der beiden großen Parteien – auch wenn CDU-Fraktionsvorsitzender Norbert Kerkhoff Schlimmeres schon geahnt hatte: „Es ist nicht so enttäuschend, wie es hätte sein können.“ Immerhin: Bei den Erststimmen konnte Jens Spahn sein Ergebnis von vor vier Jahren konstant halten. In Sachen Koalitionsmöglichkeiten meinte er: „Ein Dreierbündnis ist immer schwer – aber die CDU muss als stärkste Kraft ihrer Verantwortung gerecht werden. Auch Kerkhoff sah das Abschneiden der AfD als Wermutstropfen des Wahlabends: „Ich finde es schlimm, dass jeder zehnte Wähler das Kreuz bei den Ewiggestrigen gemacht hat.“

Mit einem Zweitstimmenanteil von knapp über 25 Prozent und einem Minus von fast sechs Prozentpunkten gegenüber 2013 sank auch die SPD stark in der Wählergunst. Ortsvorsitzender Frank Müller konnte seine Enttäuschung darüber nicht verbergen – auch wenn das Ergebnis nicht unvorbereitet kam: „Wir hatten mit einem solchen Abschneiden schon gerechnet.“ Es gelte nun, sich in der Opposition neu zu profilieren. Dies sei bei den allermeisten Genossen bei einem Treffen mit Kandidatin Ingrid Arndt-Brauer vor der Wahl Konsens gewesen. Es habe im Wahlkampf eindeutig an inhaltlichen Diskussionen gefehlt. Müller: „Der Kuschelkurs von Merkel hat uns geschadet.“

Grünen-Fraktionssprecher Ludger Kannen kommentierte den leichten Stimmenrückgang seiner Partei verhalten: „Wir können uns mit unserem Ergebnis in Steinfurt nicht beklagen.“ Auf Bundesebene fand er dagegen bedenklich, dass es nicht langte, „die AfD rauszuhalten“. Eine Regierungskoalition mit CDU und FDP sieht Kannen skeptisch, weil die Differenzen zur FDP und CDU zu groß seien: „Meine persönliche Meinung zu einer Jamaika-Koalition ist ein Nein.“

Guido Schallenberg, Sprecher der Linken in Steinfurt, freute sich zwar über einen Zuwachs von rund 1,5 Prozentpunkten seiner Partei auf Ortsebene („Das gibt uns Ansporn für die anstehenden Aufgaben“), zeigte sich aber zugleich auch „erschüttert“ über den Erfolg der AfD. Dies sei Ausdruck eines zunehmenden Bürgerprotests gegenüber der Politik der etablierten Parteien, kommentierte Schallenberg.

Die Wahlbeteiligung lag bei mehr als 77 Prozent – und damit deutlich höher als vor vier Jahren. Damals machten 74 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Wahlrecht Gebrauch.

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