Die Bundestagswahl im Kreis Steinfurt
Entsetzen über AfD-Ergebnis trübt Freude bei Wahlsiegern

Kreis Steinfurt -

Versteinerte Minen im Steinfurter Kreishaus. Als am Sonntagabend um 18 Uhr die erste Prognose und dann wenige Minuten später die erste Hochrechnung über die Bildschirme flimmern, ist das Entsetzen groß – sowohl bei CDU als auch SPD über die immensen Verluste, die die Regierungskoalition hinnehmen muss, als auch bei allen Vertretern der etablierten Parteien über den Rechtsruck, der sich mit dem Einzug der AfD in das Berliner Reichstagsgebäude vollzogen hat. Als deren Spitzenkandidat Alexander Gauland zu ihrer neuen Rolle als stärkster Oppositionskraft Richtung Angela Merkel „Wir werden sie jagen“ erklärt, verschlägt es den Beobachtern im Steinfurter Kreishaus fast die Sprache. Dieses Ergebnis werde die Parteienlandschaft verändern, sind sich die Stimmen einig.

Sonntag, 24.09.2017, 22:18 Uhr aktualisiert: 25.09.2017, 16:33 Uhr
Entsetzen machte sich in den Gesichtern der Vertreter der etablierten Parteien im Steinfurter Kreishaus breit, als die erste Hochrechnung über den Bildschirm flimmerte und den Einzug der AfD in den Reichstag voraussagte.
Entsetzen machte sich in den Gesichtern der Vertreter der etablierten Parteien im Steinfurter Kreishaus breit, als die erste Hochrechnung über den Bildschirm flimmerte und den Einzug der AfD in den Bundestag voraussagte. Foto: Drunkenmölle

Versteinerte Minen im Steinfurter Kreishaus. Als am Sonntagabend um 18 Uhr die erste Prognose und dann wenige Minuten später die erste Hochrechnung über die Bildschirme flimmern, ist das Entsetzen groß – sowohl bei CDU als auch SPD über die immensen Verluste, die die Regierungskoalition hinnehmen muss, als auch bei allen Vertretern der etablierten Parteien über den Rechtsruck, der sich mit dem Einzug der AfD in den Berliner Reichstag vollzogen hat. Als deren Spitzenkandidat Alexander Gauland zu ihrer neuen Rolle als stärkster Oppositionskraft Richtung Angela Merkel „Wir werden sie jagen“ erklärt, verschlägt es den Beobachtern im Steinfurter Kreishaus fast die Sprache. Dieses Ergebnis werde die Parteienlandschaft verändern, sind sich die Stimmen einig.

Das Entsetzen über das Abschneiden der AfD hat die Freude von Jens Spahn, Marc Henrichmann und Anja Karliczek über deren direkten Einzug ins Parlament deutlich getrübt. Wie erwartet, haben sich die CDU-Kandidaten in den Wahlkreisen 124 (Steinfurt I – Borken I) beziehungsweise 127 (Coesfeld, Steinfurt II) und 128 (Steinfurt III) deutlich durch- und von den Mitbewerber der SPD abgesetzt. Jens Spahn erklärt dazu in Berlin: „Das starke Ergebnis daheim im Wahlkreis ist echter Ansporn für weitere vier Jahre in Berlin. für die CDU insgesamt geht es darum, mit konkreten Lösungen verloren gegangenes Vertrauen zurück zu gewinnen. Angela Merkel bleibt Kanzlerin, das jedenfalls steht mit diesem Ergebnis fest.“ Anja Karliczek ergänzt im Steinfurter Kreishaus: „Das Flüchtlingsthema war in diesem Wahlkampf beherrschend. Das, was wir gemacht haben, ist in großen Teilen der Bevölkerung nicht angekommen.“

Für die Kandidaten aus dem Lager der Sozialdemokraten ist der Wahlausgang zu einer Hängepartie geworden. Ingrid Arndt-Brauer, Jürgen Coße als auch Ulrich Hampel müssen zittern. Bei Redaktionsschluss steht noch nicht fest, ob sie wieder in den Bundestag einziehen werden. Das wird davon abhängig sein, wie viele Überhangs- und Ausgleichsmandate das SPD-Trio erreichen kann. Unabhängig von ihrem persönlichen Abschneiden sind sowohl Arndt-Bauer als auch Coße bitter enttäuscht. Beide halten es für richtig, zurück in die Opposition zu gehen.

Freude herrscht bei der FDP. Sie schafft es, zweistellig zu werden. „Das Minimalziel ist erreicht“, sagt Kandidat Dietmar Lütkemeyer. Er bedauerte, dass die Liberalen nicht drittstärkste Kraft geworden sind. Über eine mögliche Koalition wollte FDP-Kreisvorsitzender Alexander Brockmeier nicht spekulieren. Nur so viel: „Der Ball liegt jetzt bei der CDU.“

Als wahrscheinlich gilt, dass von Bündnis 90/Die Grünen Friedrich Ostendorff auch in der nächsten Legislaturperiode im Reichstag sitzt. Sicher den Sprung ins Parlament hat Kathrin Vogler (Die Linke) geschafft. Sie sagt: „Das Gesamtergebnis ist ein schlechter Tag für die Demokratie.“

Für die AfD werden Mario Mieruch und Dr. Michael Espendiller erstmals dort Politik machen. „Das Wahlergebnis spiegelt das wider, was zuletzt in Deutschland, Europa und in der Welt passiert ist. Vor allem freue ich mich, dass die AfD und ich trotz Telefonterror und Diffamierungen soviel Zuspruch bekommen haben. Das Ergebnis der FDP zeigt mir, dass viele Wähler nicht geglaubt haben, dass wir in den Bundestag einziehen werden. Bei diesen Wählern steckt zukünftig noch viel Potenzial für die AfD.“

Als „absolut erschreckend“ bewertet Dr. Klaus Effing den Wahlausgang. „Deutschland wird sich verändern“, ist der Landrat überzeugt. Die guten Demokraten müssten zusammenarbeiten und die AfD stellen – auch im Kreis Steinfurt.

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