48-jähriger Borghorster braucht viel Bedenkzeit
Langer Weg zur Einsicht

Steinfurt -

Angeklagter fühlte sich zunächst von der Richterin am Amtsgericht ungerecht behandelt, scheitert aber mit Befangenheitsantrag.

Dienstag, 17.10.2017, 19:00 Uhr aktualisiert: 18.10.2017, 15:15 Uhr

Viel, viel länger als eigentlich nötig zog sich am Dienstag der Prozess am Steinfurter Amtsgericht hin, in dem es letztlich nur um die Frage ging: Hatte der 48-jährige Borghorster am 10. Juni dieses Jahres drei Schlüssel aus der Wohnung seiner Exfreundin mitgenommen – oder hat er sie einfach nur dort versteckt?

Wenn so eine verhältnismäßige Kleinigkeit vor Gericht landet, steckt natürlich eine längere Geschichte dahinter: Am 10. Juni soll der Angeklagte gegen 20.40 Uhr die Wohnung der Zeugin aufgesucht haben. Ob sie zu der Zeit noch seine Freundin oder schon seine Ex war, darüber hatten beide gestern verschiedene Ansichten.

Im Verlauf des Treffens war es zu einem Streit gekommen, bei dem der 48-Jährige zwei Auto- und einen Wohnungsschlüssel an sich genommen und „verschwinden“ lassen hatte.

Jedenfalls tauchten die Schlüssel zwei Wochen später wieder auf. Wie genau, auch darüber gab es unterschiedliche Angaben.

Direkt nach dem Vorfall hatte die 52-jährige Borghorsterin Anzeigen wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs erstattet, diese aber später wieder zurückgenommen.

Welche der beiden, das war ebenfalls nicht klar – fest stand nur, dass die Anklage wegen Diebstahls aufgrund öffentlichen Interesses vom Gericht weiterverfolgt wurde.

Das wiederum brachte den Angeklagten auf die Palme: „Das war doch bloß einer unserer typischen Beziehungsstreits“, meinte der Borghorster. „Ich weiß gar nicht, warum sich da jemand einmischt, das ist doch unsere Sache.“

Auch als die Richterin ihn darauf hinwies, dass eine Beziehung keinesfalls ein rechtsfreier Raum sei, blieb er störrisch und verweigerte jede Auskunft darüber, wo die Schlüssel die zwei Wochen bis zu ihrer Wiederkehr verbracht haben: „Was soll das? Meine Freundin hat die Anzeigen doch zurückgezogen. Sie wollen uns erklären, wie wir unsere Beziehung zu führen haben?“

Schließlich vermutete er sogar eine persönliche Fehde der Richterin gegen ihn, da sie ihn in einem früheren Verfahren bereits einmal verurteilt hatte. „Darf ich das als Befangenheitsantrag verstehen?“ fragte diese daraufhin. Antwort: „Ja!“

Eine zweieinhalbstündige Verhandlungsunterbrechung beruhigte die Gemüter. Nachdem ein anderer Richter den Befangenheitsantrag für unbegründet abgewiesen hatte, zeigte sich der Angeklagte langsam kooperativer. „Ich habe die Schlüssel in einem Blumentopf versteckt“, sagte er nach einigem Zögern.

Da auch die als Zeugin geladene Exfreundin kein Interesse an einer weiteren Verfolgung hatte, beantragte die Staatsanwältin die Einstellung des Verfahrens, mit dem sich die Richterin einverstanden erklärte.

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