Schulhunde an der Bismarckschule
Lernhelfer auf vier Pfoten

Burgsteinfurt -

Seit Schuljahresbeginn bereichern zwei zusätzliche „pädagogische Mitarbeiter“ das Leben an der Bismarckschule: Paula und Jule sind zwei Australian-Shepherd-Hütehunde und die Stars an der Grundschule. Gerne werden die Vierbeiner im Unterricht eingesetzt – mit verblüffender Wirkung.

Donnerstag, 19.10.2017, 15:25 Uhr
Und ab geht‘s durch den Schüler-Tunnel: Paula ist eine erfahrene Therapiebegleithündin und kennt die Übung aus dem Eff-Eff – im Gegensatz zu „Azubi“ Jule. Schulleiterin Claudia Bock (l.) und Lehrerin Anika Giese-Kessler schauen gebannt zu.
Und ab geht‘s durch den Schüler-Tunnel: Paula ist eine erfahrene Therapiebegleithündin und kennt die Übung aus dem Eff-Eff – im Gegensatz zu „Azubi“ Jule. Schulleiterin Claudia Bock (l.) und Lehrerin Anika Giese-Kessler schauen gebannt zu.

Der von den Kindern gebildete Tunnel ist zu lang, Jule läuft partout nicht durch die gespreizten Beine der Zweitklässler der Birmarckschule. Sie wählt lieber den direkten Weg, um an das Leckerli zu kommen, das Frauchen Claudia Bock bereithält. Jule ist eine dreijährige Australian-Shepherd-Hündin und sie ist in Ausbildung. „Azubi“ steht in großen Lettern auf dem Halsband, das sie trägt.

Seit Schuljahresbeginn gehört der Vierbeiner sozusagen zum Inventar der Burgsteinfurter Grundschule. Die neue Schulleiterin hat ihn mitgebracht – und gleich noch einen Schulhund mehr: Paula, ein Border-Collie-Australian-Shepherd-Mix. Im Gegensatz zu Jule verfügt die zehnjährige Fellträgerin schon über reichlich Erfahrung im Umgang mit Schulkindern, ist ausgebildete Therapiebegleithündin. Doch egal ob Jule oder Paula: Beide sind die Stars in der Bismarckschule, die Grundschüler haben sie in ihr Herz geschlossen. Das merkt auch der Zeitungsreporter sofort, der an diesem Morgen die „Schulstunde mit Hund“ der Klasse 2a auf dem Schulhof begleiten darf. Die Schüler behandeln gerade im Sachkundeunterricht das Thema und dürfen – erstmals überhaupt an der Grundschule – eine Außenstunde mit Schulhunden absolvieren.

Unterstützt von Hundebesitzerin Claudia Bock und Praktikantin Sude Özata stellt Klassenlehrerin Anika Giese-Kessler den Schülern Aufgaben, die sie gemeinsam mit den beiden Vierbeinern bewältigen sollen. Da gilt es, den Hund durch einen Slalom-Parcours mit Hütchen zu führen oder ihn über ein Hindernis springen zu lassen. Später wird ein kreisrundes Sprungtuch ausgebreitet. „Ich hätte gerne sechs Kinderhände und -füße sowie acht Pfoten auf dem Tuch“, trägt die Klassenlehrerin den Schülern auf. Die nehmen die Herausforderung an, schaffen die Aufgabe in erstaunlich kurzer Zeit.

„Die tiergestützte Pädagogik hat in den vergangenen Jahren einen hohen Stellenwert in der Arbeit mit Kindern gewonnen“, weiß Claudia Bock. Sie selbst hat die Vorteile schon früh erkannt: Schon in ihrer Zeit an der damaligen Erich-Kästner-Schule hat sie einen Schulhund im Unterricht eingesetzt. Nach einer beruflichen Zwischenstation an der Ahauser Montessori-Schule ist die Sonderpädagogin mit Schuljahresbeginn nun wieder zurück in Steinfurt – und hat Jule und Paula mitgebracht. Die beiden Vierbeiner sind bei Kollegium wie Schülern gleichermaßen beliebt. „Sie gehen mit in den Unterricht, wir machen mit ihnen Ausflüge zum Beispiel ins Bagno oder sie sind ganz einfach nur präsent“, beschreibt die Schulleiterin das Einsatzfeld.

Die Kinder können sich den Vierbeinern anvertrauen, sie behalten alles für sich. Jule und Paula wirken so als Seelentröster, geben ein Gefühl der Geborgenheit. Zugleich fördern sie die Konzentration und die Ausdauer der Schüler. Ist es in der Klasse mal unruhig und einer der beiden Hündinnen ist präsent, genügt der Hinweis „Sei mal leise, das stört Paula!“ und es kehre Ruhe ein, berichtet Claudia Bock. Die Schulleiterin nennt ein weiteres Beispiel, die die Vorteile pädagogische Arbeit mit Therapiebegleithunden verdeutlicht: Jule sei ein Hund, der Kindern, die sich im Leselernprozess befinden, gerne zuhört beim Lesen. „Sie ist dann ganz ruhig, sucht die direkte Nähe zum Kind.“ Die daraus resultierende, sogar wissenschaftlich belegte Wirkung: Der Puls des vorlesenden Schülers ist deutlich niedriger im Vergleich zu einem Vorlesen mit korrigierendem Zuhörer.

Die Zweitklässler, die an diesem schönen Herbstvormittag auf dem Schulhof gemeinsam mit Jule und Paula unterrichtet werden, kennen die Effekte schon aus der Praxis. Noch einmal versuchen sie die Teamfähigkeit fördernde Tunnel-Übung mit Jule: Doch der „Azubi“ patzt wieder. „Was können wir tun?“, fragt Claudia Bock. „Vielleicht ist der Tunnel zu lang?“ mutmaßt eine Schülerin. Zustimmendes Lächeln von den Pädagoginnen.

Für heute schließen sie die Unterrichtsstunde mit den Hunden. Die Schüler quittieren die Ankündigung mit einem langgezogenen „Schade!!!“. Keine Frage: Jule und Paula sind angekommen in der Bismarckschule.

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