Nitratbelastung des Trinkwassers
Schwieriger Interessenausgleich

Steinfurt -

Die im Januar veröffentlichten Ergebnisse im Nitratbericht 2016 für NRW gaben Anlass zu Diskussionen: Die Steinfurter Aa gehört landesweit zu den am stärksten mit Nitrat belasteten Fließgewässern. Am Pranger steht die Landwirtschaft, der vorgeworfen wird, mit zu hohen Einträgen an organischem Dünger für die Missstände verantwortlich zu sein.

Mittwoch, 22.11.2017, 18:00 Uhr

Auch beim Grundwasser stiegen die Werte zuletzt weiter an. Betroffen ist wegen der intensiven Nutztierhaltung verstärkt auch das Münsterland. Deutschlandweit liegen laut Nitratbericht rund ein Drittel der untersuchten Wasserkörper über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage auf, wie die Situation in Steinfurt aussieht. Im Umweltausschuss gab es am Dienstag Infos aus erster Hand: Stadtwerke-Geschäftsführer Rolf Echelmeyer berichtete über diese „hochemotionale Thematik“, wie er es selbst treffend bezeichnete.

Um es vorweg zu nehmen: Nach der aktuellen Analyse vom April diesen Jahres liegt der Nitratgehalt des Steinfurter Trinkwassers bei 29,2 Milligramm pro Liter und damit deutlich unter dem gesetzlich vorgegebenen Grenzwert. Dies betrifft die Gesamtmenge des Trinkwassers, das als Rohwasser in vier, zwischen Borghorst und Emsdetten gelegenen Brunnenfeldern gewonnen wird. Jährlich werden rund 2,5 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert. Die Brunnenfelder sind ganz unterschiedlich nitratbelastet: Während zwei Felder gänzlich unauffällig sind, weisen die beiden anderen höhere Belastungen auf, eines liegt sogar über dem Grenzwert. Echelmeyer: „Letztlich erreichen wir durch Mischung aller Quellen den angegebenen Mittelwert.“

Um den hohen Standard zu halten beziehungsweise ihn weiter zu verbessern, setzen die Stadtwerke als lokaler Wasserversorger schon seit Jahren auf eine enge Kooperation mit der Landwirtschaft in den Gewinnungsgebieten. „Das ist unser schärfstes Schwert beim Schutz des Grundwassers“, machte Echelmeyer deutlich. Dabei sei es nicht immer einfach, die unterschiedlichen Interessen zu einem Ausgleich zu bringen. Die Landwirte sind angesichts eines hohen Konkurrenzdrucks auf gute Ernteerträge angewiesen, die Stadtwerke wollen ihren Kunden eine hohe Qualität beim „Lebensmittel Nummer eins“ liefern.

Die Erfolge der Zusammenarbeit mit den 110 Teilnehmern können sich indes sehen lassen: Die Werte an Rest-Nitrat sind in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Dazu tragen unter anderem verbesserte Ausbringungsmethoden sowie die Förderung des Zwischenfruchtanbaus bei. Letzterer sorgt dafür, dass zwischen Ernte und neuer Aussaat noch im Boden vorhandenes Nitrat gebunden wird.

Echelmeyer machte aber auch keinen Hehl daraus, dass in Bezug auf die Trinkwasserqualität verschärfte Kontrollen durchgeführt und bei Verstößen gegen die Düngeverordnung auch „schmerzhafte Strafen“ ausgesprochen werden müssten. Wichtig sei bei größeren Betrieben die Einführung eines flächenbezogenen Bilanzierungssystems zur Nährstoffermittlung. Zudem sollte der Eintrag von Stickstoff organischer Herkunft auf 170 Kilogramm pro Hektar beschränkt werden Bei Verstößen sollten „Ross und Reiter“ auch bekannt gemacht werden, dies siehe die aktuelle Kreisrahmenvereinbarung jedoch nicht vor, kritisierte Echelmeyer.

Im Umweltausschuss stieß der Vortrag des Stadtwerke-Chefs auf positive Resonanz: „Es ist gut, dass in öffentlicher Sitzung das Thema Nitratbelastung transparent gemacht wird“, betonte Alfred Voges für die SPD. Handlungsbedarf sei angesichts der Entwicklung auch bei der Steinfurter Aa gegeben. Gerhard Göckenjan (FDP) verwahrte sich dagegen, dass immer nur mit dem Finger auf die Landwirtschaft als alleinverantwortlich für die hohe Nitratbelastungen des Grundwassers gezeigt werde.

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