Mit Video: Abriss der St.-Marien-Kirche in Borghorst
„Gut, dass wenigstens etwas bleibt“

Borghorst -

Das Geräusch der herabdonnernden Steine und Holzbalken ist fast so laut wie das der Glocken. Wo vor wenigen Wochen noch Bänke standen und Gläubige saßen, türmt sich jetzt ein Haufen Schutt. Und unerbittlich reißt der Bagger immer weitere Stücke aus dem Schiff der St. Marienkirche.

Mittwoch, 29.11.2017, 15:39 Uhr aktualisiert: 29.11.2017, 17:24 Uhr
Zange um Zange frisst sich der Bagger weiter ins Hauptschiff der St. Marienkirche vor. Die 65 Jahre alten Mauern bieten ihm nur wenig Widerstand.
Zange um Zange frisst sich der Bagger weiter ins Hauptschiff der St. Marienkirche vor. Die 65 Jahre alten Mauern bieten ihm nur wenig Widerstand. Foto: Bernd Schäfer

Passanten bleiben stehen, machen Fotos und erinnern sich daran, welche Rolle die Kirche in ihrem Leben gespielt hat.

Viele persönliche Erinnerungen

Andrea Brinkhaus-Wermers zum Beispiel. Die gebürtige Borghorsterin lebt heute in Emsdetten und ist dort als Organistin der St.-Pankratius-Gemeinde tätig. Ihre ersten Gehversuche auf dem Instrument, das ihr Beruf geworden ist, hat sie auf der Orgel der St. Marienkirche gemacht. „Ich bin hier getauft und gefirmt worden und zur Erstkommunion gegangen“, erinnert sie sich. „Und bei Clemens Kramer, dem damaligen Organisten, habe ich das Orgelspiel gelernt.“

Natürlich ist ihr ein bisschen wehmütig zumute, als sie dem Bagger bei der Arbeit zusieht. Aber dann meint sie doch: „Das ist eben der Gang der Dinge.“ Letztendlich habe ja der Rückgang der Kirchenbesucher zu dem Teilabriss geführt. „Das war eine Art Abstimmung mit den Füßen. Aber gut, dass wenigstens etwas stehen bleibt.“

Teilabriss der St. Marienkirche

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  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Bernd Schäfer
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Bernd Schäfer
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Bernd Schäfer
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Bernd Schäfer
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Bernd Schäfer
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Bernd Schäfer
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Bernd Schäfer
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Bernd Schäfer
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Bernd Schäfer
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Bernd Schäfer
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Bernd Schäfer
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Bernd Schäfer
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Bernd Schäfer
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Bernd Schäfer
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Bernd Schäfer
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Axel Roll
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Axel Roll
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Axel Roll
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Axel Roll
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Axel Roll
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Axel Roll
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Axel Roll
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Axel Roll
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Axel Roll
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Axel Roll
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Axel Roll
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Axel Roll
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Axel Roll
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Axel Roll
  • Stück für Stück verschwindet das Hauptschiff der 1952 gebauten Kirche. Foto: Axel Roll

Das Argument der „Abstimmung mit den Füßen“ lässt Karl Holthaus nicht gelten. Der emeritierte ehemalige Pfarrer wohnt seit Jahren direkt neben der St. Marienkirche. „Hier gibt es eine ganze Portion guter Kirchlichkeit“, sagt er über den südlichen Teil Borghorsts. Bis zuletzt habe er Gottesdienste und Andachten geleitet – und dabei festgestellt: „Die Frequenz war ausreichend.“ Oft seien allein schon die sonntäglichen Frühmessen von 130 Leuten besucht worden.

Das war eine Art Abstimmung mit den Füßen.

Andrea Brinkhaus-Wermers

Der emeritierte Pfarrer der St. Nikomedes-Gemeinde sieht den Grund für den Teilabriss eher in der Notwendigkeit, Fläche für den unmittelbar nebenan entstehenden Kindergarten zu schaffen. „Ich habe meinen Garten angeboten, die Kinder hätten ja auch da spielen können.“ Aber das sei leider baurechtlich nicht möglich gewesen. „Jetzt haben wir einen Kompromiss, der niemanden zufrieden stellt.“

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Ohne besondere Emotionen gehen die Mitarbeiter des Abrissunternehmens ans Werk. „Das ist kein Unterschied zu einem normalen Haus“, sagt einer von ihnen. Das gelte übrigens auch für die Bauweise: Die Mauern der Anfang der 1950er Jahre gebauten Kirche sind weder sonderlich dick noch aus ungewöhnlichen Materialien. Und wohl auch zu dünn, um versteckte Schätze zu beherbergen.

Gefunden haben die Bauarbeiter jedenfalls noch nichts.

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