20-Jähriger wird wiederholt straffällig
Alte Freunde, fatale Folgen

Rheine/Steinfurt -

Gerade einmal drei Wochen nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis, beging ein 20-jähriger Mann aus Borghorst die nächste Straftat. Mit Komplizen überfiel er einen 52-Jährigen und raubte diesen aus. Dafür und für weitere Delikte wurde er nun verurteilt.

Donnerstag, 30.11.2017, 05:00 Uhr
Das Amtsgericht in Rheine
Das Amtsgericht in Rheine Foto: dpa

Nur drei Wochen nach seiner Entlassung aus einer fast zweijährigen Haft überfiel ein 20-jähriger Borghorster am 23. Juni vergangenen Jahres nachts in Münster mit Komplizen einen 52-Jährigen auf der Friedrich-Ebert-Straße und raubte ihn aus. Die Beute bestand aus 20 Euro Bargeld und einer Goldmünze im Wert von 200 Euro. „Ich war wie vom Blitz getroffen“, beschrieb das Opfer den Überfall, bei dem ihm jemand „mit einem Baseballschläger gegen den Kopf“ geschlagen habe. Gestern musste sich der Borghorster in Rheine beim Jugendschöffengericht deswegen verantworten.

Tresor entwendet

Zusätzlich zur Last gelegt wurde ihm ein Einbruch in die Herz-Jesu-Pfarrei auf der Wolbecker Straße im Juni 2016. Mit einem Gullideckel schlugen die Täter ein Fenster ein und entwendeten einen schweren – allerdings leeren – Tresor. Schließlich gab es noch einen dritten Anklagepunkt: Bei einer Verkehrskontrolle im Januar dieses Jahres wurde bei dem 20-Jährigen zwei Gramm Marihuana gefunden und sichergestellt.

Das Eis ist sehr dünn, die geringste Abweichung führt ins Gefängnis.

Richter

Nach seinem Geständnis und der Kehrtwende in seinem Leben – er macht zurzeit eine Langzeittherapie – verurteilte ihn das Gericht wegen gemeinschaftlichen Raubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Einbruchdiebstahls und Einfuhr von Drogen zu einem Jahr und sieben Monaten mit Bewährung. Das Urteil ist rechtskräftig. Das Gericht legte ihm auf, die Therapie nicht eigenmächtig abzubrechen, eine Folgemaßnahme zu akzeptieren und regelmäßig Drogentests zu machen. „Das Eis ist sehr dünn, die geringste Abweichung führt ins Gefängnis“, mahnte der Richter.

Erschreckender Lebenslauf

Erschreckend war der Lebenslauf des Angeklagten. Sucht und Gewalt prägten sein Elternhaus. Das Jugendamt holte ihn und seine Schwester aus der Wohnung. Er wuchs bei seinen Großeltern auf und besuchte die Schule nur bis zur achten Klasse. Alkohol und Drogen kennzeichneten seinen Weg seit frühester Jugend. Schon 2011 – da war er 15 Jahre alt – wurde er wegen vierfacher räuberischer Erpressung zu einem Jahr und vier Monaten Haft verurteilt. 2014 folgte wegen Körperverletzung eine weitere Jugendstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Fünf Monate stehen aus dem Urteil noch offen. Als er aus dem Gefängnis entlassen wurde, fehlte dem Borghorster jeglicher sozialer Kontakt. Die Freundin hatte ihn während der Haftzeit betrogen. So ging er zu seinen alten Freunden – mit fatalen Folgen.

Der Raubüberfall geschah spontan, weil wir Geld brauchten.

Angeklagter

Vor Gericht machte er reinen Tisch und gestand die Taten. „Der Raubüberfall geschah spontan, weil wir Geld brauchten.“ Er hätte sich dem Fahrradfahrer in den Weg gestellt, „mein Kollege hat ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen, einen Baseballschläger gab es nicht“, sagte der Angeklagte. Der Geschädigte sah das anders: „Der Schlag war so heftig, dass ich zunächst gedacht habe, ich sei gegen eine Laterne gefahren“. Als er zu Boden ging, sei ihm das Portemonnaie geraubt worden. „Ich engagiere mich in Münster sehr für Flüchtlinge und hatte Angst, der Überfall könnte rassistische Gründe haben“, sagte er als Zeuge. Die Entschuldigung des Angeklagten nahm er an.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5321607?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F
Nachrichten-Ticker