Einkaufen an Heiligabend
Der Vormittag ist nicht heilig

Steinfurt -

Spätentschlossene haben an Heiligabend in der Regel bis zum frühen Nachmittag Zeit zum Last-Minute-Einkauf. Dieses Jahr gibt es die Ausnahme von der Regel: Der 24. Dezember fällt auf einen Sonntag, viele Geschäfte haben geschlossen. Nur Lebensmittelhändler, Supermärkte und Bäckereien dürfen geöffnet haben. Unter den Einzelhändlern vor Ort gibt es aber kontroverse Meinungen, ob sie auch geöffnet haben sollen.

Donnerstag, 30.11.2017, 18:00 Uhr aktualisiert: 30.11.2017, 19:50 Uhr
Ein Einkaufsbummel in der Borghorster Innenstadt ist an Heiligabend nicht möglich. Nur vereinzelt haben Geschäfte geöffnet – vor allem Bäckereien, die frische Brötchen anbieten.
Ein Einkaufsbummel in der Borghorster Innenstadt ist an Heiligabend nicht möglich. Nur vereinzelt haben Geschäfte geöffnet – vor allem Bäckereien, die frische Brötchen anbieten. Foto: ar

Folgt man dem Klischee, dann sind es vor allem Männer, die den Weihnachtseinkauf bis auf die letzte Minute hinausschieben. Immer treu dem Motto: Wofür gibt es Heiligabend? Spät, aber nicht zu spät lässt sich am 24. Dezember noch der Last-Minute-Einkauf erledigen. Das ist die Regel, die Ausnahme gibt es dieses Jahr: Der 24. Dezember fällt auf einen Sonntag, viele Geschäfte haben geschlossen.

Ausnahmeregelungen gibt es in Nordrhein-Westfalen aber für Supermärkte, Lebensmittel-Geschäfte und Bäckereien, die bis 14 Uhr geöffnet haben dürfen. Das gefällt nicht allen: Die Kirchen protestieren, die Gewerkschaft Verdi läuft Sturm und rief vor wenigen Wochen zum Einkaufsverzicht an Heiligabend auf. Aber ist der Boykott überhaupt nötig – oder hat gar kein Geschäft geöffnet?

Aldi hat bereits angekündigt, dass die Filialen aus Rücksicht auf die Mitarbeiter geschlossen bleiben, die Rewe- und Penny-Läden bleiben ebenfalls zu. Und auch für das Borghorster E-Center gilt: Einkauf erst wieder nach den Feiertagen möglich.

Anders sieht die Situation bei einzelnen Geschäften in Burgsteinfurt und Borghorst aus. Oliver Tieck hat gar nicht lange darüber nachgedacht: „Natürlich haben wir an Heiligabend geöffnet“, sagt der Betreiber der Vinothek. „Ich kann diesen ganzen Hype darum gar nicht verstehen.“ Denn Diskussionen inklusive dem einen oder anderen entrüstete Nachhaken im Sinne von „Das geht doch nicht“ gab es schon.

Meine Mitarbeiterin hat an Heiligabend frei, ich arbeite mit meiner Familie.

Oliver Tieck

Tieck sieht die Sache anders. „Für Mitarbeiter ist das natürlich nicht schön“, kann Tieck die Argumente der Ladenöffnungsgegner an Heiligabend durchaus nachvollziehen. „Aber bei uns gibt es nicht wie bei Rewe oder Real Tausende von Mitarbeitern. Meine Mitarbeiterin hat an Heiligabend frei, ich arbeite mit meiner Familie.“ Das sei eben der Unterschied zwischen einem inhabergeführten und einem mitarbeitergeführten Laden.

Und auf den (vermutlich) guten Umsatz an Heiligabend will Oliver Tieck nicht verzichten. Er sei heute sowieso nur noch vier Sonntage im Laden. In Zeiten von Internethandel und Co. müsse man den Kunden auch etwas bieten. In Tiecks Fall: ein an Heiligabend geöffnetes Geschäft. Vorbestellte Ware kann am 24. Dezember abgeholt werden, Last-Minute-Einkäufer können sich noch auf die Suche nach einem Geschenk begeben.

Das ist im Wein- und Teekontor Knüpp nicht möglich. Auch bei Siegfried Knüpp war es keine lange Entscheidungsfindung – ohne lange Überlegung stand fest, dass er sein Geschäft in der Borghorster Innenstadt am 24. Dezember nicht öffnen wird. „Man kann alles vorher kaufen. Bis Samstagabend ist lange genug Zeit“, meint Knüpp.

Für die Café Konditorei Probst und Ello-Betreiber Landbäckerei Elshoff stellte sich die Frage nach der Laden-Öffnung an Heiligabend nicht wirklich. Beide behandeln den 24. Dezember fast wie jeden anderen Sonntag auch. Und an denen kann man nun mal seine frischen Brötchen kaufen und sich ins Café setzen, um sich das Stück Kuchen schmecken zu lassen. Das alles geht auch am 24. Dezember.

„In unserer Branche ist das etwas anders“, hinkt für Monika Probst der Vergleich zu großen Supermarktketten à la Lidl, Edeka und Co. „Das ist für uns ein ganz normaler Sonntag.“ Ganz ähnlich bewertet Mathias Elshoff die Sachlage: „Das ist eine ganz andere Situation als im Einzelhandel. Brötchen werden frisch gekauft, Käse kann man drei Tage vorher kaufen und in den Kühlschrank legen.“

Auch Siegfried Knüpp bewertet die Lage von Bäckereien anders als seine eigene, ebenso wie Pfarrer Markus Dördelmann, der für geöffnete Bäckereien am 24. Dezember vielleicht noch Verständnis aufbringen kann, für den Einkauf bei anderen Einzelhändlern aber weniger. Denn Zeit genug dafür sei vorher vorhanden und dass der 24. Dezember dieses Jahr auf einen Sonntag falle, sei lange bekannt: „Wer nicht bis Samstag vor Heiligabend seinen Einkauf erledigt, braucht das an Heiligabend auch nicht mehr zu tun.“

Dördelmann hat vor allem die Mitarbeiter der Betriebe im Kopf und „unterstützt jeden, der gegen die Öffnung protestiert“. Bei seiner Ablehnung der Regelung zur Ladenöffnung am 24. Dezember geht es ihm weniger um Heiligabend als speziellen Tag, sondern viel mehr um den Sonntag an sich: „So höhlt man jegliche Sonntagsarbeit aus.“

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