Jüdischer Friedhof in Burgsteinfurt
„Restaurierung ist nicht gewünscht“

Burgsteinfurt -

Marmortafeln haben sich von den Grabsteinen gelöst, Verzierungen liegen lose auf, Risse und Brüche, die teils noch Folgen der Pogromnacht 1938 sind, setzen den Steinen zu. Teils sind die Grabmale so zugewuchert, dass sie nicht mehr zugänglich sind: Die Rede ist vom Neuen Jüdischen Friedhof an der Gerichtstraße, seit 1987 offizielles Denkmal der Stadt.

Freitag, 01.12.2017, 19:00 Uhr
Gepflegt oder sanierungsbedürftig? Der Jüdische Friedhof an der Gerichtstraße war jetzt Thema im Bauausschuss.
Gepflegt oder sanierungsbedürftig? Der Jüdische Friedhof an der Gerichtstraße war jetzt Thema im Bauausschuss. Foto: rs

Die Initiative Stolpersteine Burgsteinfurt möchte diese Situation ändern und hat einen Antrag gestellt, 10 000 Euro in den Haushaltsplan 2018 einzustellen, um Sanierungsmaßnahmen auf den Weg zu bringen, die die Missstände beheben. Als zuständigem Fachgremium lag das Begehren am Donnerstag dem Bauausschuss zur Beratung vor.

Mit durchaus überraschendem Diskussionsverlauf. Wolfgang Spille, Fachdienstleiter Tiefbau, schilderte die Dinge aus Sicht der Stadt. Regelmäßig würden zur Begutachtung des Ist-Zustandes Begehungen mit dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde aus Dortmund stattfinden, führte er aus. Dabei habe der Vertreter der jüdischen Gemeinde sich zufrieden gezeigt. Mehr noch: Die Stadt Steinfurt sei bei der Pflege jüdischer Friedhöfe „eine Referenzstadt“ für andere Kommunen. Spille ergänzte, dass Maßnahmen vier Mal im Jahr durchgeführt werden.

Restaurierungen oder gar Sanierungen indes seien von Seiten der jüdischen Glaubensvertreter nicht gewünscht. „Es wird die Meinung vertreten, dass Gräber ebenso wie das menschliche Leben vergehen sollen“, konkretisierte Spille. Nichtsdestotrotz würde die Stadt darauf achten, das keine Gefahren von zum Beispiel umzukippen drohenden Grabsteinen ausgehen. Spille: „Wir legen sie in diesen Fällen mit der Schrift nach oben ab.“

Nach kurzer Diskussion im Ausschuss, bei denen sich einige Mitglieder überrascht von diesen Informationen zeigten, folgten diese dem Verwaltungsvorschlag, den Antrag abzulehnen.

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