Böhmermann-Ausstellung in Düsseldorf
Deuscthland, Deuscthland

Fährt man mit dem Zug von Münster Richtung Düsseldorf, sieht man bereits eine ganze Menge von dem, was sich „Deutschland“ nennt: Angefangen bei Münsters B-Side, über die Jägerzaunidylle in Münster-Albachten bis in die Bahnhofs- und Industrieruinen des Ruhrgebiets. Dieser Blick von außen reicht Jan Böhmermann und der Produktionsfirma „Bildundtonfabrik“, die alle seine Sendungen produziert, natürlich nicht aus. In der Ausstellung „Deuscthland“ werden darum die ganz großen Themen der bundesdeutschen Gegenwart in zwei Ausstellungsräumen des NRW-Forums gequetscht.

Donnerstag, 25.01.2018, 14:00 Uhr aktualisiert: 26.01.2018, 15:34 Uhr
Die Eingangskontrolle nach Deuscthland.
Die Eingangskontrolle nach Deuscthland. Foto: Jonas Timmerhues

Die Leitfrage: „wenn das alles echt ist und kein quatsch ist in was für eine zeit & land & welt leben wir überhaupt?“. Eine wirkliche Antwort auf diese Frage gibt die Ausstellung zwar auch nicht, aber sie nähert sich ziemlich genau an.

Bevor die Ausstellung betreten werden darf, muss die Passkontrolle überstanden werden: Besucher müssen sich aufteilen in „Deutsche“ und „Ausländer“. Am Schalter angekommen, muss das Smartphone abgegeben werden. Ist man dann am schlecht gelaunten Grenzbeamten vorbeigekommen, kann die Reise nach „Deuscthland“ endlich beginnen. Viel Raum nimmt Böhmermanns „Reichspark“-Projekt ein: Im November 2017 inszenierte Böhmermanns „Neo Magazin Royale“ die Geschichte von Raphael Gamper, der in der Nähe von Berlin den ersten „NS-Themenpark“ Deutschlands mit 62 Attraktionen und originalgetreuen Nachbauten „der wichtigsten historischen Schauplätze“ errichten wollte. In der Ausstellung lässt sich der Reichspark hautnah erleben: Im Virtual Reality-Dark Ride „It’s a great Germany“ oder dem originalen Messestand, mit der Gamper auf der internationalen Messe der Vergnügungsindustrie für seinen Park werben wollte. Was schon in der Fernsehsendung unangenehm beklemmend wirkte, ist im Real Life nahezu grotesk. Auch die deutsche Diskussionskultur bleibt nicht verschont: Anstelle von Glückskeksen aus dem China-Restaurant nebenan gibt es in „Deuscthland“ einen „Hetzkeks“-Automaten, der leckere Kekse mit weniger leckeren AfD-Botschaften im Inneren verteilt. Auch das berüchtigte Gedicht über den türkischen Staatschef wird im Bereich „rechtsfreier Raum“ aufbereitet, wenn auch größtenteils geschwärzt.

Also, „in was für eine zeit & land & welt“ leben wir denn jetzt? In einer schwarz-weißen, wie es die „Diskursautomaten“, in denen man sich entweder für Familie oder Karriere, Osten oder Westen, Israel oder Palästina entscheiden soll? Das bleibt eine gute Frage, doch nachdem man am Ende sein Handy zurückbekommen hat, sieht man alles ein wenig grauer.

Jonas Timmerhues

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