Neues Angebot Trauercafé
Mit dem Schmerz nicht alleine sein

Steinfurt -

Erfahrungen austauschen, einander Trost spenden oder einfach nur zuhören: Die Hospizinitiative lädt Menschen, die einen nahen Angehörigen oder Freund verloren haben, am heutigen Samstag erstmals zu einem Trauercafé ein. Redakteur Ralph Schippers sprach mit den Trauerbegleitern der Initiative, Annette Schulze Frieling, Peter Walterscheid, Josef Leugermann und Gerda Bürger, über die verschiedenen Arten zu trauern und was bei einem schmerzlichen Verlust guttun kann.

Freitag, 26.01.2018, 15:34 Uhr
Die Ehrenamtlichen des Trauercafés der Hospizinitiative: Annette Schulze Frieling (1.Vorsitzende), Peter Walterscheid, Josef Leugermann und Gerda Bürger (v.l.). Es fehlt Renate Voth.
Die Ehrenamtlichen des Trauercafés der Hospizinitiative: Annette Schulze Frieling (1.Vorsitzende), Peter Walterscheid, Josef Leugermann und Gerda Bürger (v.l.). Es fehlt Renate Voth.

Am heutigen Samstag bietet die Hospizinitiative Steinfurt erstmals ein Trauercafé in den Räumen an der Wettringer Straße an. Was hat Sie dazu bewogen, es einzurichten?

Gerda Bürger: Wir sind mehrmals von unterschiedlichen Seiten darum gebeten worden. Auch Teilnehmer unserer Trauerwanderungen haben nach solch einem Angebot gefragt.

Was erwartet die Teilnehmer?

Josef Leugermann: Neben Kaffee, Tee und Kuchen die Begegnung mit Menschen, die in einer ähnlichen Lebenssituation sind. Ein geschützter Raum, um sich auszutauschen und auch seinen Gefühlen freien Lauf lassen zu können. Eine Begleitung erfolgt durch uns Trauerbegleiter.

Was kann das Trauercafé Menschen, die einen nahen Angehörigen oder lieben Freund verloren haben, bieten, was vielleicht in Einzelgesprächen mit Vertrauten oder mit Psychologen oder Trauerbegleitern nicht möglich ist?

Peter Walterscheid: Das Trauercafé bietet einen zwanglosen Kontakt zu Menschen, die ähnliches erlebt haben und aus eigener Erfahrung verstehen, wie sich Trauer anfühlt.

Wenn jemand merkt, das Trauercafé ist nichts für mich, welche Alternativen bieten sich innerhalb der Hospizinitiative?

Gerda Bürger: Wir bieten neben Einzelgesprächen auch Trauerwanderungen und Gedenkfeiern an. Bei entsprechender Nachfrage kann auch eine geschlossene Trauergruppe eingerichtet werden. Weitere Angebote, zum Beispiel eine Trauernacht, sind in Planung. In diesem Zusammenhang freuen wir uns über Anregungen und Ideen von außen, also von Betroffenen. Außerdem haben wir einen Überblick über die Angebote der Hospizdienste in der näheren Umgebung und können individuell beraten, was für den einzelnen hilfreich sein könnte.

Welchen Rat haben Sie für Menschen, die einen Trauernden trösten wollen?

Renate Voth: Trost gibt es gar nicht für einen Trauernden. Also sollten Aussagen wie „Die Zeit heilt alle Wunden“, „Für den Verstorbenen war es doch besser so, sonst hätte er noch mehr gelitten“ oder „Du bist ja noch jung, du wirst schon noch wieder einen neuen Partner finden“ vermieden werden. Man sollte stattdessen zuhören, was der Trauernde über seine Gefühle und Erinnerungen erzählen möchte – auch wenn sich seine Geschichten anfangs häufig wiederholen. Wichtig ist, den Kontakt zu halten – auch wenn man über einen langen Zeitraum häufig Absagen zu den Angeboten erhält. Vom Trauernden selbst ist nicht zu erwarten, dass er die Initiative ergreift. „Du kannst dich jederzeit bei mir melden!“ ist ein häufig durchaus ernst gemeinter Satz an einen Trauernden. Für Menschen in Trauer ist die damit verbundene Anstrengung aber viel zu groß, sie schaffen es oftmals nicht, von sich aus initiativ zu werden. Manchmal ist auch ganz praktische Unterstützung gefragt. Hilfe bei der Gartenarbeit, die vielleicht der Verstorbene bisher gemacht hat, mal einen Eintopf oder ein Stück Kuchen vorbeibringen, den wöchentlichen Einkauf begleiten . . . Man sollte aber unbedingt auch auf sich selbst achten. Sich selbst überfordern bringt nichts. Man sollte nur die Hilfe anbieten, die man auch leisten kann und will. Der Trauernde braucht den Unterstützer auf lange Sicht, denn noch ein Verlust – der der Beziehung zu ihm – ist für ihn kaum auszuhalten.

Angenommen, jemand hat Interesse, als Trauerbegleiter in der Hospizinitiative zu arbeiten: Welche Voraussetzungen sollte er mitbringen?

Renate Voth: Für die ehrenamtliche Arbeit als Trauerbegleiter ist eine qualifizierende Weiterbildung Voraussetzung. Persönliche Eigenschaften sollten Einfühlungsvermögen, Wertschätzung und Achtsamkeit sein. Für die Arbeit in der Trauerbegleitung darf man selbst nicht in einer akuten Trauersituation sein.

Was wünschen Sie sich für das Trauercafé am heutigen Samstag?

Josef Leugermann: Dass die Menschen sich wirklich trauen zu kommen und das Angebot nutzen. Wir wünschen uns für die trauernden Menschen einen bereichernden und entlastenden Nachmittag.

Zum Thema

Das Trauercafé findet heute ab 14.30 Uhr in den Räumen der Hospizinitiative an der Wettringer Straße 6 in Burgsteinfurt statt. Auch kurzfristig Entschlossene sind willkommen.

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