Großstadt-Feeling von seiner schlechtesten Seite: Die Gleisunterführung in Burgsteinfurt
So eine Stinkrinne

Burgsteinfurt -

Wenn es in Burgsteinfurt irgendwo so etwas wie Großstadt-Feeling gibt, dann in der Gleisunterführung zwischen Innenstadt und Friedenau: Drogen, Uringestank, beschmierte Wände – das würde jedem Bahnhofsviertel alle zweifelhafte Ehre machen.

Freitag, 09.03.2018, 14:44 Uhr
Graffiti an den Wänden, Dreck und Fäkalien auf dem Boden – Alfons Kock, Anni Koch und Rosi Kubacki (v.l.) ekeln sich jedes Mal, wenn sie durch den Tunnel müssen.
Graffiti an den Wänden, Dreck und Fäkalien auf dem Boden – Alfons Kock, Anni Koch und Rosi Kubacki (v.l.) ekeln sich jedes Mal, wenn sie durch den Tunnel müssen. Foto: Schäfer

„Mein Elend ist dieser Saustall hier“, klagt Anni Koch. „Der Ausdruck tut weh – aber ich kann es nicht anders beschreiben.“ Richtig angeekelt sei sie jedes Mal, wenn sie von ihrem Haus am Vogelsang in die Innenstadt läuft. Genauso geht es Rosi Kubacki, wenn sie zweimal am Tag durch den Tunnel muss: „Das ist so widerlich, das macht richtig depressiv.“

„Hier wird gekotzt und uriniert“, beschreibt Alfons Kock die täglichen Szenen, die er dort erlebt. Letztens habe er gar eine Frau gesehen, die in der Unterführung hockte und dort, umschreiben wir es mal vornehm, ihren Stuhlgang erledigte. Oft sehe man Drogensüchtige, die sich im Schutz des düsteren Tunnels einen Schuss setzen.

Eigentlich ist der Gang unter den Gleisen zwar beleuchtet, die Lampen sind aber mit roter Farbe zugesprayt worden, sodass jetzt ein schummriges Licht herrscht, das alles noch abgewrackter wirken lässt. „Ältere Leute und junge Frauen mögen im Dunkeln gar nicht mehr durch den Tunnel gehen“, weiß Anni Koch aus Gesprächen mit ihren Nachbarn in der Friedenau.

Und auch Alfons Kock sagt, dass er immer ein mulmiges Gefühl habe, wenn er weiß, dass seine 13-jährige Tochter diesen Weg nehmen muss. Da sei er nicht der einzige, sagt Rosi Kubacki: „Viele Eltern haben Angst, dass ihre Kinder hier in Kontakt mit Drogen kommen.“

Neben den eigenen Ekelgefühlen beim Gang durch die Unterführung finden die Drei die Außenwirkung besonders schlimm: Sie schäme sich immer, wenn sie mit Fahrradtouristen spricht, die von der Radbahntrasse auf den Weg nach Metelen wollen, sagt Anni Koch. „Die sind immer entsetzt, dass sie durch so eine Stinkrinne müssen.“ Oder die Studenten von auswärts, für die er die kürzeste Verbindung zwischen Bahnhof und FH ist. „Das ist doch das Bild, das sie von Steinfurt im Kopf behalten.“ Alfons Kock pflichtet ihr bei: „Die Leute kommen hier an und das ist der erste Eindruck. Das ist eine schlechte Werbung für die Stadt.“

Wie die Situation geändert werden könnte, darüber können sie wie andere nur mutmaßen: Vielleicht würden mehr Kameras zur Überwachung helfen oder eine stärkere Präsenz von Aufsichtspersonal. Die Stadt kümmere sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten und tue, was in ihren Kräften stehe, ist Kocks Erfahrung. „Aber wenn die das hier gereinigt haben, sind Dreck und Schmierereien eine Stunde später schon wieder da.“

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